Durch das Naturschutzgebiet Greutterwald in Stuttgart führt ein Vicinalweg. Das Sträßchen zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen dürfen Pendler morgens und abends mit Autos befahren. Dagegen rührt sich Widerstand.

Weilimdorf/Zuffenhausen - Etwa vier Wochen lang haben Peter Berg und seine Mitstreiter Unterschriften gesammelt. Sie setzen sich dafür ein, dass der Vicinalweg durch das Naturschutzgebiet Greutterwald zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen für den motorisierten Verkehr gesperrt wird (wir berichteten). Dafür wurde vergangene Woche demonstriert. Und dafür wurden 1040 Unterschriften gesammelt, sagt Berg: „Darunter sind auch 17 von Mitgliedern des Stuttgarter Gemeinderats.“

 

Am Montagmorgen hat Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, die Petition entgegengenommen. Er kenne das Gebiet und das Thema, sagte Pätzold. Seine Position sei klar: „Natürlich wäre schon das Ziel, dass der Vicinalweg für den normalen Verkehr geschlossen wird.“ Jedoch gebe es einen Vertrag, den die Stadt einst abgeschlossen habe, der dies verhindere. Daran hatte Peter Berg allerdings Zweifel. In besagtem Vertrag sei schließlich ein Widerrufsrecht fixiert, von dem die Stadt aufgrund dringender öffentlicher Gründe oder infolge polizeibehördlicher Anordnungen Gebrauch machen könne. Ein solcher Grund könnte der Artenschutz sein, da morgens in der Dämmerung auf dem Vicinalweg regelmäßig geschützte Kröten totgefahren würden – mitten im Naturschutzgebiet. „Es kommt dort auch immer wieder zu gefährlichen Situationen, wenn sich die Autos den schmalen Weg mit Radfahrern teilen müssen.“

Der Jurist Klaus Rose, einer von vier Begleitern Bergs, bekräftigte dessen Einschätzung: „Sobald es ein öffentliches Interesse gibt, kann die Stadt den Weg umwidmen.“ Darüber hinaus zweifelte er die Gültigkeit des Vertrags generell an, da der damalige Vertragspartner der Stadt, die SEL AG, das Grundstück mittlerweile verkauft hat: „Die Geschäftsgrundlage für den Vertrag ist längst weggefallen“, sagt Rose. Grundsätzlich sei der Vertrag schon übertragbar, aber nur wenn die Stadt zustimme.

Auch Naturschutzverbände unterstützen das Anliegen

Pätzold sagte zu, dass er die Argumente noch einmal in die Diskussion einspeisen wolle. Derweil haben nun auch der BUND und der Nabu die Stadt aufgefordert, den Vicinalweg zu sperren. Der motorisierte Verkehr stelle eine massive Gefährdung für Amphibien und Reptilien dar, auch viele Vogelarten würden darunter leiden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. „Eine eventuell drohende gerichtliche Auseinandersetzung mit der Firma Porsche kann kein Hinderungsgrund sein, denn in den letzten Jahren hat die Rechtsprechung die Belange des Arten- und Naturschutzes erheblich gestärkt“, schreiben die Naturschutzverbände.

Bei Porsche nehme man das Thema sehr ernst, sagt Pressesprecher Lukas Kunze. Auch vor dem Hintergrund der Standorterweiterung sei man bestrebt, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden. „Unsere Planungen zur Neuordnung der Werksstruktur in Zuffenhausen sind in Arbeit. Ein Mobilitätskonzept wird ebenfalls entwickelt“, sagt Kunze. In Sachen Vicinalweg sei Porsche indes nicht der Vertragspartner der Stadt.