VfB Stuttgart Zwischen Führungsqualitäten und Fehlpässen

Serey Dié stellt sich voller Energie in den Dienst der Mannschaft. Der defensive Mittelfeldspieler steht seit Februar 2015 beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Foto: Bongarts 6 Bilder
Serey Dié stellt sich voller Energie in den Dienst der Mannschaft. Der defensive Mittelfeldspieler steht seit Februar 2015 beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Foto: Bongarts

Serey Dié gilt beim VfB Stuttgart, der um 18.30 Uhr in Augsburg spielt, als Führungskraft. Doch dem Mittelfeldmann unterlaufen entscheidende Fehler, weshalb der 30-Jährige umstritten ist.

Sport: Carlos Ubina (cu)
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Stuttgart - Der Ritt durch den Vorhof zur Abstiegshölle ist eine heiße Sache. Da braucht es Typen, die keine Angst kennen, zumindest nicht im Fußball. Huub Stevens weiß das. Er hat das ja schon öfter mitgemacht und im Januar beim Blick auf den Kader des VfB Stuttgart einen Mangel an solchen Männern festgestellt. Weshalb sich der Trainer einen furcht- und kompromisslosen Mittelfeldspieler wünschte. Einen, der nicht zurückschreckt, wenn er auf Widerstand stößt.

Der Manager Robin Dutt hat ihm dann für überschaubare 500 000 Euro Sereso Geoffrey Gonzaroua Dié hingestellt. 1,79 Meter groß, vom FC Basel vertrieben, aber als frisch gekürter Afrikacupsieger nach Stuttgart gekommen. 1984 in Facobly geboren, aufgewachsen in der ivorischen Hauptstadt Abidjan, auffällig durch eine blondierte Irokesenfrisur und mit der Haltung eines Kriegers auf der sogenannten Königsposition des modernen Fußballs. Dort, im defensiven Zentrum des Geschehens, wo sich nach Ansicht vieler Trainer die Spiele entscheiden.

Doch erst einmal hat Serey Dié keine Spiele entschieden. Jedenfalls nicht so, wie es sich die VfB-Verantwortlichen vorgestellt hatten. Denn der Profi von der Elfenbeinküste rückte häufig ins Fernsehbild, wenn die Stuttgarter gerade ein Gegentor hinnehmen mussten. Durch einen vorherigen Fehlpass, ein Foul oder ein sonstiges Missgeschick ausgelöst. Seine gute Arbeit geriet auch dadurch in den Hintergrund, dass sich Serey Dié für nichts im Spiel zu fein war und beim Verteidigen nie die Verantwortung scheute, anderen zu helfen – ohne Rücksicht auf das eigene Ansehen.

Viel Lob von Stevens und Dutt

Auch deshalb sprachen Stevens und Dutt schnell von der großen Präsenz, die der Winterzugang auf dem Platz zeige, von den Führungsqualitäten, die er von Anfang an demonstriert habe. Umgehend genoss Serey Dié auch eine hohe Akzeptanz im Team. Fast schien es so, als habe die Mannschaft auf so einen Spieler mit enormer Erfahrung und großem Selbstvertrauen gewartet. Sofort gab er Anweisungen in einem Kauderwelsch aus Französisch, Englisch und Schweizerdeutsch, kannte beim ersten Training schon viele Vornamen. Aber am meisten sagte er durch seine Körpersprache: Ich renne, ich kämpfe, ich gehe dorthin, wo es wehtut – dem Gegner oder mir.

Mit besonderer Bedeutung haben Trainer und Manager diese – streng genommen – bloße Anwesenheit des 30-Jährigen auf dem Rasen zunächst aufgeladen. Da sie einerseits spielerische Mängel und fehlendes Tempo überdeckte, aber andererseits war es ja gut, dass da einer versuchte, mit seinem Ehrgeiz und seinem Eifer die anderen anzutreiben. Dann kam vor einer Woche die Nachspielzeit gegen Werder. Ein Antritt, ein Blick, ein Pass – und das erlösende 3:2 durch Daniel Ginczek. „Viele haben gesagt: Serey Dié könne nur kämpfen. Sein Tempodribbling und der tolle Pass vor dem Siegtreffer gegen Bremen haben gezeigt, dass er auch ein sehr guter Fußballer ist“, sagt Dutt.

Die große Gefahr nach einer Gelben Karte

Gegen die Wiederholung einer solch entscheidenden Torvorbereitung hätte im Stuttgarter Lager an diesem Samstagabend (18.30 Uhr) beim FC Augsburg natürlich niemand etwas einzuwenden. Doch aus dem Kämpfer Serey Dié wird sicher kein Künstler mehr – und am besten weiß das Serey Dié selbst. Zu seinem Spielverständnis gehören aggressive Balleroberungen und hart geführte Zweikämpfe. Letztere führt er manchmal so rabiat, dass er nach acht Bundesligaeinsätzen bereits vier Gelbe Karten gesehen und sich dabei schon mehrfach am Rande eines Platzverweises bewegt hat. „Er kommt dann immer zu mir und sagt: Trainer, mach dir keine Sorgen“, sagt Stevens: „Aber wenn du ihn spielen siehst, machst du dir natürlich Sorgen.“

Im Kopf des Trainers beginnt es dann zu rattern. Wie viel Risiko kann er bis zu Serey Diés nächster Aktion noch vertreten? Stevens wechselt seine Nummer 26 deshalb auch schon mal vorsorglich aus. In der Regel gegen Oriol Romeu, da Carlos Gruezo, der am Sonntag 20 wird und die Rolle des Balleroberers im vergangenen Jahr gut ausfüllte, außer Form ist.

Der Spanier Oriol Romeu ist ein größerer Stratege und in der Kurzpassschule des FC Barcelona aufgewachsen. Doch im Kampf gegen die Zweitklassigkeit verzichtet Stevens auf etwas mehr spielerische und taktische Finesse, und der Niederländer ist auch nicht gewillt, seinen Aggressiv-Leader im Stuttgarter Spiel zu bremsen. Denn dort, wo sich der VfB bewegt, braucht er einen Serey Dié mit hundert Prozent, 80 reichen im Vorhof zur Abstiegshölle nicht.




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