In der 988-tägigen Amtszeit von Bruno Labbadia VfB Stuttgart hat es viele Höhen und Tiefen gegeben. Euphorie gab es in dieser Zeit allerdings nur sehr selten. Es wirkte oft so, als wäre Bruno Labbadia nie wirklich angekommen.

Chef vom Dienst: Tobias Schall (tos)

Stuttgart - Auch die Taktik landet im Kofferraum. Mehr als zweieinhalb Jahre werden an diesem Vormittag auf dem Parkplatz vor dem roten Clubhaus abgewickelt, in Kisten verpackt und in einem Auto verstaut. Bruno Labbadia hat sich zuvor bei der Mannschaft in einer kurzen Rede bedankt und verabschiedet, er hat auf der Geschäftsstelle Hände geschüttelt, auch dem Sicherheitspersonal sagt er noch schnell Adieu, bevor dieses Kapitel beendet ist. Am Ende ging es ziemlich schnell. Das „BFB-Taktikboard“ ist nicht mal gewischt, als es ins Auto gelegt wird. In blauer Farbe ist noch Labbadias taktische Analyse des FC Augsburg zu lesen. Die Taktik ging nicht auf. 1:2. Augsburg war der Schluss. Um 11.01 Uhr fährt er mit Co-Trainer Eddy Sözer vom Hof. Bruno Labbadia ist dann mal weg.

988 Tage hat er beim VfB durchgehalten. Er war bei diesem Verein, der seit Jahrzehnten einen bemerkenswerten Verschleiß an Übungsleitern hat, so lange im Amt wie kaum ein Trainer vor ihm. Und doch wirkte es immer, als wäre Labbadia nur ein Übergang zu etwas anderem. Als wäre er nie angekommen, obwohl die Bilanz sich vor der Saison sehen lassen konnte. Viele Fans wurden mit dem einstigen Topstürmer nie wirklich warm, merkwürdig distanziert blieb das Verhältnis.

Labbadia hat den VfB vor dem Abstieg gerettet

Der 47-Jährige war für den VfB eine lebenserhaltende Maßnahme. Er kam im Dezember 2010, als der Club in akuter Abstiegsgefahr war. Er rettete den Verein, die Spieler ließen ihn hoch leben, und von den Fans wurde er gefeiert. Doch Fußball ist ein Tagesgeschäft, der Ruhm verblasste schnell, obwohl er die Mannschaft in der folgenden Saison in die Europa League führte und in der zurückliegenden Runde das Pokalfinale erreichte. Es wurde gemäkelt über die nicht erkennbare Weiterentwicklung, über die Aufstellungen, über die freudlosen Heimspiele, die zu immer lichteren Reihen führten, und darüber, dass er sich nicht an das Grundgesetz der roten Gemeinde hielt: auf die Jugend zu setzen. So tadellos der Mensch sich gab, so von Zweifel begleitet wurde der Trainer. Labbadia selbst vermisste Wertschätzung und Respekt, was in seiner Wutrede gipfelte.

Die Erwartungshaltung dieses Traditionsvereins mit seinem übrigens noch immer hohen Etat hat ihn gestört. Er hatte das Gefühl, dass viele auf einem zu hohen Ross sitzen und die Tatsachen nicht sehen würden. Statt Begeisterung zu verbreiten, bereitete er vor allem auf Rückschläge vor. Labbadia wirkte dadurch oft wie ein Schalldämpfer und erstickte jegliche Erwartungen im Keim. Realismus sei das, fand er. Pessimismus sei das, fanden andere.

Er sagte, dass er den Weg des VfB und den Umbruch mitgehe und nicht jammern wolle. Doch genau so kam es rüber. Der Kader zu klein. Statt aufbauen müsse er vor allem etwas abbauen, nämlich Kosten. Die hohe Belastung. Das war sein Mantra.

Der Trainer bremste vor dem Saisonstart die Euphorie

Am 30. März 2012 steht Bruno Labbadia im Presseraum von Borussia Dortmund. Seine Augen leuchten. Seit wenigen Minuten ist eines der spektakulärsten Spiele der vergangenen Jahre vorbei. 4:4 hat der VfB in Dortmund gespielt, in einer Partie, die einem 90-minütigen Werbespot für die Schönheit des Fußballs glich. Kampf, Leidenschaft, Spektakel. Dafür, so sagt er nun, sei er Trainer geworden. Das sei sein VfB.

Eine Sternstunde. Eine der wenigen.

Offensive und Leidenschaft, diesem Auftrag kam das Team selten nach. Der Kredit, auch bei jenen, die ihm wohlgesonnen waren, wurde kleiner. Als in der Sommerpause beim VfB personell durchgelüftet wurde, gab es fast so etwas wie Euphorie. Der Verein sagte Aufbruch. Bruno Labbadia warnte vor einem Einbruch.

Es folgte der Zusammenbruch.

Der Kapitän Serdar Tasci sagte am Montag zum Abschied: „Es war eine sehr gute Zusammenarbeit mit Höhen und Tiefen.“