Wenn es aktuell einen Spieler beim VfB Stuttgart gibt, der die Schlagzeilen beherrscht, dann ist es Serhou Guirassy. Zu Recht natürlich, der Guineer hat einen Lauf von einem anderen Stern. Es scheint ihm einfach alles zu gelingen. Doch bei allem Hype um den Angreifer: Es gibt auch andere Spieler in diesem zurzeit so erfolgreichen Kader, die Geschichten schreiben, die so wohl im Vorfeld der Saison keiner erwartet hatte. Allen voran Pascal Stenzel.
Dass keiner so wirklich über den Mann aus Bünde in Nordrhein-Westfalen spricht, hat sicher mit Stenzels Art zu tun. Der 27-Jährige ist kein Lautsprecher. Keiner, der mit Gesten um Aufmerksamkeit heischt. Nicht einmal einer, der nach eigenen Scorerpunkten groß jubelt. Abdrehen, Mund abputzen, weitermachen. Das ist Pascal Stenzel.
Für VfB-Trainer Sebastian Hoeneß gab es schon in der Vorbereitung keinen Zweifel daran, dass er den Platz rechts außen in der Viererkette besetzen wird. Zum einen war da schon klar, dass Borna Sosa den Verein verlassen und Josha Vagnoman lange ausfallen würde, die 5-3-2-Systematik also ad acta gelegt werden müsse. Zum anderen stand mit „Kalle“, wie Stenzel alle rufen, ein Spieler im Kader, wie ihn Trainer lieben. Denn der Außenverteidiger zeigt in seinen Auftritten keine krassen Ausschläge, weder nach oben noch nach unten. Dafür spielt Stenzel stets zuverlässig und nah an seinem absoluten Leistungslevel. Trainer schätzen dies – denn sie wissen immer, was sie bekommen.
Stenzel wird beflügelt vom Vertrauen des Trainers
Nun hat das Stenzel entgegengebrachte Vertrauen offenbar dazu geführt, dass sich eben dieses Leistungslevel nach oben verschoben hat. Er spielt die wohl beste Saison, seitdem er 2019 vom SC Freiburg zum VfB gewechselt ist. Er stand in jedem Pflichtspiel in der Startformation, hat erst 73 Minuten Spielzeit verpasst.
Zu seinen stabilen Defensivauftritten gesellen sich nun offensive Highlights. Stenzel hat bereits drei Torvorlagen in fünf Ligaspielen serviert, hat zwölf schusserzeugende Aktionen geliefert und war an sieben der 17 VfB-Treffer beteiligt – ob durch direkte Vorlage, einen Zweikampf oder wie am Freitag gegen Darmstadt 98 durch den wichtigen Pre-Assist, also die Vorlage zur Torvorlage. Stenzel initiierte die Treffer zum 1:1 von Enzo Millot und zum 2:1 von Guirassy, das dritte legte er dem Stürmer direkt auf. Dazu kamen zwei Torschüsse – eine Leistung, die als die beste seiner bisherigen Saison gewertet werden darf.
Spannend wird zu beobachten sein, was die Rückkehr von Vagnoman ins Mannschaftstraining auslösen wird. Diese steht kurz bevor. Ändert Hoeneß das System? Holt sich Vagnoman seinen Platz zurück? Wird Stenzel durch die Konkurrenzsituation noch besser? Sicher ist: Stenzel wird das Geschehen weder mit großen Worten noch Gesten begleiten. Sondern maximal so, wie er seinen Galaauftritt am Freitagabend kommentierte: „Demütig bleiben und weiterarbeiten.“