Den VfB Stuttgart belastet eine Führungskrise um den Präsidenten Gerd Mäuser. Doch die Mannschaft will sich nicht ablenken lassen und am Samstag gegen Dortmund überzeugen – und punkten.
Stuttgart - Ein Regisseur hätte keine andere Atmosphäre inszeniert. Ein Wetter, wie dafür gemalt eine Präsidentendämmerung einzuläuten. Schwer hing zuletzt die Wolkendecke über dem Clubzentrum des VfB Stuttgart. Schnee, Kälte, Wind – es sah nach Eiszeit an der Mercedesstraße aus. Zumindest wirkte es draußen auf dem VfB-Gelände so, als würden nicht nur die Wintertage schon viel zu lange andauern, sondern ebenso die bleierne Zeit mit dem umstrittenen Präsidenten Gerd Mäuser.
Hinter den Kulissen herrschen aber angenehme Temperaturen in den VfB-Räumlichkeiten. Die Mitarbeiter sind gewohnt freundlich, gehen ihren Aufgaben nach und versuchen Normalität zu simulieren. Auch Mäuser, der in den vergangenen Tagen viel über sich und seinen brachialen Führungsstil zu lesen bekam – und jetzt vor allem eines tut: warten. Er wartet, ob weitere innere Angelegenheiten nach außen dringen. Und hinter vorgehaltener Hand heißt es, er warte darauf, was für Ansagen aus Uhingen kommen. Dort hat der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt sein Hauptbüro.
Hundt verordnet eine Denkpause
Doch aus Uhingen kommt erst einmal nichts. Hundt spielt im Fall Mäuser auf Zeit. Keinesfalls will der machtbewusste Arbeitgeberpräsident als Getriebener erscheinen. Als jemand, der sich durch den Druck der Fans, Vereinsmitglieder, Sponsoren und Medien vorschreiben lässt, was er zu tun hat – und wann er es zu tun hat. Möglichst abseits der öffentlichen Aufgeregtheiten will Hundt den Abgang des von ihm ins Amt gehievten Clubchefs vorbereiten. Bis jedoch sämtliche Satzungsfragen geklärt und die potenziellen Nachfolgelösungen ausgelotet sind, herrscht offiziell Ruhe. Denn Mäuser hat offenbar nicht mehr viel zu sagen, und Hundt will nichts sagen. Jedenfalls ist der Politprofi dem Stuttgarter Clubchef nicht mehr wie in vorherigen Krisensituationen nach einem internen Rüffel extern zur Seite gesprungen.
Die verordnete Denkpause beim VfB ist jedoch zwiespältig. Weil sie im Verein davon ausgehen, dass zurzeit nicht nur die Angestellten auf der Geschäftsstelle intensiv Zeitung lesen, sondern ebenso die Angestellten in kurzen Hosen, stellt sich dem Manager Fredi Bobic die Frage, inwieweit sich die Diskussionen um den Führungsschlamassel in die Kabine geschlichen haben. Denn am Samstag soll ja wieder Fußball gespielt werden, gegen Borussia Dortmund.
Das Team will die Fans wieder überzeugen
Das ist natürlich ein wichtiges Spiel. Sportlich, weil sich die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia nach schweren Wochen und dem Sieg zuletzt in Frankfurt ein weiteres Erfolgserlebnis erhofft. Atmosphärisch, weil die Leistungen des Teams ja auch immer als entscheidender Indikator für den Zustand des Gesamtvereins gelten.
„Ich denke, dass die Mannschaft von Donnerstag an, wenn alle Nationalspieler zurück sind, voll auf das Dortmund-Spiel fokussiert sein wird“, sagt Bobic. Dennoch weiß er, dass sich die Unruhe aus dem Umfeld auch auf das Spiel und die Stimmung im Stadion auswirken kann.
Zuletzt musste sich die VfB-Elf ebenso wie Mäuser in der eigenen Arena Pfiffe gefallen lassen. Sven Ulreich geht jedoch davon aus, dass es am Team liegt, die Stimmung wieder ins Positive umschlagen zu lassen. „Wir müssen es schaffen, die Fans wieder ins Boot zu holen“, sagt der Torhüter – und beruhigt seinen Manager wenigstens in einer Hinsicht: „Wir trainieren fleißig. Und für die Lösung der Probleme im Verein sind ohnehin andere Leute zuständig. Da brauche ich meinen Senf nicht auch noch dazugeben.“