Vierschanzentournee Schuster redet Klartext

Severin Freund bleibt in Oberstdorf weit hinter den Erwartungen zurück Foto: AFP
Severin Freund bleibt in Oberstdorf weit hinter den Erwartungen zurück Foto: AFP

Nach der deutschen Auftaktpleite bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf geht der Bundestrainer Werner Schuster mit seinen Skispringern hart ins Gericht. Bei den Erklärungen für das Debakel bleibt aber auch er wortkarg.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Oberstdorf - Abgetaucht wird nicht. Natürlich erschien der Bundestrainer Werner Schuster nach der deutschen Blamage beim Auftakt der Vierschanzentournee im Oberstdorfer Gemeindezentrum, um Rede und Antwort zu stehen. Seine Fahrt durch die verschneite Nacht zum nächsten Springen in Garmisch verzögerte sich dadurch zwar, aber der Österreicher musste einfach Dampf ablassen. Severin Freund war als 13. der Beste eines Teams, das mit großen Ambitionen ins Allgäu gereist war – und dann diese Pleite.

Wer versteht das? Keiner, auch Werner Schuster nicht. „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass Marinus Kraus nach dem ersten Durchgang der Beste ist, hätte ich gesagt: Da bleibe ich lieber im Hotel“, sagte er und packte die Rute aus. „Dass unsere Spitzenleute hier so danebenhauen, ist eine Katastrophe“, fügte er mit finsterer Miene hinzu. So übel gelaunt erlebt man den eloquenten Trainer nur selten, der normalerweise in sich ruht. „Wir hatten noch nie mit einer so hohen Qualität so ein schlechtes Springen“, sagte Werner Schuster.

Ohrfeige für die Frontmänner

Gemeint waren damit vor allem die beiden Frontmänner Severin Freund und Richard Freitag. Die Plätze 13 und 15. bezeichnete der Trainer als „Ohrfeige“, die sie sich da eingefangen hätten. Wie sie so einbrechen konnten, das war an diesem schneereichen Tag in der Marktgemeinde einfach unerklärlich. So oft schon sind sie mit breiter Brust zum Auftakt der Vierschanzentournee gereist, Freund kennt die Schanze aus dem Effeff – und dann stürzen sie so ab.

Und beide haben dicke Fehler gemacht. Freund sprang zu spät ab, Freitag zu früh – so einfach lässt es sich erklären. Dass vor allem Freund „zweimal so katastrophal spät war“, brachte den Trainer Schuster besonders auf die Palme. Womöglich sind seine Spitzenkräfte zu motiviert an die Aufgabe herangegangen.

Die Erwartungen waren ja auch so hoch. Freund, so sagte Schuster, habe es besonders toll machen wollen. Und bei Freitag spürte der Coach, dass er vor dem Sprung von Kopf bis Fuß angespannt war, also verkrampft. Beiden hat vor dem mit Spannung erwarteten Saisonhöhepunkt die nötige innere Balance gefehlt.

Diese Ausgeglichenheit legten die Österreicher an den Tag. Mit dem Doppelerfolg von Stefan Kraft und Michael Hayböck teilten sie der Konkurrenz gleich mal mit, dass sie nicht abgeneigt sind, den Tourneesieg unter sich auszumachen. Davon sind die Deutschen nach ihrem Untergang in Oberstdorf meilenweit entfernt. „Die Tourneegesamtwertung werden wir nicht gewinnen, aber ich möchte es drehen“, sagt der Bundestrainer, der auf Schadensbegrenzung hofft. Ein, zwei Podestplätze würden schon reichen, um teamintern die Gemüter etwas zu beruhigen.

Der Knoten platzt einfach nicht

Wie kriegt man diese Niederlage wieder aus dem Kopf? Die deutsche Mannschaft will so weiterarbeiten, wie in der Vorbereitung: in aller Ruhe. In solch einem entspannten Umfeld wurde bereits die Saison über gearbeitet. Die Folge waren teils ausgezeichnete Ergebnisse und dadurch die Hoffnung, bei der Tournee zu glänzen. Der letzte deutsche Tourneesieger war Sven Hannawald im Jahr 2002. Davor spielten die DSV-Teams unter den Gesamtsiegern Jens Weißflog und Dieter Thoma auch immer schon im Konzert der großen Skispringer mit. So sehr sich die durchaus talentierte Generation um Severin Freund auch über das olympische Mannschafts-Gold in Sotschi freute – bei der Vierschanzentournee platzt der Knoten einfach nicht.

Der Schaden von Oberstdorf soll nun repariert werden durch ausgiebige Regeneration und leichtes Training, um die Spannung der Muskulatur zu erhalten. Und Gespräche werden wohl auch geführt. „Bei den Jungs baut sich hier bei der Tournee immer eine riesige Erwartungshaltung auf. Davon müssen sie sich mal lösen, da darf man kein Trauma kriegen“, sagte Werner Schuster noch mit fester Stimme, bevor er sich auf den Weg nach Garmisch machte.

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