Vier Unterkünfte in Ludwigsburg geplant Proteste gegen neue Flüchtlingsheime

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Es geht um anerkannte Flüchtlinge, die dauerhaft bleiben: Die Stadt Ludwigsburg will für 280 Menschen vier Unterkünfte in Würfelform bauen. In Pfugfelden und Hoheneck regen sich Proteste.

In  diesen würfelartigen Gebäuden namens „Cube 11“ sollen die anerkannten Flüchtlinge wohnen. Foto: Wohnungsbau Ludwigsburg
In diesen würfelartigen Gebäuden namens „Cube 11“ sollen die anerkannten Flüchtlinge wohnen. Foto: Wohnungsbau Ludwigsburg

Ludwigsburg - Schon im Sommer war klar: Auch Ludwigsburg bekommt ein Problem bei der Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Die Plätze fehlen und die Zeit drängt. Nun hat die Verwaltung ein Konzept vorgelegt, in dem sie erläutert, dass von insgesamt 20 geprüften Standorten nur vier geeignet seien. Es sind ein Flurstück an der Ecke Jäger- und Stuttgarter Straße, eines an der Osterholzallee Nord, Ecke Strombergstraße, ein Parkplatz an der Gemeindehalle Hoheneck (Hartstraße) und das sogenannte Kleine Feldle Südost in Pflugfelden. Dagegen regt sich Protest.

So hat sich der Stadtteilausschuss Pflugfelden in einem offenen Brief an den OB Werner Spec und die Gemeinderäte gewandt. „Es macht uns zornig und auch ratlos“, heißt es darin. Sie protestieren gegen den Standort Kleines Feldle. Die Bürger empört, dass sie nicht im Vorfeld angehört wurden und dass sie selbst an der Stelle in der Vergangenheit nicht bauen durften. Zudem fühlt man sich ungerecht behandelt: „Pflugfelden mit 4500 Einwohnern stellt fünf Prozent der Ludwigsburger Bevölkerung und müsste 20 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen.“ Auch in Hoheneck, wo der Parkplatz vor der Gemeindehalle genutzt werden soll, formiert sich Widerstand.

Offene Briefe und Protestnoten

In einem Brief von Hohenecker Bürgern heißt es: „Die Stadt nimmt Kindern den Fußballplatz weg!“ Denn das Gelände des Bolzplatzes werde für die Unterkunft genutzt. Der Platz sei die einzige Möglichkeit für sicheres, selbstständiges Spielen in der Umgebung. Zumal der zweite Bolzplatz bereits der Schulturnhalle gewichen sei. Der Platz sei ein verbindendes Element in der Nachbarschaft und werde auch für Veranstaltungen und Feste genutzt.

Der Sozialbürgermeister Konrad Seigfried erklärte am Donnerstag gegenüber der Presse: „Der Widerstand ist nachvollziehbar, aber die Stadt muss eine Lösung finden.“ Die Empörung in den Stadtteilen sei auch deswegen so groß, weil viele von falschen Zahlen ausgingen. Der Landkreis werde die Stadt auffordern, 2018 knapp 600 Flüchtlinge in der sogenannten Anschlussunterbringung zu versorgen. „Für einen Teil davon möchte die Verwaltung Wohnungen anmieten“, sagt Seigfried.

Darüber hinaus solle das Projekt Cube 11 in Serie gehen. „Bisher hat die Wohnungsbau GmbH Ludwigsburg den Würfel nur als modulares Konzept gebaut“, sagt der Bürgermeister. So etwa an der Bruckner- und der Bebenhäuser Straße. Die würfelförmigen Gebäude bestehen aus Modulen, die bis zu elf Meter und – je nach Bedarf – drei bis vier Geschosse hoch werden. „Wir propagieren nun eine serielle Fertigung des ­Cube“, sagt Seigfried. Das komme weniger teuer, und damit ließen sich relativ kurzfristig bis zu 280 Plätze an den vier ausgewählten Standorten schaffen. Auf diesen Flächen könnten jeweils zwischen 60 und 120 Asylbewerber Wohnungen finden. ­Damit verrate die Stadtverwaltung ihr Konzept einer dezentralen Unterbringung, sagen die Gegner dieser Baupläne. Auch Seigfried räumt ein: „Das Ergebnis der Untersuchung ist ernüchternd.“

Würfel zum Wohnen

Die übrigen 16 geprüften Standorte erfüllten entscheidende Kriterien nicht, sagte Thomas Hugger, der Leiter des Fachbereichs Liegenschaften. Die Flächen müssten der Stadt gehören, sie müssten bereits erschlossen sein, und es müsse ein vereinfachtes Baurecht gelten. „Wenn wir erst noch einen Bebauungsplan aufstellen müssten, dauerte das Jahre“, sagt Hugger. Diese Zeit habe man nicht.

Seigfried hält die vorgesehenen Bauten für nachhaltig, weil man sie anschließend als normale Wohnungen nutzen könne. Etwa indem man den Bebauungsplan ändere, sobald sich die Flüchtlingskrise entspannt habe. „Wann das sein wird, kann momentan niemand sagen“, sagt er, „das hängt davon ab, was die künftige Koalition in Berlin in Sachen Familiennachzug beschließt.“

Gebäude können später als Wohnungen genutzt werden

Wichtig sei, dass das Errichten von Asylunterkünften nicht den Weg für den Wohnungsbau blockiere, sagt der Erste Bürgermeister. Darum sehe man auch davon ab, Cubes an den Muldenäckern oder in Sonnenberg Südwest aufzustellen, wo die Arbeiten schon begonnen haben oder demnächst beginnen werden.

Die Pläne für die Wohnsiedlung an der Fuchshofstraße seien dagegen noch nicht weit genug gediehen. Zudem sei hier weder eine Erschließung vorhanden, noch gehörten sämtliche Grundstücke der Stadt. Diese Fläche könne vielleicht für 2019 oder 2020 in Betracht gezogen werden. Wenn das Gebiet weiterentwickelt sein wird. Denn der Druck in Sachen Flüchtlingsunterbringung wird noch einige Jahre andauern.

Am Donnerstagabend hat der Bauausschuss das Thema beraten, die Sitzung war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet.




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