Herrenberg-Kayh - Mit Geschichten wie „Laugenweckle zum Frühstück“ übertrug Elisabeth Kabatek den sympathisch-chaotischen Witz der britischen „Bridget Jones“-Romane ins Schwabenländle. Inzwischen hat sie literarisch noch eine weitere Heimat gefunden: In „Chaos in Cornwall“, das sie am Mittwoch über Zoom den Kursteilnehmern der VHS Kayh vorstellte, bricht die 50-jährige Margarete einen Cornwall-Trip mit einer Internetbekannschaft ab, um sich unversehens neu zu verlieben und eine punkige Freundin kennenzulernen.
Eigentlich hätte Elisabeth Kabateks Lesung im Kayher Pfarrgarten stattfinden sollen. Doch aufgrund der Pandemie hat die VHS diese ins Internet verlagert. Trotzdem macht Ute Ebner-Tallafuss, die die Außenstelle Kayh leitet und mit der Buchhandlung Schäufele die Lesung anbietet, den rund 15 Zuhörern mit malerischen Bildern den Mund wässrig. Auch am Buchschauplatz Cornwall verzaubert die schöne Landschaft. „Das ist kein Klischee“, versichert Elisabeth Kabatek, die dort 2018 für ihren vergnüglichen Roman recherchiert hat.
Der Reiz der südwestenglischen Landschaft
Der Reiz der Landschaft ist es auch, der die Protagonistin Margarete dazu bewegt, sich vom gutverdienenden Astrophysiker Roland in den Urlaub einladen zu lassen. Dort angekommen entpuppt sich der tolpatschige und nächtens scheußlich sägende Partner allerdings als Flop. Deshalb brennt Margarete mitten in der Nacht mit dessen Mercedes durch und macht sich auf ans Meer. Mit Mini-Liegestühlen und einem Auto in den britischen Farben und einer winkenden Queen-Figur versetzt Kabatek das Publikum nach Cornwall. Später streut sie auch einen Dialog ein, den sie zwei Britinnen abgelauscht hat – die sich gemäß dem Klischee endlos über das Wetter unterhalten. Ganz entsagt hat Kabatek dem Schwäbischen aber nicht: Margarete und ihr Freund kommen aus Schwaben.
2008 hatte Elisabeth Kabatek dem Ländle mit „Laugenweckle zum Frühstück“ ein kurzweiliges Denkmal gesetzt. Der spritzige Band dreht sich um eine arbeitslose Single-Stuttgarterin, die ähnlich wie Bridget Jones mit einem Katastrophen-Gen gesegnet ist. Der Roman genierte 4 Nachfolger, und die Autorin verfasste auch gleich eine allgemeine „Gebrauchsanweisung für Stuttgart“. 2018 ließ sie zudem in ihrem ersten Theaterstück „Allein unter Schwaben“ einen Flüchtling auf eine typische Stuttgarter Familie treffen.
Bestsellerautorin und Zeitungskolumnistin
Den unfehlbaren Blick für schwäbische Eigenheiten hat sich Kabatek erworben, weil sie bei Stuttgart aufgewachsen ist und nach einem Studium der Spanischen Literaturwissenschaft und einem Aufenthalt in Barcelona die nötige Distanz zum schwäbischen Kosmos gewann. In der Kolumne „Was treibt die Welt?“ für die Stuttgarter Zeitung wirft sie auch einen Blick über den Tellerrand des schwäbischen Geschehens hinaus. Mit „Ein Häusle in Cornwall“, das Buch ist unabhängig von „Chaos in Cornwall“, erweiterte sie 2014 ihr literarisches Gebiet.
Dank eines Autounfalls macht Margarete die Bekanntschaft mit dem attraktiven und neun Jahre jüngerem Biolandwirt Chris. „Meine Heldin kriegt einen jüngeren Mann“, hat Kabatek beim Schreiben beschlossen. Schließlich verliebten sich auch ältere Menschen. „Man kann immer wieder neu anfangen“, meint sie. In einem typisch britischen Pub, in dem gesungen wird, treffen dann Chris und Roland aufeinander, und Roland macht Margarete einen äußerst peinlichen Heiratsantrag. Neben Margarete stellt Kabatek dem Publikum noch eine zweite Hauptperson vor: Die 61-jährige Mable betreibt mit Rüschenschürze als adrette Gastgeberin ein B&B-Hotel, ist in ihrem Herzen aber eigentlich eine wilde Punkerin. Wenn sie das Geschirr abgeräumt hat, steigt sie schon mal zum Tanzen auf den Tisch.
Nachfolge-Roman soll im Herbst erscheinen
Am Ende der Lesung angekommen ergibt sich noch eine amüsante Plauderei über Cornwall und Großbritannien. „Ich bin ein großer England-Fan“, gesteht die Autorin und erzählt von ihrem Reisen nach dem Abi und einem Wanderurlaub 2008 bei St. Agnes. In Großbritannien gibt es ein Gesetz, dass auch Privatgrundstücke für Wanderer frei gegeben werden müssen, was Ausflüge besonders attraktiv macht. Die Zuhörer erfahren auch, dass Kabatek einen britischen Ehemann hat und sie todtraurig ist, „dass Großbritannien sich nicht mehr als Europa betrachtet.“
Im Herbst wird der Nachfolger des Cornwall-Romans erscheinen, und Kabatek wird bereits wehmütig: „Es ist so, als ob man einen Freundeskreis auf einmal verliert. Ich habe mehrere Leben gleichzeitig gelebt“, sagt sie. Zu guter Letzt kredenzt die Autorin noch Evelyn Hamanns „Inhaltsangabe“. Mit großem Ernst kündigt sie als Fernsehsprecherin eine britische Krimiserie an, um sich dann hoffnungslos zwischen Th-Lauten und der verzwickten Handlung zu verheddern. Via Smileys und Textnachrichten bekundet das Publikum seinen Applaus.