VfB-Talent Röcker vor der Beförderung Der zweite Bildungsweg

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Innenverteidiger Benedikt Röcker spielt bisher beim VfB II in der dritten Liga. Jetzt winkt ihm ein Profivertrag – im Alter von 23 Jahren.

Benedikt Röcker ist auf dem Sprung zu den Profis. Foto: Lommel
Benedikt Röcker ist auf dem Sprung zu den Profis. Foto: Lommel

Stuttgart - Am 19. November hat Benedikt Röcker seinen 23. Geburtstag gefeiert. Das ist ein Alter, in dem beim VfB der Zug in die Bundesliga normalerweise abgefahren ist – doch nicht für Röcker. Er ist ein Spätzünder und damit die Ausnahme von der Regel. „Sein Beispiel zeigt, dass man es auch über den zweiten Bildungsweg noch schaffen kann“, sagt Jürgen Kramny, der Trainer des VfB II. Röcker ist also auf dem Sprung. Im Januar winkt der erste Profivertrag in Stuttgart. „Dann muss er den nächsten Schritt machen“, sagt der VfB-Sportdirektor Jochen Schneider.

Dass Röcker noch eine solche Karriere hinlegt, hätte er selbst nicht geglaubt. Denn dazu ist es heute eigentlich zwingend erforderlich, dass man in einem Nachwuchszentrum der großen Clubs ausgebildet wird. Diesen Weg haben alle aktuellen Talente in der Bundesliga hinter sich – und alle Nationalspieler, außer Miroslav Klose (34) – der ging mit 19 für Blaubach-Diedelkopf auf Torejagd. Röcker war 19, als er für Löchgau in der Landesliga gekickt hat.

Für Röcker eingesetzt

Über die SG Sonnenhof-Großaspach landete er im Januar 2011 beim VfB, der sich damals gegen den FC Bayern durchgesetzt hat – vor allem wegen Schneider, der sich für Röcker einsetzte. Der Sportdirektor sagt: „Anfangs haben diesen Transfer einige Leute bei uns kritisch betrachtet“ – aber jetzt nicht mehr. Der baumlange Innenverteidiger hat alle überzeugt, einschließlich des Cheftrainers Bruno Labbadia.

Er holte Röcker zuletzt in Mönchengladbach und bei Steaua Bukarest schon in sein Aufgebot – woraus in der Rückrunde ein Dauerzustand werden könnte. „Für viele unserer Supertalente ist Röcker ein Vorbild“, sagt Schneider, „er beweist, was man mit harter Arbeit erreichen kann.“ Dank seiner Einstellung hat Röcker einige dieser Hochbegabten überholt. Deshalb steht sein nächster Aufstieg unmittelbar bevor. Dann ist er ganz oben. „Er fühlt sich beim VfB sehr wohl und kann sich gut vorstellen, hier seine Laufbahn weiterzuentwickeln“, sagt sein Berater Uli Ferber.

Das hat Röcker auch schon dem 1. FC Köln, dem 1. FC Kaiserslautern und Red Bull Salzburg mitgeteilt, die ihn in der Winterpause verpflichten wollten. Er sieht seine Zukunft in Stuttgart, zumal wenn er jetzt befördert wird. „Das hat er sich verdient“, sagt Kramny, „er steht auf ganz stabilen Beinen und hält den Laden bei uns seit dem ersten Spieltag in dieser Saison zusammen.“ Und noch etwas lässt sich für den Trainer aus dieser Geschichte ableiten. „Was aus einem Spieler wird, entscheidet sich nicht immer schon mit 18 Jahren.“ Sondern manchmal auch erst mit 23 – allerdings nur in den seltensten Fällen.