VfL Wolfsburg Fans verspotten Labbadia und vermissen Gomez

Von Christian Otto 

Die Fans des VfL Wolfsburg vermissen den zum VfB Stuttgart gewechselten Mario Gomez und haben für ihren Krisenclub nur noch Häme in Reimform übrig. „Wir steigen ab und kommen nie wieder - aber wir haben Bruno Labbadia!“ Gelingt dem früheren Trainer des VfB Stuttgart aber doch noch die Trendwende?

Im Fokus: Bruno Labbadia Foto: Bongarts
Im Fokus: Bruno Labbadia Foto: Bongarts

Wolfsburg - Die Ratlosigkeit, die sich mit dem Abpfiff offenbart hatte, blieb ein treuer Begleiter. Erst waren die Spieler des VfL Wolfsburg zur Fankurve geschlichen, um sich dort harte Worte anzuhören und schlichtend zu diskutieren. Dann suchten sie mit hängenden Köpfen Schutz in ihrer Umkleidekabine und gaben ein Bild des Jammers ab.

„Das tut weh“, sagte Jeffrey Bruma, von dem man eigentlich glauben möchte, dass ihm angesichts seiner hünenhaften Statur beim Fußball fast nichts wehtun kann. Aber die Krise des VfL Wolfsburg macht auch aus dem resoluten Innenverteidiger einen ratlosen Mitläufer. Der neue Chefcoach Bruno Labbadia, dessen Heimpremiere gegen Bayer Leverkusen mit 1:2 (0:1) verloren ging, ist für ein extrem schwieriges Krisenmanagement in die Fußball-Bundesliga zurückgekehrt.

Wie geht es eigentlich einem Trainer, der etwas bewegen will, der für gute Stimmung sorgen möchte und bei seinem ersten Heimspiel gleich von den eigenen Fans verspottet wird? Labbadia ließ sich angesichts der bitteren Gesänge, die aus der Nordkurve des Wolfsburger Stadions zu hören waren, nicht aus der Reserve locken.

Labbadia stellt in Sachen Gesänge auf Durchzug

„Ich habe großen Respekt vor der Situation. Ich kenne die Grundstimmung und bin darauf eingestellt“, sagte der 52-Jährige. „Wir steigen ab. Wir kommen nie wieder. Wir haben Bruno Labbadia“ – solche Reime vor 24 354 Zuschauern vorgesungen zu bekommen, gleicht einem Schlag in die Magengrube. Denn Fans, die so etwas gleich zur Begrüßung eines neuen Trainers vortragen, werden ja nicht aus dem Stand heraus zu Dichtern und Denkern.

Der schon vor Spielende vorgetragene Hohn und Spott war vorbereitet. „Keiner mag eine solche Situation“, sagte Labbadia über die besondere Konstellation des Abstiegskampfes. Was die Fangesänge betraf, stellte er auf Durchzug und versuchte, sich auf das Wesentliche zu fokussieren – die Arbeit mit einer völlig verunsicherten Mannschaft.

Bayer Leverkusen hat gut statt überragend gespielt und ist doch problemlos zum elften Sieg in dieser Saison gekommen. Ein souverän verwandelter Foulelfmeter von Lucas Alario (31. Minute) und ein gekonnter Lupfer des eingewechselten Julian Brandt (78.) veredelten den Auftritt eines cleveren Kollektivs. „Nach der Pause haben wir erwartet, dass Wolfsburg noch einmal alles versuchen wird“, sagte Leverkusens Trainer Heiko Herrlich. Er erlebte nur eine kurze Schwächephase seines Teams und den Wolfsburger Ehrentreffer durch Admir Mehmedi (79.) mit.

Der Rest lässt sich unter der Rubrik „Routine schlägt Chaos“ verschlagworten. Beim VfL fehlt es neben dem nötigen Selbstvertrauen an einer teaminternen Hierarchie, an einem echten Leitwolf. Auf die Frage, wer hier eigentlich eine aufrüttelnde Kabinenansprache halten soll, findet sich keine Antwort.

Der Abgang von Mario Gomez hat eine Lücke gerissen

In der vergangenen Saison, als die Wolfsburger erst über die ungeliebten Relegationsspiele gegen Eintracht Braunschweig zum Klassenerhalt kamen, gab Torjäger und Wortführer Mario Gomez den nötigen Halt. Seit seinem Wechsel zum VfB Stuttgart plagt sich der VfL mit einer eklatanten Lücke im Personalgefüge. Da sich kein geeigneter Spieler findet, wird Labbadia sie selbst schließen müssen.

Was neben dem harten Kern der Fans in Wolfsburg mittlerweile auch das normale Publikum aufregt, ist diese sichtbare Lethargie einer leblosen Mannschaft. Fast alles wird in einem Tempo vorgetragen. Selbst der ewig grätschende und motzende Maximilian Arnold weiß im Mittelfeld nicht mehr genau, was zu tun ist. Die Ratlosigkeit in der Partie gegen Leverkusen gipfelte in dem Platzverweis für den Brasilianer William kurz vor Spielende wegen wiederholten Foulspiels.

„Wir waren ein sehr guter Gastgeber“, befand Wolfsburgs Sportdirektor Olaf Rebbe. Was Labbadia in Wolfsburg vorfindet, ist ein gehöriges Durcheinander. Die Führungsetage der VfL Wolfsburg Fußball GmbH ist seit dem Scheitern von Geschäftsführer Klaus Allofs Ende 2016 ungenügend besetzt. Labbadia bemüht sich nach Kräften, auf väterliche Art seine schützende Hand über die Mannschaft zu halten. Dass der ehemalige Stürmer gleich mit bitterböser Realsatire aus der Fankurve bedacht wird, macht aus dem VfL Wolfsburg auf der Zielgeraden der Saison einen erschreckend hoffnungslosen Fall.