Stuttgart - Ein Video, das eine Schlägerei am Schlossplatz zeigt, findet aktuell viel Aufmerksamkeit im Internet. Es zeigt, wie ein Mann auf den Hinterkopf stürzt, als ihn ein Angreifer zurückstößt, und bewusstlos liegenbleibt. Die Szene wirft Fragen auf: Warum hält jemand mit dem Handy einfach drauf? Und was tut man, wenn man solche Videos bekommt?
Das Wichtigste, was man tun kann als Zeuge oder Zeugin einer gewaltsamen Auseinandersetzung ist, die Polizei zu verständigen. „Damit hat man schon viel geholfen“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. Wenn sich – wie auf dem Video zu sehen – zwei größere Gruppen offenbar eine Auseinandersetzung liefern, so solle man sich nicht in Gefahr bringen und den Helden spielen. Bei anderen Situationen könne man einen Angreifer ansprechen, am besten mit anderen gemeinsam.
Videos können den Ermittelnden helfen
Die Sache mit den Videos hat für die Polizei zwei Seiten: Zum einen ist es für die Ermittlungen hilfreich, um Angreifer zu identifizieren. Andererseits kann es Täter anstacheln oder aggressiv machen. „Man bietet ihnen damit auch eine Bühne“, sagt Keilbach. Wer Videos zugeschickt bekomme von derlei Taten, solle sie auf keinen Fall weiterverbreiten. „Man macht sich damit schon mal grundsätzlich eines Verstoßes gegen den Datenschutz schuldig“, erläutert der Polizeisprecher. Das Video der Polizei zur Verfügung zu stellen sei hingegen hilfreich.
„Man muss sich auch fragen, was das mit uns macht, wenn alle die Kamera draufhalten: Man wartet dann darauf, dass etwas Dramatisches passiert. Das sieht man auch am vorliegenden Video: Interessant und weit verbreitet ist es jetzt, weil einer stürzt und bewusstlos wird“, sagt Keilbach. Die Reaktionen im Netz geben ihm recht: „Ist der tot? Steht der wieder auf?“ fragen Nutzer auf Twitter und Facebook. Ein gewisser Voyeurismus wird damit geweckt. Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort drei Tage lang versorgt.
Für die Polizei sind Schlägereien an der Tagesordnung
Heftige Reaktionen hat die Meldung des Zwischenfalls, der sich bereits in der Nacht zum 27. Juni ereignet hatte, auch aufgrund der Einordnung der Schlägerei durch die Polizei hervorgerufen. Bis auf den Sturz und die Bewusstlosigkeit des Mannes sei das, was man da sehe „ein Stück weit normal: Das ist das Grundrauschen in der Stadt“, sagt der Polizeisprecher. Die Beamten müssten zwar an den Wochenenden „nicht jede halbe Stunde zu einer Schlägerei“ ausrücken. „Aber das ist etwas, womit es die Polizei in ganz vielen Einsatzsituationen in den Nächten am Donnerstag, Freitag und Samstag zu tun hat“, betont Keilbach. Normalerweise werde das nicht bekannt. „Aber hier sieht man, was einem Menschen passieren kann in so einer Situation.“ Während sich ein Teil der an der Prügelei beteiligten jungen Männer um den Bewusstlosen kümmert, rollen sich andere weiter raufend auf dem Boden zwischen der Freitreppe am Schlossplatz und dem Königsbau herum.
Polizei: Keine Verschlimmerung der Lage
Bei manchen kam zudem die Befürchtung auf, Stuttgart würde immer gefährlicher werden. „Dieser Eindruck trügt“, sagt Keilbach. Es habe im Nachtleben schon immer Schlägereien gegeben, die Situation sei auch schon schlimmer gewesen. „Wir sind ja auch mit verstärkten Kräften an den Wochenenden im Einsatz. Wo wir sind, passiert so etwas nicht.“ Das Video habe nun ein Schlaglicht auf ein Ereignis geworfen. „Jetzt haben es vielleicht auch alle mitbekommen, die es sonst nicht glauben, dass so etwas auch zu den Wochenenden gehört“, sagt Stefan Keilbach.
Im Pressebericht vom Wochenende tauchte der Fall nicht auf. Das habe mehrere Gründe: Es habe mehrere Schlägereien gegeben. So habe man das auch in den Bericht geschrieben, der an die Medien ging, sagt der Polizeisprecher. Außerdem sei bei Schlägereien „das meiste vorbei“, wenn die Polizei komme. Sie erfahre folglich oft erst hinterher durch Zeugenaussagen, was genau geschehen sei. So könne es sein, dass es am Wochenende noch keine Informationen zum Sturz und der Bewusstlosigkeit des Mannes gegeben hatte.