Vielfalt in Sindelfingen Wie ein Filmdreh Menschen zusammenführt
Ein Filmprojekt in Sindelfingen zeigt, was passiert, wenn Menschen, die sich nicht kennen, zusammenkommen, und feststellen, wie viel Gemeinsamkeiten sie doch alle haben.
Ein Filmprojekt in Sindelfingen zeigt, was passiert, wenn Menschen, die sich nicht kennen, zusammenkommen, und feststellen, wie viel Gemeinsamkeiten sie doch alle haben.
Was passiert, wenn Menschen zusammenkommen, die sich nicht kennen, womöglich nie treffen oder sich nie begegnen wollen würden? Dieses Experiment gab es schon einmal – im Jahr 2017, als ein dänischer Fernsehsender Menschen einlud und alle bestimmten Fragen beantworten ließ, die zeigten: Selbst sich ablehnend gegenüberstehende Personen haben mehr gemeinsam, als sie denken.
Angelehnt an das Original, das im Netz um die Welt ging, wollte das zivilgesellschaftliche „Bündnis Buntes Sindelfingen“ und die Fachstelle für Extremismusdistanzierung (FEX) mit Büro in Maichingen zeigen, wie viel Gemeinsamkeit in der vielfältigen Stadtgesellschaft steckt. Dafür kamen Ende Oktober 85 Menschen in die Sporthalle des Unterrieden-Gymnasiums – darunter Stadträte, Kirchen- und Vereinsvertreter, Kulturschaffende und Privatleute. Sie alle sind Teil des Filmprojekts „All that we share – Sindelfingen“.
Mathieu Coquelin, Geschäftsführer der FEX und Lokalmatador, zeigte sich erfreut über den bunten Mix: „Es war ein Querschnitt: Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, Rentner, Angestellte, Selbstständige, sogar eine Mutter mit Kleinkind.“ Zum Ziel des Projekts sagt Coquelin: „Wir wollten schauen, ob Menschen durch Fragen und Kategorien zueinanderfinden, die sich nicht kennen und möglicherweise nie in Austausch gegangen wären. Entweder weil sie sich nicht begegnet wären oder weil sie einen Bogen umeinander gemacht hätten.“
Gerade in Zeiten, in denen sich gesellschaftlichen Gräben zu vertiefen scheinen – siehe die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) befeuerte „Stadtbild“-Debatte – könne ein solches Projekt den Zusammenhalt stärken und für mehr Toleranz und Offenheit gegenüber den Mitmenschen sorgen, waren sich die Organisatoren sicher. Erkenntnisreich und überraschend wurde es dann, als die Fragen gestellt wurden, zu denen sich die Teilnehmer positionieren sollten.
So habe man sehen können, wer schon einen Traum aufgeben musste, wer aufgrund von Sorgen nachts nicht schlafe, wer Mobbing erlebt oder selbst gemobbt hat – oder wer im Ausland geboren ist. „Da habe ich mich dabei ertappt, dass auch ich Menschen, die hier geboren wurden, woanders verortet habe“, sagt Coquelin in Bezug auf besagte Vorurteile. „Bei der Frage, wer bereits einen Traum aufgeben musste, ging Max Reinhardt vor. Alle wussten, um welchen Traum es sich handelte“, erzählt der FEX-Leiter. Reinhardt verlor bei der OB-Stichwahl im Mai denkbar knapp gegen Markus Kleemann.
Die Teilnehmer sahen, dass der Mensch gegenüber Geschichten mitbringt, die wir alle nicht kennen. „Unsere Mitmenschen sind weit mehr als das, was wir nach dem ersten Blick in ihnen vermuten. Hinter jeder Person verbergen sich Geschichten“, betont Coquelin und hebt den wohl emotionalsten Moment des Abends vor: „Als die Frage kam, wer daran glaube, dass trotz unterschiedlicher Herkünfte gemeinsame Werte in unserer Gesellschaft gefunden werden können, stimmten alle zu. Daraufhin wurde applaudiert. Manche umarmten sich auch.“
Die Idee mit der Zusammenführung von Menschen entlang von Gemeinsamkeiten könnte nach Meinung des Extremismusexperten Schule machen: „Das Projekt kann natürlich auch mit anderen Menschen umgesetzt werden, zum Beispiel an Schulen.“ So hätten jene, die in der Turnhalle dabei waren, nicht nur neue Leute kennengelernt und den eigenen Horizont erweitert, sie könnten auch Multiplikatoren sein für eine Idee, die der durch einige Parteien und Gruppen beförderte Spaltung entgegenwirken könnte.
Kategorien
Die sechs Kategorien lauteten: „Helfende Hände“, „Kultur und Ehrenamt“, „Handwerk“, „Ich lebe Sport“, „Ich bin Sindelfinger durch und durch“ und „Man kennt mich“. Durch die Kategorisierung sollte der Einzug der 85 Menschen vor laufender Kamera in die Halle organisiert ablaufen.
Film
Geplant ist, dass der rund fünfminütige Film beim Sindelfinger Neujahrsempfang 2026 gezeigt wird. Auch auf den Youtube- und Instagram-Kanälen der FEX wird der Film zu sehen sein.