VfB Stuttgart Wie der Club seine Fußballschule immer weiter ausbaut

Ein Erfolgsmodell: die Fußballschule des VfB Stuttgart. Foto: imago/Sportfoto Rudel/imago sportfotodienst

Der VfB Stuttgart hat mit seiner Fußballschule ein Erfolgsmodell, über das wenig gesprochen wird. Das soll sich ändern, der Club intensiviert die Bemühungen um das Angebot massiv. Damit verfolgt man gleich mehrere Ziele.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Wenn man sich auf Bolzplätzen, Käfigen, Schulhöfen und auch den klassischen Fußballplätzen umschaut, dann fallen gewisse Dinge auf. Zum einen, dass der fußballerische Nachwuchs sehr gut ausgerüstet ist. Schreiend bunte Trikots mit den großen Namen darauf. Inter Miami mit Messi oder Suarez, al-Nassr mit Cristiano Ronaldo, Real Madrid mit Mbappé, und so weiter und so fort. Interessant: Die Clubs sind dabei eigentlich sekundär.

 

Denn die Kids folgen mittlerweile den großen Stars der Szene, jenen mit den großen Social-Media-Accounts – als denen, die sie von YouTube, TikTok oder Snapchat kennen. Gern genommen wird dabei auch die „Full-Kit-Version“, also Trikot, Hose und Stutzen. Wichtig dabei: Wer was auf sich hält, der trägt natürlich Originalware, nicht die billigen Replikas aus dem letzten Türkei-Urlaub. Und diese Originale sind alles andere als günstig. Die Clubs wittern das Geschäft längst, insbesondere Real Madrid ist in diesem Markt und dem Wettbewerb um die Kunden der Zukunft auf Expansionskurs, bietet seine Fußballschule als Franchise-Modell weltweit an – hohe Teilnahmegebühren verstehen sich von selbst.

Was noch auffällt: Der VfB Stuttgart spielt in diesem Spiel bisher noch eine untergeordnete Rolle. Erst so langsam kehren die VfB-Trikots bei den Kindern zurück, dem aktuellen Erfolg unter Trainer Sebastian Hoeneß sei Dank. Dabei, betont Rouven Kasper, Marketingvorstand des Clubs, war man „einer der ersten Clubs, die eine Fußballschule gestartet haben. Auch, weil Nachwuchsarbeit für uns als VfB Stuttgart zur DNA gehört.“ Diesen Umstand kombiniert man nun in Bad Cannstatt mit intensiven Bemühungen rund um die eigene Fußballschule, die schon existierte, als das Wort Franchise-Modell noch lange nicht Einzug in den mittlerweile üblichen Marketing-Sprech gefunden hatte. Das Thema boomt. Umsatz, Mitarbeiterzahl, Camps, Teilnehmerzahlen – all das hat sich innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt.

„Die Zeiten, in denen Günther Schäfer das alles gemacht hat und das Gesicht nach außen war, sind längst passé. Wir haben uns immer weiter entwickelt und sind sehr stark gewachsen“, sagt Kasper. Sein Fazit fällt zufrieden aus: „Die Fußballschule entwickelt sich sehr gut. Sie gibt uns eine gewisse Erdung und Verwurzelung in der Region, macht gleichzeitig Themen direkt erlebbar, die uns ausmachen. Trainingsphilosophie, Wertesystem, Markenbindung, Scouting sind die Säulen, die da stark reinspielen.“

Günther Schäfer erklärt dem Nachwuchs, wo es lang geht. Foto: imago/Lichtgut/imago sportfotodienst

Michael Gühring ist federführend für das Thema Fußballschule innerhalb der VfB Stuttgart 1893 AG verantwortlich, firmiert dort als „Manager Fußballschule, internationale Fußballprojekte & B2C-Events“. Er sieht sich und seine Mitstreiter als „Aushängeschild für den VfB Stuttgart. Wir sind in der ganzen Region unterwegs. Da treffen wir auch auf Kids, die sich noch keinen Verein fürs Leben ausgesucht haben. Da setzen wir an und wollen möglichst viele für den VfB Stuttgart gewinnen“.

Mittlerweile sechs festangestellte Trainer und eine dreistellige Anzahl freier Mitarbeiter touren durch das Land und veranstalten Camp um Camp. Gühring ist das wichtig. „Wir haben festangestellte Trainer, anders als viele andere Anbieter. Alle sind entsprechend ausgebildet und bieten so eine Qualitätsgarantie.“ Rund 300 Veranstaltungen sind es momentan im Jahr. Der Run auf das Angebot ist groß, Hunderte Kinder werden Monat für Monat mit qualitativ hochwertigen Trainingsinhalten in Berührung gebracht – vor allem aber mit dem Club selbst, mit der Marke VfB Stuttgart.

Das Geschäftsmodell funktioniert, der VfB verdient gutes Geld mit diesem Angebot und setzt auf die frühe Bindung zu den potenziellen Clubmitgliedern und Kunden von morgen. Noch wichtiger ist dem Club aber, „dass wir die Kinder in Bewegung bringen“, sagt Kasper. Ein gesellschaftlicher Auftrag, der dem VfB wichtig ist. Man will sozusagen die Massen mobilisieren.

Kleinbus der VfB-Fußballschule Foto: imago sportfotodienst/imago sportfotodienst

Ganz nebenbei haben die Bemühungen noch den interessanten Aspekt, dass Bewegungstalente früh erkannt werden und ebenso früh für die eigene Akademie gewonnen werden können. Denn der VfB befindet sich in Baden-Württemberg in einem hochumkämpften Markt, schließlich fischen auch die Nachwuchsleistungszentren (NLZ) aus Freiburg, Karlsruhe, Hoffenheim, Heidenheim und Augsburg in ein und demselben Teich. „Das Thema Scouting kam tatsächlich eher begleitend auf, war nie primärer Fokus“, sagt Gühring zwar, wartet dann aber mit interessanten Details auf. „Als wir tiefer in die Recherche gingen, wo denn unsere Talente aus dem NLZ herkommen und wie sie zu uns kamen, wurde offensichtlich, dass sehr viele erstmals durch die Fußballschule mit uns in Kontakt kamen.“ So wie einst Joshua Kimmich oder aktuell Laurin Ulrich. „Rund die Hälfte der Jungs im Grundlagenbereich unseres NLZ wurden ursprünglich über die Fußballschule gesehen, gescoutet und später dann entwickelt“, sagt Kasper.

Auch für die Zukunft hat man schon Ideen. Neben der Intensivierung der bisherigen Bemühungen will man das Angebot insbesondere in zwei Bereichen ausbauen. „Unser Mädchenangebot wird ausgeweitet“, sagt Gühring. Leonie Maier, prominenter Neuzugang der VfB-Frauen, ehemalige Nationalspielerin und aus der Region, soll hier federführend sein. Zudem will man sich nicht nur den Feldspielern widmen – auch ein Angebot explizit für Torspieler und Torspielerinnen soll es zukünftig geben.

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