VfB Stuttgart Warum sich das Warten auf die Porsche-Millionen ins neue Jahr zieht

Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke im Juni 2023. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Nach der Bekanntgabe Ende Juni sollte der Deal mit der Porsche AG schnell umgesetzt werden. Nun zieht sich der Einstieg als Investor bei der VfB Stuttgart AG bis ins Jahr 2024. Warum?

Sport: Carlos Ubina (cu)

Der Abschluss des Fußballjahres hätte stimmungsvoller kaum sein können beim VfB. Mit dem 3:0 am Mittwochabend gegen den FC Augsburg krönte das Team eine außergewöhnliche Hinrunde. Sportlich hat sich damit alles erfüllt, was man sich an der Mercedesstraße im Frühsommer vorgenommen hatte. An anderer Stelle trifft das noch nicht zu.

 

Hier gilt eher: Das Warten nimmt kein Ende. Jedenfalls fühlt es sich bei der Porsche AG so an. Ende Juni, also vor fast genau einem halben Jahr, wurde unter dem Label „Weltmarkenbündnis“ groß verkündet, dass der Sportwagenhersteller beim VfB Stuttgart als neuer und weiterer Investor einsteigt. Doch offiziell komplett vollzogen ist das Ganze immer noch nicht. Trotz diverser Ankündigungen von Alexander Wehrle, dem Vorstandsvorsitzenden des Fußball-Bundesligisten, und Claus Vogt, dem Vereinspräsidenten und Aufsichtsratschef der VfB AG.

Die andauernde Hängepartie führt mittlerweile offenbar zu Unmut beim neuen Partner, denn in Porsche-Kreisen zeigt man sich verwundert darüber, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in ihrer letzten Präsidiumssitzung des Jahres kein grünes Licht für den ersehnten Abschluss gegeben hat.

Am Wackeln ist das Engagement von Porsche deswegen zwar nicht, zumal andere Bestandteile des Geschäfts längst umgesetzt sind und werden. Doch die Geduld von Lutz Meschke wird strapaziert, zumal mit dem Investment auch dessen Einzug (und der von Produktionsvorstand Albrecht Reimold) in den Aufsichtsrat der VfB AG einhergehen soll. Der Porsche-Finanzvorstand hat den Einstieg beim VfB forciert. Er will nun den Status des Unternehmens als Investor gemeinsam mit der Mercedes-Benz Group (hält aktuell 11,61 Prozent der Anteile) und der Jako AG (1,16) endlich in trockenen Tüchern haben. Allerdings wurde die Diskussion darüber innerhalb des DFL-Präsidiums jüngst aus Zeitgründen vertagt – auf das nächste Treffen des Präsidiums zu Beginn des kommenden Jahres. Die Sache zieht sich also weiter, zunächst sollte der sogenannte Porsche-Deal bereits Ende Juli durch sein, dann im September, anschließend im Oktober, danach im November und schließlich im Dezember.

DFL-Präsidium mit anderen Themen beschäftigt

Passiert ist seither wenig, obwohl die entsprechenden Unterlagen wohl schon seit einigen Wochen bei der DFL liegen. Beim Dachverband der Erst- und Zweitligisten beschäftigte man sich zuletzt jedoch vor allem mit der Hereinnahme eines eigenen strategischen Partners für eine Milliarde Euro – und seit dem Votum der Mehrheit der 36 Profivereine für diesen Plan gezwungenermaßen auch mit den Begleiterscheinungen. Etwa den vehementen Protesten der Fanszenen oder dem Abstimmungsverhalten einzelner Mitglieder.

In Stuttgart sind die entsprechenden Papiere in der Gesellschafterversammlung der VfB AG zwar auch nicht umgehend nach der Bekanntgabe im Juni, aber doch längst unterschrieben, und auch das Kartellamt hat sein Okay gegeben. Aber von der Liga-Geschäftsführung (Marc Lenz und Steffen Merkel) liegt bei Porsche bislang kein Schriftstück vor. Was beim Autobauer, wie in Zuffenhausen zu erfahren ist, eben auch zu der Frage führt, ob der VfB diesbezüglich seine Hausaufgaben gemacht habe.

Was durch die Dauer des Verfahrens klar scheint: Eine reine Formsache, wie es Porsche gegenüber offenbar zunächst kommuniziert worden war, ist der avisierte Abschluss dann eben doch nicht. Vielmehr geht es um eine Grundsatzentscheidung der DFL, die auch auf künftige Fälle, andere Clubs und Investoren Anwendung finden kann.

Genereller Hintergrund ist eine von der Liga eingeführte Regel aus dem Jahr 2015: Kein Unternehmen darf an mehr als drei Clubs aus der ersten und zweiten Liga gleichzeitig beteiligt sein. Beträgt die Beteiligung gar mehr als zehn Prozent, müssen sich die Investitionen auf einen Verein konzentrieren. Porsche beabsichtigt, 10,4 Prozent der Anteile an der VfB AG zu kaufen, weshalb hier wohl ein wichtiger Knackpunkt der Prüfung liegt. In zwei Tranchen sollen dadurch knapp über 40 Millionen Euro an die VfB AG fließen. Im Sommer 2024 sollte schon der zweite Teilbetrag überwiesen werden.

Wie wird die Porsche AG bewertet?

Bisher allerdings gab es noch nicht einmal von der ersten Tranche einen Cent, da nicht geklärt ist, ob die Porsche AG als getrennt vom Volkswagen-Konzern zu bewerten ist. Nach dem Selbstverständnis der Zuffenhausener müsste das so sein, weil sie selbst börsennotiert sind und sich nicht als klassische VW-Tochter betrachten. Auch der Vorschlag an die DFL vonseiten des VfB soll in diese Richtung zielen. Rein theoretisch könnte sich Porsche somit an drei Clubs beteiligen. Doch das ist gar nicht die Absicht.

Wie die DFL die Lage einschätzt, bleibt abzuwarten. Momentan hält VW 100 Prozent am VfL Wolfsburg sowie über das Tochterunternehmen Audi 8,33 Prozent am FC Bayern München und 19,9 Prozent am Drittligisten FC Ingolstadt. Noch wäre also alles gut, aber die Ingolstädter erheben den Anspruch, in die zweite Liga aufzusteigen. Und die Porsche-Verantwortlichen wollen Rechtssicherheit, keinen Sonderstatus.

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