Viel Arbeit – geringes Gehalt So wenig verdient man bei Startups

Von Imelda Flaig 

Die Onlineplattform Gehalt.de hat die Gehälter von Mitarbeitern in Startups analysiert – und teils eklatant geringere Einkommen festgestellt. In der Gründerszene zählt Leidenschaft für den Job offenbar mehr als das Gehalt.

Berlin gilt als Startup-Hochburg in Deutschland. Mögen die Jobs in Startups auch interessant und reizvoll sein, das Gehalt ist es nicht, wie ein Vergleich mit klassischen Industrieunternehmen zeigt. Foto: dpa
Berlin gilt als Startup-Hochburg in Deutschland. Mögen die Jobs in Startups auch interessant und reizvoll sein, das Gehalt ist es nicht, wie ein Vergleich mit klassischen Industrieunternehmen zeigt. Foto: dpa

Stuttgart - Beim Gehalt haben Mitarbeiter in Startups das Nachsehen – nicht nur Fachkräfte, die im Schnitt 16 500 Euro weniger verdienen als ihre Kollegen in der klassischen Industrie, die auf 57 500 Euro Bruttojahresgehalt kommen. Auch Führungskräfte verdienen bei Gründern vergleichsweise schlecht. Während Führungskräfte in der klassischen Industrie im Schnitt 95 800 Euro verdienen, fällt das Einkommen von Führungskräften in Startups mit rund 54 300 Euro um 41 500 Euro niedriger aus. Auch bei Prämien und Urlaubstagen schneiden Startups schlechter ab, wie die Startup-Studie 2018 der Onlineplattform Gehalt.de in Zusammenarbeit mit Gründerszene Karriere zeigt. Dabei wurden 1600 Gehaltsangaben von Beschäftigten in Startups und mehr als 21 400 Daten aus der klassischen Industrie untersucht.

„Unternehmen in der Old Economy verfügen in der Regel über mehr Kapital, wodurch auch die Gehälter für die Beschäftigten höher sind als in Startups“, erklärt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de den Unterschied. Zudem liege er Fokus eines Startups darauf, das Geschäftsmodell so erfolgreich wie möglich zu betreiben – und dafür werde vor allem das Kapital benötigt. Da sich das auf die Löhne auswirke, beziehe ein Großteil der Geschäftsführer eben auch ein verhältnismäßig geringes Gehalt.

Im Idealfall brennen die Mitarbeiter für eine Idee

Doch was zählt bei Startups, wenn Mitarbeiter beim Verdienst große Abstriche machen müssen? Karriere-Experte Lars Janzik setzt auf ein Gesamtpaket, bei dem auch Kriterien wie Entwicklungsmöglichkeiten und andere Mitarbeiterbenefits zählen, aber auch Leidenschaft und spannende Aufgaben. „In Startups ist auch die Führungsetage meistens verhältnismäßig jung. Für Berufseinsteiger ergibt sich fast zwangsläufig eine große Chance, recht schnell Verantwortung zu bekommen und viel zu lernen“, sagt er. Oft beginnt die Geschichte eines Startups mit großer Leidenschaft für eine Idee – und im Idealfall brennen die Mitarbeiter, die mit an Bord kommen, für die gleiche Idee.

Ob reizvolle Aufgaben ausreichen, um dauerhaft Fachkräfte zu überzeugen, scheint aber fraglich. Laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr konnte bereits jedes zweite Startup offene Stellen nicht besetzen. Das gilt demnach vor allem für IT-Experten, die sich ohnehin häufig unterbezahlt fühlen.

Weniger Urlaub und weniger Prämie

Weitere Ergebnisse aus dem Gehaltsvergleich: Während 63 Prozent der Führungskräfte in der klassischen Industrie Prämien von fast 12 000 Euro im Jahr bekommen, erhalten in Startups gerade man 19 Prozent der Beschäftigten mit Personalverantwortung eine Prämie – und die fällt mit 10 800 Euro auch noch geringer aus. Weniger krass sind die Unterschiede bei der Arbeitszeit. In Startups liegt sie bei 42 Stunden – das sind zwei Stunden mehr als in klassischen Industrieunternehmen. Auch beim Urlaub haben Fach- und Führungskräfte in Startups das Nachsehen: Ihnen stehen mit jeweils 27 Urlaubstagen im Jahr zwei Tage weniger Erholung zu als in der so genannten Old Economy.

Laut Auswertung haben fast 60 Prozent der Beschäftigten in den Startups einen akademischen Abschluss. 46 Prozent der Akademiker in Startups sind Wirtschaftswissenschaftler, gefolgt von Wirtschaftsinformatikern (16 Prozent). Unter den Befragten waren verschiedenste Berufsgruppen – vom Geschäftsführer bis zum Junior-Marketing-Manager. Ein Startup-Geschäftsführer verdient mit 57 401 Euro im Jahr verhältnismäßig wenig. Weitere Durchschnittsgehälter bei Startups: Berater/-in (50 348 Euro), Projektleiter/-in (48 536 Euro), IT-Administrator/-in (46 364 Euro), Online-Marketing-Manager/-in (43 934 Euro), Softwareentwickler/-in (43 911 Euro), Business-Development-Manager/-in (43 465 Euro), Key-Account-Manager/-in (43 117 Euro), Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst (36 924, Junior Marketing Manager/-in (29 069 Euro). Das Durchschnittsalter ist häufig unter 30 Jahre. Nährboden für viele Startups ist das Internet.