VfB Stuttgart Wirbel um DFL und Wolfgang Dietrich

Von cu 

Auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart hatte Wolfgang Dietrich behauptet, nicht über seine ehemaligen Geschäftsbeteiligungen öffentlich reden zu dürfen. Der Ligaverband DFL widerspricht dieser Aussage – und das hat große Irritationen ausgelöst.

Wolfgang Dietrich gerät in Erklärungsnot Der zurückgetretene VfB-Präsident soll nicht die Wahrheit gesagt haben. Foto: Baumann 18 Bilder
Wolfgang Dietrich gerät in Erklärungsnot Der zurückgetretene VfB-Präsident soll nicht die Wahrheit gesagt haben. Foto: Baumann

Stuttgart - Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart hallt nach. Jetzt hat sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zu Wort gemeldet, nachdem Aussagen im Raum standen, der Ligaverband habe die Veröffentlichung von Informationen über die früheren Geschäftstätigkeiten und Firmenbeteiligungen von Wolfgang Dietrich untersagt. Dietrich, der mittlerweile als VfB-Präsident zurückgetreten ist, hatte dies am vergangenen Sonntag ausgeführt. Der 70-Jährige war während der Aussprache zuvor von mehreren Mitgliedern auf dem Podium noch einmal auf seine vermeintlichen Quattrex-Verstrickungen angesprochen worden. Es ging um Argumente für eine mögliche Abwahl Dietrichs.

DFL will nicht als Zensor dastehen

Die DFL stellte nun in einer Mitteilung klar, das dies nicht der Fall gewesen sei. „Herrn Dietrich steht es frei, sich öffentlich über seine privaten Vermögensverhältnisse, seine Geschäftstätigkeit oder von ihm gehaltene Beteiligungen an Unternehmen zu äußern“, heißt es in einer längeren Mitteilung (hier geht es zur Mitteilung der DFL/Anm. d. Red.: die Mitteilung wurde mittlerweile überarbeitet). Auf Wunsch Dietrichs sei Vertraulichkeit über dessen geschäftliche Beteiligungen vereinbart worden. Eine erste Reaktion unter VfB-Fans: Dietrich wird der Lüge bezichtigt.

Allerdings ist das nicht die Intention des Ligaverbandes gewesen, wie die DFL gegenüber unserer Redaktion mitteilte. Vielmehr wollte die DFL nach diversen Anfragen zu dem Thema dem Eindruck entgegentreten, sie hätte Zensur betrieben. Dietrich, so bestätigt das auch die DFL, hatte im Vorfeld seiner Wahl zum VfB-Präsidenten im Herbst 2016 für Transparenz gesorgt und ist auch allen mit der DFL vereinbarten Maßnahmen nachgekommen.

Der frühere VfB-Chef wehrt sich ebenfalls entschieden gegen die Lesart, er habe die Unwahrheit gesagt. Das Problem ist nur, dass der Teufel hier ziemlich in den Details eines komplexen Sachverhalts steckt. Über sein Privatvermögen könne er natürlich Auskunft geben, so Dietrich. Dies hat er auch mehrfach getan, nachdem immer wieder Kritik an ihm laut geworden war. Vertragsdetails zwischen den Vereinen und dem Ligaverband seien jedoch „streng vertraulich“ zu behandeln – weshalb auch eine saftige Unterlassungsstrafe in den Vereinbarungen verankert ist.

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Nachdem am Sonntag die DFL mit ihrer Mitteilung einigen Wirbel ausgelöst hatte, teilten der VfB und die DFL am Nachmittag ergänzend mit: „Die DFL hat als Ergebnis des Prüfungsprozesses im Jahre 2016 mit allen damals beteiligten Parteien (Wolfgang Dietrich, Quattrex und VfB) separate Verpflichtungserklärungen über konkrete Maßnahmen zum Erhalt der Integrität des Wettbewerbs abgeschlossen. Jede dieser Verpflichtungserklärungen enthält eine Vertraulichkeitsvereinbarung.“ Zudem war der DFL war bekannt, wie sie weiter erklärt, dass Dietrich gegenüber den Vertragspartnern von Quattrex ebenfalls zur Verschwiegenheit verpflichtet war. „Auch und gerade in Bezug auf Bestehen und Inhalt der dortigen Vereinbarungen“, so der Ligaverband. Und selbstverständlich ist auch die DFL selbst gegenüber sämtlichen Vertragspartnern zur Vertraulichkeit verpflichtet. Gerade im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens. Die DFL-Mitteilung wurde entsprechend überarbeitet.

Im Vorfeld der Präsidentenwahl beim VfB war von der DFL geprüft worden, ob der ehemalige Unternehmer in eine Interessenkollision geraten könnte, weil Dietrich über seine ehemalige Firma Geschäfte mit anderen Profivereinen machte. Die Quattrex Sports AG gewährt Fußballclubs Kredite. Die DFL hatte damals keine Bedenken und Dietrich wurde zum Präsidenten gewählt. Zuletzt war das Thema jedoch wieder aufgekommen, da es Irritationen um Beteiligungen und auch Zeitabläufe gab. Noch auf der Mitgliederversammlung betonte Dietrich mehrfach, dass er nicht vom Aufstieg des Stuttgarter Relegationsgegners Union Berlin (ein Quattrex-Kunde) profitiert habe.

In unserer Bildergalerie finden Sie einen Rückblick auf die Ära Dietrich beim VfB