VfB Stuttgart Vereinsführung und Fans

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Vereinsführung und Fans

Was die Cluboberen des VfB schon vor dem Anpfiff gegen Werder zu sehen bekamen, kann ihnen nicht gefallen haben. Viele Sitze in der Arena blieben leer. 41 200 lautete die Zuschauerzahl bei einem Fassungsvermögen von 60 000. Das Bild der Untertürkheimer Kurve erinnerte an triste Europa-League-Spiele. So wird immer deutlicher, was zunächst nicht zu greifen war: Das Publikum wendet sich ab – und bei den Anhängern, die da sind, kippt die Stimmung.

Nach dem 1:3 durch Mehmet Ekicis Freistoß (74.) hatten auch die treuesten Fans in der Cannstatter Kurve genug. Sie schrien: „Wir haben die Schnauze voll“ und „Bruno raus“ – am eindringlichsten aber „Vorstand raus“. An der Vereinsführung wird die Krise ebenso festgemacht wie am Trainer und der Mannschaft. Schließlich trägt der Vorstand samt dem Aufsichtsrat die Gesamtverantwortung. Und das Gefühl der Anhänger, dass Gerd Mäuser und Co. mit ihrer rigiden Sparpolitik die falsche Richtung weisen, nährt die Zweifel an der sportlichen Entwicklung.

Der Stuttgarter Weg ist ein Tabuthema

Kurzzeitig war während des Spiels ein bemerkenswertes Plakat zu sehen: „Der Stuttgarter Weg? Verlaufen?!?“ Das kann vor allem dem Präsidenten nicht gefallen haben. Denn Mäuser spricht gerne über den Stuttgarter Weg, zuletzt bei der Vertragsverlängerung von Trainer Bruno Labbadia am 30. Januar. Wie dieser Weg aussehen soll, weiß jedoch niemand. Über den Hinweis auf die jungen Wilden gehen die Erklärungen nicht hinaus. Und als die Rede am 30. Januar auf die schlechte Stimmung im Umfeld des Clubs kam, konterte Mäuser das mit dem Bemerkung, dass daran ja auch die Medien schuld seien.

Dass die neue Generation an VfB-Talenten gegen Bremen versammelt auf der Bank saß, stellt dabei im Augenblick aber nur einen Randaspekt dar. Irritierender scheint, dass der Verein Geld in auswärtige Nachwuchsspieler (Federico Macheda, Alexandru Maxim) investiert. Im Einzelfall mögen die Verpflichtungen sogar nachvollziehbar sein, eine Gesamtstrategie für die Personalentwicklung sehen viele Fans dahinter aber nicht. Doch der Präsident delegiert sämtliche Fragen zur sportlichen Ausrichtung an den Manager Fredi Bobic. Eine Instanz, die ihn und Labbadia kontrolliert, existiert im Verein nicht. Auch der Aufsichtsratschef Dieter Hundt hat sich zuletzt nicht äußern wollen und darauf verwiesen, dass er für das operative Geschäft nicht zuständig sei.

Gemein ist Mäuser und Hundt ebenso, dass sie ausgiebig auf die Bilanzen schauen. Der Verlust im Geschäftsjahr 2012 wird bei zehn Millionen Euro liegen, doch das beruht auch auf buchhalterischen und steuerlichen Details und nicht auf Verschwendungssucht. Die Liquidität des VfB ist davon nicht betroffen. Was bleibt, ist vorerst aber dennoch nur ein Stuttgarter Weg, der in doppelter Hinsicht nach unten führt.




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