Stuttgart - Zumindest in seinen öffentlichen Erklärungen sieht das für den Sport zuständige Führungsduo des VfB Stuttgart weiter keinen Grund zu ausufernder Sorge. „Bis jetzt gehen bei mir keine Alarmglocken an“, sagte Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem unglücklichen 1:2 beim SC Freiburg – es war die vierte Niederlage im sechsten Spiel: „Denn ich bewerte weiter die Leistungen. Wenn die stimmen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Ergebnisse kommen“, ergänzte der VfB-Cheftrainer: „Es gibt bei mir keine Unruhe. Wir stehen weiterhin auf einem ordentlichen Tabellenplatz.“
Mislintat: Kein Grund zur Panik
Das sieht Sven Mislintat ganz ähnlich: „Dass wir auch mal bedingt nach unten gucken müssen, ist völlig klar. Das ist Teil unseres Weges“, sagte der VfB-Sportdirektor, der aber wie sein Trainer aktuell keinen Anlass sieht, in Panik zu verfallen oder etwa im Umgang mit dem Team die Tonart zu ändern.
Tatsächlich aber ist der VfB in den vergangenen Wochen sukzessive in eine handfeste Ergebniskrise hinein geschliddert. So wurde von den vergangenen sieben Partien in der Fußball-Bundesliga gerade mal eine gewonnen. Fünf von 21 möglichen Punkten wurden in diesem Zeitraum lediglich geholt. Der VfB ist zwar weiterhin Tabellenzehner. Doch die unmittelbare Konkurrenz, diesmal etwa Werder Bremen und der FC Augsburg, rückt Zug um Zug näher heran. Bereits am Freitag (20.30 Uhr) kommt mit dem FSV Mainz 05 ein weiterer schlagbarer Gegner nach Stuttgart. Gibt es dann wieder keine Punkte, dürften auch Matarazzo und Mislintat in den Krisenmodus umschalten.
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Derzeit liegen die Dinge beim VfB aber anders: „Für uns ist jetzt die Detailarbeit wichtig“, sagt Sven Mislintat, der überhaupt nichts davon hält, den großen Hammer heraus zu holen. „Wir müssen etwa daran arbeiten, dass wir die Tore nicht so einfach herschenken“, sagt der 48-Jährige – und hat dabei vor allem den Sportclub-Treffer zum 2:1 durch Freiburgs Südkoreaner Woo Jeong (37.) im Blick. Hier hatte VfB-Verteidiger Pascal Stenzel ganz schlecht ausgesehen, als er den Ball einfach unberührt passieren ließ.
Während Stenzel im Spiel gegen seinen Ex-Club komplett von der Rolle war und von Trainer Matarazzo durch seine Auswechslung zur Halbzeit quasi erlöst wurde, wackelten aber auch die Kollegen hinten in der Abwehrreihe. Sowohl Waldemar Anton wie auch Marc Kempf erreichten keine Normalform, für den Sportclub taten sich allerdings auch durch die schwache Defensivarbeit der anderen Mannschaftsteile vor allem im ersten Durchgang große Räume auf.
Probleme mit dem Rückwärtsgang
Hatte sich der VfB zuletzt defensiv stabil präsentiert, erinnerte die schwache Leistung in der Rückwärtsbewegung im Schwarzwaldstadion genauso wie die drei Tage zuvor auf der Bielefelder Alm an längst überwunden geglaubte Zweitligazeiten. Auch da hatten sich die Stuttgarter durch unnötige Abwehrfehler ein ums andere Mal selbst ein Bein gestellt.
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Lob gab es derweil vom gegnerischen Trainer: „Der VfB hätte einen Punkt verdient gehabt. So viel Glück hatten wir in der ganzen Saison noch nicht. Sie waren in der zweiten Halbzeit so dominant, dass wir nicht mehr zu unserem eigenen Spiel gefunden haben“, sagte Freiburgs Christian Streich.
Tatsächlich wies die Statistik am Ende 27:9 Torschüsse für den VfB aus, darunter zwei Pfostenschüsse und eben der verschossene Elfmeter von Nicolas Gonzalez kurz vor der Halbzeit, den Sven Mislintat schnell abhakte: „Nico hat zuvor immer souverän getroffen. Jetzt haben wir mal erlebt, was passiert, wenn bei seinem Anlauf der Torwart besser pokern kann als er.“
Ein Mangel an Effektivität
Es war also auch Pech dabei – und dennoch erinnerte auch der Kern dieses Effektivitätsproblems an die vergangenen Saison: Denn dominanten Fußball mit einem klaren Plus an Ballbesitz sowie einer Fülle an Torchancen, den hatte es beim VfB auch in der Ära des letztlich gescheiterten Trainers Tim Walter gegeben.
Am Ende aber entscheiden die erzielten Tore über Erfolg und Misserfolg eines Teams, das in Freiburg lange Zeit einen wenig gefestigten Eindruck machte. Denn auch dieses Manko ist nicht neu: Läuft es beim VfB nicht, tauchen zu viele Spieler ab. Und ein Leader ist dann auf dem Platz nicht zu sehen.