Esslingen hat so Manches zu bieten – aber nach Meinung einiger Kommentatoren nicht genug. Was fehlt der Stadt?
Ist Esslingen eine perfekte Stadt? Sicherlich nicht – wo gibt es die schon. Dennoch gilt Esslingen als traumhafter Ort, bei Touristen ist die Stadt am Neckar unter anderem wegen des großen Mittelalter- und Weihnachtsmarkts beliebt, bald stehen das große Entenrennen und später die Open-Air-Konzerte auf der Burg an. Aber was ist außerhalb der Events?
Mitten in Esslingens Fußgängerzone steht ein großes Gebäude, die Türen geschlossen, die Fenster abgeklebt. Der ehemalige Karstadt – zuvor Hertie – gibt ein trostloses Bild ab. Unsere Berichterstattung zu dem Werdegang des Gebäudes löst bei vielen Menschen in der Stadt Nostalgieschübe aus: „Mein Papa hat mir dort in den 60er Jahren meinen roten Buffalo Roller gekauft“, schreibt ein User, eine andere ergänzt: „Meine Einkäufe als Teenager kommen in Erinnerung. Das Haus war gefüllt mit Allem, was man begehrte.“
Ein großes Kaufhaus für Esslingen
So ist es wenig verwunderlich, dass vielen Esslingerinnen und Esslingern ein großes Kaufhaus in der Stadt fehlt. Das zeigen Kommentare, die uns in den Sozialen Medien erreicht haben. Unsere vorangegangene Frage: Was braucht Esslingen – oder was fehlt der Stadt? Die Antworten sind vielfältig, neben dem oft genannten Kaufhaus werden auch immer wieder „bezahlbare Parkplätze“ gefordert. „Maximal 1,50 Euro die Stunde“ dürften diese Kosten, sagt ein User und bekommt Zuspruch. Eine Kommentatorin ergänzt: „Es fehlen Kurzzeitparkplätze, um zum Beispiel ein Buch abzuholen oder etwas in die Reinigung zu bringen. 30 Minuten kostenlos wäre ideal!“
Vor Ort brauche Esslingen dann „deutlich mehr Vielfalt an Boutiquen und Geschäften – keine weiteren Lebensmittelgeschäfte“, sagt ein Bürger. „Vor allem in der Altstadt sollte die Belebung gefördert werden – das zieht Menschen an.“ Dass das in Zeiten von hohen Mieten und populärem Online-Shopping schwierig ist, gesteht manch ein Nutzer allerdings zu.
Wie also kann die Stadt attraktiver werden? Viele Userinnen und User wünschen sich weniger Autos, mehr Grün und mehr Platz für Radfahrende. Vor allem um den Bahnhofsvorplatz herum dürfe es grüner und gastronomisch ansprechender zugehen, kommentieren manche. Es ist ein Thema, das immer wieder zur Sprache kommt – zuletzt hatten zwei Stadträtinnen Vorschläge zu einer Verschönerung des Platzes vorgelegt. Die Stadtverwaltung wiederum will in den kommenden drei Jahren an verschiedenen Orten in Esslingen 200 Bäume pflanzen. Allein dem Bahnhofsvorplatz hilft das wenig. Tiefgreifende Veränderungen sind dort aus Sicht der Stadt wegen Altlasten im Boden nicht möglich.
„Esslingen ist nach wie vor eine tolle Stadt“
Anderer Ansatzpunkt: „Ein Club für die jungen Menschen wäre wieder super, damit nicht Stuttgart alles abzieht und Esslingen cool und interessant bleibt“, schreibt eine Userin, eine andere stimmt zu: „Das hin und her nach Stuttgart nervt.“ Esslingen soll cool und interessant bleiben – einige Kommentatorinnen und Kommentatoren heben bewusst das positive an der Stadt heraus.
„Esslingen ist nach wie vor eine tolle Stadt“, schreibt die Esslingerin Ute Engel. „Viel besser als manch andere, die auch alle dem Stadt- und Ladensterben verfallen.“ Trotzdem spüre sie einen negativen Trend. Wie einige andere wünscht sie sich unter anderem, die Stadt am Fluss „mit Sandstrand samt Beachbar“ erlebbar zu machen. Zumindest im Jubiläumsjahr 2027, wenn das nächste Esslinger Kulturfest steigt, soll der Fokus tatsächlich auf dem Wasser und seiner Bedeutung für die Stadt liegen.
Und manchmal hilft auch bei allen Unkenrufen ein Blick von außen. So schreibt ein Mann aus Gerlingen unter unserem Beitrag: „Esslingen ist schön so wie es ist! Muss man immer alles größer und besser machen? Diese Stadt hat alles, was man braucht.“