Robert Lewandowski vom FC Bayern knackt die nächste Rekordmarke und betreibt Eigenwerbung vor der Kür des Weltfußballers an diesem Montag in Zürich. Ex-VfB-Torjäger Fritz Walter traut dem Polen noch viel mehr zu.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Die Anzahl seiner eigenen Tore in der Fußball-Bundesliga? „157“, kommt es Fritz Walter blitzschnell über die Lippen. Rang 15 macht das in der Liste der erfolgreichsten Torjäger der Bundesliga-Geschichte. Keine Frage, der Mann ist vom Fach. Und wenn das ehemalige Sturmass des VfB Stuttgart über Robert Lewandowski spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen: „Er bringt einfach alles mit, für mich ist er der beste Stürmer der Welt, ein absolutes Tor-Phänomen. Er wird auch noch weitere Rekorde knacken.“

Vergangenen Mai übertraf der Pole die Uralt-Bestmarke von Gerd Müller mit seinem 41. Saisontor. Schon bei der Einstellung des Rekords eine Woche vorher in Freiburg hatten Spieler und Betreuer des FC Bayern München vor der Trainerbank ein Spalier für den Rekordhelden gebildet. Das wäre eigentlich auch am Samstag angebracht gewesen, als Lewandowski beim 4:0 (2:0) in Köln seine Bundesliga-Tore 298, 299 und 300 bejubeln durfte. Damit ist der 33-Jährige der zweite Spieler nach Gerd Müller, der diese Schallmauer in der deutschen Beletage durchbrochen hat. „Die Zahlen sind schon der Wahnsinn“, musste selbst Lewandowski zugeben. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele Tore in der Bundesliga erzielen würde.“ Der vergangenen August verstorbene „Bomber der Nation“ brachte es auf 365 Tore. Und zumindest Fritz Walter traut es „Lewa“ zu, auch diesen Bestwert zu pulverisieren. „Er weiß, was er an den Bayern hat, und die Bayern wissen, was sie an ihm haben. Ich glaube der 2023 auslaufende Vertrag wird verlängert, und dann kommt er auch auf die 365 Tore.“

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Lewandowski – der Rekordjäger. Auf und abseits des Platzes. An diesem Montag (19 Uhr) kürt die Fifa den Weltfußballer des Jahres – und natürlich hofft der Ausnahmeangreifer auf die Wiederholung seines Triumphes von 2020. Geht es nach seinen Trainer, kann es nur einen Sieger geben. „Ich würde mich sehr freuen, wenn er gewinnt. Verdient wäre es“, sagte Julian Nagelsmann. Lewandowski konkurriert bei der vom Weltverband durchgeführten Wahl erneut mit Superstar Lionel Messi (Paris Saint-Germain) und diesmal auch mit dem Ägypter Mo Salah vom FC Liverpool um den Titel „The Best“. Beim prestigeträchtigen Ballon d’Or Ende November hatte Lewandowski überraschend gegen Messi den Kürzeren gezogen. Was ziemlichen Aufruhr in der Szene auslöste. Der frühere Stürmer Jan-Aage Fjörtoft machte sich über die nicht nur aus seiner Sicht einfältige Wahl einer Journalistenjury, die den Argentinier bereits zum siebten Mal ehrte, sogar lustig. Der Norweger schrieb mit Blick auf die Saison 2026/27: „Lewandowski schießt 63 Tore, hat den besten Impfstoff gegen Covid entwickelt, gewinnt die Champions League, wird nach Johannes Paul der zweite Papst aus Polen, mit Polen sensationell Weltmeister – den Ballon d’Or gewinnt Messi.“

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Der Dauer-Torschützenkönig bekam viel Trost nach der „Niederlage“ bei der Gala im Theatre du Chatelet in Paris, zuallererst von seiner Ehefrau: „Meine Liebe, für mich bist du der Beste! Ich bin immer stolz auf dich! Ich liebe dich bis zum Mond und zurück!“, twitterte Anna Lewandowska damals und versah die berührende Botschaft mit zahlreichen Herzen. Die Fitnessexpertin ist Autorin von acht Büchern über Ernährung, Sport und Diäten. „Wir essen kein Gluten, keinen Zucker, keine Kuhmilchprodukte, keinen Weizen, wir trennen proteinhaltige Lebensmittel von kohlenhydrathaltigen. Zucker ersetzen wir etwa durch Datteln oder Ahornsirup. Obendrein geben wir regelmäßig unsere Blutproben zum Arzt, um herauszufinden, welche Vitamine oder Mineralstoffe wir gerade zusätzlich brauchen. Das ist unser Leben, wir kennen es nicht anders“, hatte die 33-Jährige dem „SZ-Magazin“ verraten.

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Bei so viel Fürsorge muss Fritz Walter zwar etwas schmunzeln, doch die Ernährung und die Einstellung generell seien sicher eines der Erfolgsgeheimnisse des Modellathleten vom deutschen Rekordmeister: „Robert Lewandowski war in seiner Karriere doch vergleichsweise wenig verletzt.“ Noch eines hält der 61-Jährige bei aller individuellen Extraklasse für entscheidend: die Qualität seiner Mitspieler. Walter meint das, was Kölns Timo Hübers nach Lewandowskis Saisontreffer 21, 22 und 23 so formulierte: „Er hat natürlich um sich herum auch nicht die Blindesten, die schon wissen, wie sie ihn in Szene setzen können“, sagte der Verteidiger nach der nächsten Gala der Superlative.

Auf sie soll nun am Montag die Ehrung zum Weltfußballer des Jahres folgen – und irgendwann auch mal die Auszeichnung beim Ballon d’Or.

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