Ein Video-Projekt vom Schorndorfer Fachrat für Integration setzt ein musikalisches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit – Auch OB Bernd Hornikel und Amtsleitende werben für Toleranz.

Ganz textsicher sind die Mitglieder des Schorndorfer (Rems-Murr-Kreis) Fachrats für Integration, kurz FIS, nicht. Deshalb gibt Levin Nikolai, der städtische Integrationsbeauftragte, beim Videodreh mit Regisseur und Kameramann Jörg Mühlberger auf dem oberen Marktplatz den menschlichen Teleprompter und hält große weiße Papptafeln mit dem Liedtext hoch. Auch wenn sie nicht jede Zeile von „Sage Nein“ von Konstantin Wecker auswendig kennen, die Schorndorfer stehen hinter jeder Silbe.

 

Der Fachrat für Integration ist Träger und Initiator der Aktion

Im 17-köpfigen Fachrat für Integration ist jede Fraktion im Schorndorfer Gemeinderat vertreten, dazu sieben Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund sowie fünf fachkundige Menschen aus der Integrationsarbeit. Die FIS sei Träger und Initiator der Video-Aktion, erzählt SPD-Gemeinderätin Sabine Reichle. Einstimmig habe man sich in einer Sitzung dafür entschieden, mit dem antifaschistischen Lied ein Zeichen zu setzen, wobei der Vertreter der AfD nicht anwesend war.

„Ich habe meine Kontakte zur Musikerszene genutzt“, sagt Michael Rapp. Der ehemalige Wirt der Musikkneipe Zom Täle in Urbach ist Mitglied im FIS und leitet mit Sabine Reichle das Video-Projekt. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen für Toleranz und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sagt er. „Und je mehr Leute, die man in Schorndorf kennt, auf dem Video zu sehen sind und ihr Gesicht zeigen, umso besser.“ Damit werde man zwar keine harten Faschisten überzeugen, aber vielleicht den einen oder anderen, der sich mit dem rechten Gedankengut angefreundet habe.

„Ob du sechs bist oder hundert, sei nicht nur erschreckt, verwundert, tobe, zürne, misch dich ein: Sage nein!“: Musik und Gesang kommen vom Band, doch die FIS-Leute bewegen nicht nur die Lippen, wer will, singt auch mit. Es ist der erste Rohmix. Frank Mühlberger, der Bruder von Kameramann und Regisseur Jörg Mühlberger, hat den Wecker-Song neu interpretiert und mit seinen Musikerkollegen Sven Schuhmacher, Rudi Rau und Jochen Öttinger, die sonst gemeinsam Southern-Blues-Rock spielen, aufgenommen. Noch mehr Musiker sind am Start. Calo Rapallo und Zam Helga, in dessen Studio in Plüderhausen der Song auch eingespielt wurde, spielen Gitarre.

Profi-Sängerinnen und -Sänger geben ihre Stimme: Frank Mühlberger von der Band Rio Grande Mud, Kez Zirkelbach von Der Trieb, Joe Saling von Mick & The Rainbow Turtles, Cassandra Acker von Cassandra & The Boys, sowie Mick Scheuerle von Normahl. Das Intro wird von Deriya Ayiildiz, einer in der türkischen Gemeinde sehr renommierten Künstlerin, und ihrem Neffen mit Violine, Klarinette, Cas und weiteren Instrumenten gespielt, inspiriert von den Klängen Anatoliens und Arabiens.

Auch Oberbürgermeister Hornikel und Fachbereichsleiter singen mit

Die meisten Drehs sind schon im Kasten. Die Musiker wurden „bei der Arbeit“ im Studio aufgenommen, und viele prominente Schorndorfer haben sich bereits vor die Kamera gestellt. Oberbürgermeister Bernd Hornikel und zahlreiche Fachbereichsleiterinnen und -leiter präsentieren sich singend auf der Rathaustreppe, Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann von der evangelischen Stadtkirche ist dabei, Vertreter der Moschee im Hammerschlag, sowie Peter Schmid, der Chef von Audio Schmid und viele andere. Ein großer Termin steht allerdings noch bevor – und der ist für die Öffentlichkeit gedacht. Denn alle, die für das Video Gesicht zeigen wollen, können dies am Samstag, 19. Juli, Beginn 9 Uhr, auf dem unteren Marktplatz.

Der Dreh am Marktbrunnen in Schorndorf war nach gut einer halben Stunde im Kasten. Foto: Eva Herschmann

Der Dreh am Marktbrunnen in Schorndorf ist nach gut einer halben Stunde im Kasten. Zweimal hat Jörg Mühlberger den FIS-Chor das Lied performen lassen. Das ist genug Material, um die passenden Passagen herauszuschneiden und in das große Ganze zu integrieren. Der Regisseur packt zufrieden die drei Videokameras zusammen, und Integrationsbeauftragter Nikolai legt die Papptafeln beiseite. Im Herbst soll das Video veröffentlicht werden. Michael Rapp schwebt eine Art Release-Party mit allen Beteiligten und viel Musik vor. „Wir werden einen angemessenen Rahmen dafür finden.“

OB Hornikel hat schon seine Bereitschaft erklärt, dass er mit seiner Band Rabbit Damage, wo er am Schlagzeug sitzt, spielen will. Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt steht erst einmal eine FIS-Sitzung im Rathaus an und auf der Tagesordnung befindet sich unter anderem das Video-Thema. „Da geht es um den Projektstand“, sagt Rapp.