VfB Stuttgart Wie die Mitstreiter Holger Badstuber verteidigen

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Holger Badstuber hat sich nach seinem Platzverweis gegen Holstein Kiel in der Wortwahl vergriffen. Seine Teamkollegen nehmen ihn dennoch in Schutz. Trotz Entschuldigung droht dem Verteidiger des VfB Stuttgart aber eine längere Sperre.

Holger Bastuber ist nach seinem Platzverweis außer sich. VfB-Kapitän Marc Oliver Kempf versucht noch auf Schiedsrichter Benedikt Kempkes einzuwirken. Foto: Baumann
Holger Bastuber ist nach seinem Platzverweis außer sich. VfB-Kapitän Marc Oliver Kempf versucht noch auf Schiedsrichter Benedikt Kempkes einzuwirken. Foto: Baumann

Stuttgart - Holger Badstuber hat gehadert, als er den Rasen der Mercedes-Benz-Arena verlassen musste. Mit sich, seinen Mitspielern und den Schiedsrichtern. Vor allem Benedikt Kempkes und sein Team bekamen einiges von dem Innenverteidiger des VfB Stuttgart zu hören, nachdem ihm der Unparteiische die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte. Beim Gang in die Kabine entlud sich dann der Frust vollends beim vierten Offiziellen Patrick Alt am Spielfeldrand. „Ihr habe kein Fingerspitzengefühl. Ihr pfeift nur noch nach den Regeln. Ihr seid Muschis“, sagte der 29-jährige Fußballprofi, um sich Stunden nach Spielschluss via Twitter zu entschuldigen: „Ich habe mich ungerecht behandelt gefühlt und falsch reagiert. Das tut mir leid. Ich bin meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden.“

Eingefangen wurden die emotionalen Worte über die Außenmikrofone des Fernsehsenders Sky. Und im Nachgang der 0:1-Niederlage gegen Holstein Kiel wurde sofort Tim Walter mit den Aussagen konfrontiert. Doch der Trainer ließ sich zu keinem unbedachten Kommentar hinreißen, obwohl auch er aufgewühlt war. Nicht über die Situation, die zu dem Platzverweis geführt hatte, nicht über seinen Spieler und nicht über den Referee. „Wenn der Schiedsrichter Gelb-Rot gibt, dann wird es wohl berechtigt gewesen sein“, meinte Walter.

Mit Badstuber geht die Linie verloren

Badstuber hatte Janni Luca Serra leicht getreten und stark am Trikot gezogen, in der gegnerischen Spielhälfte. Kempkes zögerte in der 53. Spielminute nicht – und hinterher war allen Beteiligten klar, dass dies die entscheidende Szene der Partie gewesen war. Die Stuttgarter fanden in Unterzahl kein spielerisches Mittel, um zum Erfolg zu kommen. Mehrfach liefen die Gastgeber sogar Gefahr, sich ein zweites Gegentor einzufangen. Weil mit Badstubers Abgang zum einen die Linie verloren ging, und zum anderen die taktischen Möglichkeiten durch Spielerwechsel beschränkt waren.

„Beide Gelbe Karten kann man geben“, sagte der Sportdirektor Sven Mislintat, nachdem Badstuber bereits nach hartem Einsteigen gegen Johannes van den Bergh verwarnt worden war. Eine halbe Stunde war zu diesem Zeitpunkt gespielt. In ein Laufduell hatte der Routinier zuvor müssen – und das behagt ihm nicht. Entsprechend verärgert war er über Roberto Massimo, der sich nicht angeboten hatte. Später zog sich Nicolas Gonzalez dann Badstubers Zorn zu, weil der Angreifer mit einem geblockten Schuss die Kontergelegenheit für die Gäste ausgelöst hatte, in die er rettend eingreifen wollte.

Wie reagiert der DFB?

Ein Bärendienst. Nun fehlt Badstuber dem VfB auf jeden Fall am Samstag beim Hamburger SV. Die Verantwortlichen befürchten jedoch, dass die verbale Entgleisung des Abwehrspielers eine weitere Strafe nach sich ziehen könnte. Sprich eine längere Sperre, falls der Deutsche Fußball-Bund ein Verfahren einleitet. Der neue Vorstandschef Thomas Hitzlsperger besuchte deshalb die Schiedsrichterkabine, um Schadensbegrenzung zu betreiben. „Man muss bedenken, dass der Spieler mit heißem Herzen bei der Sache gewesen ist. Da kann so etwas schon einmal passieren“, warb Mislintat um Verständnis.

Als Opfer der Umstände wird sich Badstuber aber kaum darstellen lassen. Die Fouls waren unstrittig. Auch wenn Pascal Stenzel meinte, „bei der zweiten Aktion hätte man ein Auge zudrücken können“. Der Rechtsverteidiger hatte ebenfalls versucht, zu klären. Er musste jedoch nicht mehr eingreifen, weil Badstuber sich entgegen seiner Gewohnheit nicht clever verhielt. Ansonsten weiß der frühere Nationalverteidiger gut, wann er wie hinlangen muss. Diesmal war es sportlich zu heftig und verbal womöglich zu viel. „Wer den Fußball kennt, der weiß, dass es dabei nicht immer zaghaft zugeht“, sagte Walter. Und der eingewechselte Mario Gomez ergriff ebenfalls Partei: „Ich will Holger nicht in Schutz nehmen, aber in so einer Stresssituation sind solch unschönen Worte schon mal Fußballdeutsch.“