Vibravoid aus Düsseldorf sehen sich als Speerspitze des Psychedelic-Rock. Und sie können ja auch was. Wofür sie nichts können, ist der Sound im Zwölfzehn. Und der hat ihnen den Abend ganz schön vermasselt.

Stuttgart - Eine gefühlte Ewigkeit wird ein alter Can-Klassiker in ohrenbetäubender Lautstärke mit Finesse doch ohne jegliches Interesse am Publikum interpretiert. Die fast halbstündige Cover-Version von „Mother Sky“ bringt Fluch und Segen des Auftritts der profiliertesten Psychedelic-Rockband dieses Landes deutlich zum Vorschein.

 

Vibravoid aus Düsseldorf fühlen sich als Speerspitze des Genres in Deutschland. Gitarrist und Sänger Christian Koch stellte das in einem Interview mit der Szene-Zeitschrift Eclipsed einst entschieden fest, der Genre-Name sei, so legen die Aussagen nah, verwässert von Trittbrettfahrern, die vielmehr in Hardrock ähnlichen Gefilden zuhause seien – und darüber hinaus auch noch gänzlich „uninspiriert“.

Dass auch eigene Auftritte ein wenig Leidenschaft vermissen lassen, würde Koch sicherlich abstreiten. Hölzern wirkt das, was er gemeinsam mit Schlagzeuger Frank Matenaar und Organist Dario Treese beim jüngsten Stuttgart-Gastspiel abliefert, trotzdem. Wäre das allein bei einem ausgesprochen artifiziellen Spacerock-Konzert mit den obligatorischen Kaleidoskop-Projektionen und langen Jam-Passagen für das Gesamterlebnis irrelevant, wird dieses wiederum durch einen katastrophalen Sound getrübt. Perlen, die auf den durchweg ausgezeichneten Platten glänzen, gehen im breiigen Ganzen unter, daran können auch die zahlreichen Effekte nichts ändern.

Klingt nicht gut

Bestes Beispiel hierfür ist die Coverversion eines großen Garagen-Rock-Evergreens aus den 60ern. „Incense & Peppermint“ von Strawberry Alarm Clock hat seinen festen Platz im Underground-Kanon der Ära und auch Vibravoid nehmen sich mit der angemessen Achtung des Stückes an. Zunichte gemacht wird die treibende Interpretation, die Orgel und Schlagzeug Raum zur Entfaltung geben sollte, durch zum Lärm ausartende Übersteuerung. „Sind die Typen vor der Tür auch schon da?“, fragt Koch nach einem kurzen Soundcheck, während sich der in rotes Licht getünchte Saal nach und nach füllt.

Das klangliche Konzert-Erlebnis vor schätzungsweise 50 Besuchern im Club Zwölfzehn ist zu Beginn – und vor allem während des Auftritts der Würzburger Hard-Rock-Band WolvesSpirit, deren neuer Schlagzeuger Raphael Pfeiffer erstmals live vorgestellt wird – ohrenbetäubend und fast unerträglich. Bei Vibravoid nimmt die Lautstärke ein wenig kontrolliertere Formen an, kann die versiert-ausgetüftelten Songs der Düsseldorfer Psychedelic-Band aber nicht angemessen fassen. Gerade der auf den Alben so mächtige Gesamtsound kommt fast überhaupt nicht zur Geltung.

Etliche gehen früher

Dabei ist immer offenbar, wie gut diese Band unter anderen Umständen hätte sein können. Bereits „Magic Mirror“ am Anfang deutet die herausragende Klasse der als beste Psychedelic-Band Deutschlands rezipierten Gruppe klar an. Zweifel am Können und der musikalischen Qualität stehen überhaupt nicht zur Debatte und so kann Vibravoid dennoch mit einer authentisch treibenden Performance punkten, die zumindest Teile des Publikums in einen tranceartigen Zustand versetzt. „Mother Sky“ vermag all das am Deutlichsten wiederzugeben, und das gar nicht so krautige Cover ist am Ende des Abends unumstrittener Höhepunkt.

Dass hier nicht unerhebliche Teile des Publikums schon wieder gegangen sind, ist schade, aber verständlich. Die Zahl derer, die Koch zu Beginn „Vor-der-Tür-steh-Typen“ nannte, dürfte wieder zugenommen haben. Kurz nach Mitternacht endet das Konzert abrupt, das Licht geht nach knapp 100 Minuten an. Wenige scheinen sich über das verfrühte Ende zu ärgern. Das ist bezeichnend und führt ausgerechnet bei einer etablierten Vorzeigeband, die längst über den Status des Syd-Barrett-Pink-Floyd-Epigonentums hinaus ist, vor Augen, wie wichtig ein guter Sound für ein nachhaltiges Konzert-Erlebnis ist.