VfB Stuttgart Wataru Endo exklusiv – „Wir lernen, über Grenzen zu gehen“

Gut gelaunt beim Interviewtermin: Wataru Endo im Trainingslager des VfB Stuttgart in Marbella. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Er ist als Kapitän ein stiller Anführer des VfB Stuttgart – und muss sich unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia umstellen. Wie funktioniert das? Was hat ihm die WM bedeutet? Welche Träume hat er noch? Wir haben exklusiv mit Wataru Endo gesprochen.

Wataru Endo ist auf dem Fußballplatz der stille Anführer des VfB Stuttgart. Der Kapitän geht stets mit Laufbereitschaft und Einsatzwillen voran. Und Tore kann der 29-jährige Japaner auch erzielen. Während des Trainingslagers in Marbella hat sich Endo nun Zeit genommen, um über die Situation des VfB zu reden – aber nicht nur darum ging es in dem Gespräch.

 

Herr Endo, Sie sind wohl der Spieler mit der insgesamt höchsten Belastung beim VfB Stuttgart. Wie schwer sind Ihre Beine nach den vielen Trainingseinheiten zuletzt unter Bruno Labbadia in der Vorbereitung?

Danke, ich fühle mich sehr gut. Ich habe zwar noch nicht meine perfekte Form erreicht, aber das ist zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung auch völlig normal.

Glauben Sie, dass der VfB nun mit dem neuen Coach den richtigen Weg eingeschlagen hat?

Auf jeden Fall. Wir sind ein junges Team und müssen dazulernen. Die harte Trainingsarbeit wird sich bezahlt machen. Wir trainieren jetzt teilweise dreimal am Tag. Das ist genau das, was die Mannschaft benötigt. Wir lernen, über Grenzen zu gehen. Das hilft uns, denn die Mentalität ist entscheidend im Kampf um den Klassenerhalt. Noch wichtiger als die jeweilige Taktik ist die Einstellung zu jedem einzelnen Spiel. Wir müssen jede Partie wie ein Finale angehen.

Ein wichtiger Punkt für den Trainer ist die Kommunikation auf dem Platz. Hat er mit Ihnen darüber gesprochen, da Sie ja als stiller Anführer gelten?

Ja. Ich soll auf dem Feld noch mehr Kommandos geben, um die Mitspieler zu unterstützen. Das werde ich tun. Komplett werden sich mein Spiel und meine persönliche Art aber natürlich nicht verändern.

Auf welcher Position ist Endo am Stärksten?

Auf welcher Position sieht Sie Bruno Labbadia im Mittelfeld?

Wir haben auch darüber gesprochen, und ich meine, dass ich auf der Sechserposition am stärksten bin. Der Trainer kann sich vorstellen, mich auch als Achter einzusetzen. Das ist kein Problem. Ich spiele beides gerne.

Sie haben zuletzt bei der WM in Katar alle Partien für Japan bestritten. Gab es danach eine wirkliche Pause?

Ja, ich habe nach dem letzten WM-Spiel mehr als zwei Wochen lang nichts Sportliches gemacht. Keine Läufe, keine Einheiten im Kraftraum – einfach nur erholen. Zunächst bin ich dabei für eine Woche nach Stuttgart zurückgekehrt, danach ging es für zehn Tage in die Heimat. In der Zeit habe ich mich um die Familie gekümmert.

Und – konnten Sie Abstand zum Fußball gewinnen?

Ja. Es ist auch wichtig für mich, mal nicht an Fußball zu denken. Obwohl ich sagen muss, dass die vielen Spiele und die viele Reiserei mir körperlich gar nicht so viel ausmachen. Ich bin das schlichtweg seit Jahren gewöhnt. Der Körper hat sich nach der Weltmeisterschaft deshalb gar nicht so müde angefühlt, der Kopf schon ein bisschen mehr.

Wie behalten Sie die Wüsten-WM in Erinnerung?

Das war eine großartige Erfahrung für mich. Und der Höhepunkt war dabei der Sieg gegen die deutsche Nationalmannschaft. Insgesamt war es so, dass wir als Team zeigen konnten, wie gut wir sind. Mit etwas Matchglück hätten wir mehr als das Achtelfinale erreichen können. Für mich persönlich war zudem wichtig, dass ich auf dieser großen Bühne dabei war – um zu zeigen, wie ich mich in den vergangenen vier Jahren verbessert habe. Ich war ja bereits für die WM 2018 in Russland nominiert. Dort wurde ich jedoch nicht eingesetzt. Diesmal hatte ich eine ganz andere Rolle in unserer Nationalmannschaft.

Die Bundesliga als Plus der Japaner

Dabei waren Sie nicht der einzige japanische Bundesliga-Profi in der Elf von Trainer Hajime Moriyasu.

Ja, das waren eine ganze Reihe, zum Beispiel mit den Torschützen Ritsu Doan und Takuma Asano. Unser Trainer hat ja gesagt, dass wir Deutschland auch dank deren Hilfe geschlagen haben – weil sich die Spieler in der Bundesliga so gut entwickelt haben. Das sehe ich genauso. Aus diesem Grund bin ich schließlich zum VfB gekommen – um in der Bundesliga zu spielen und stärker zu werden.

Wie enttäuschend war das Aus im Achtelfinale gegen Kroatien durch Elfmeterschießen?

Sehr, natürlich. Denn wir haben gegen die Kroaten unser bestes WM-Spiel abgeliefert. Am Ende hat es jedoch nicht gereicht. Dennoch sind wir mit einem gewissen Stolz abgereist.

Und jetzt geht es für Sie und Ihre Mannschaft mit dem VfB Stuttgart in den Abstiegskampf der Bundesliga. Haben Sie keine höheren Ziele?

Nein, zunächst nicht. Das primäre Ziel ist es, den VfB in der ersten Liga zu halten. Das ist mit dieser Mannschaft auch möglich. Ich selbst fühle mich sehr wohl in Stuttgart und kann mir gut vorstellen, hier länger zu bleiben. Wobei ich nicht verhehlen will, dass es immer ein Traum von mir war, irgendwann mal in der englischen Premier League zu spielen.

Lockt Sie auch ein internationaler Clubwettbewerb?

Natürlich wäre es reizvoll, in der Champions League zu spielen. Auch dieses Ziel verliere ich nicht komplett aus den Augen.

Die Realität ist aber eine andere.

Ja, ich bin aber überzeugt davon, dass wir bis zum Re-Start gegen den FSV Mainz 05 bereit sein werden.

Wird es diesmal wieder bis zum letzten Spieltag dauern, ehe der VfB den Klassenverbleib sicher hat?

Das hoffe ich nicht. Es war in der vergangenen Saison zwar emotional etwas Besonderes, das Ziel im letzten Spiel in der letzten Sekunde zu erreichen, aber sportlich war es insgesamt keine gute Saison.

Die Rettung ist „Vergangenheit“

Ihr Tor zur Rettung hat Sie in Stuttgart aber zu „Legendo“ gemacht.

Schon, und das freut mich immer noch. Es ist aber Vergangenheit.

Haben Sie selbst ein T-Shirt mit dieser Aufschrift?

Nein, ich habe eines den Mädchen geschenkt, die den Begriff „Legendo“ im vergangenen Mai bei uns auf die Straße geschrieben hatten.

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