TSV Jahn Büsnau – SG Stuttgart West 6:4 n. E.
Pokalabend, Flutlicht, Mega-Comeback, Elfmeterschießen – Fußballherz, was willst du mehr? In Sachen Dramaturgie und Atmosphäre bot die Partie beim Spitzenreiter der zweiten Kreisliga-A-Staffel das volle Programm – und machte Lust auf mehr: „Coole Kulisse, viele Zuschauer. Jetzt wollen wir ins Finale“, sagt Dominik Lenhardt, Spielertrainer des TSV Jahn Büsnau. Zuvor wurde er Zeuge einer zunächst dominanten Vorstellung seines Teams, das früh alles im Griff zu haben schien. Bereits nach rund 40 Minuten führten die Seinen mit 3:0 – die Tür zum Halbfinale war sperrangelweit aufgestoßen.
Dann aber folgte ein Comeback der Gäste, das in der 43. Minute mit Sebastian Wambsganss’ 1:3 begann und mit der letzten Aktion vor Abpfiff endete: Nach einem weiten Einwurf und Chaos im Büsnauer Strafraum beförderte Niclas Riehle den Ball in die Maschen – der Ausgleich für die SG West zum 3:3 (90.+4). „Wir hatten es eigentlich im Sack. Wir waren selbst verwundert, weil wir uns eigentlich keinen Vorwurf machen können“, sagt Lenhardt. „Der Gegner war einfach brutal effektiv.“
Zuvor hatte Niclas Klausmann den Anschlusstreffer für den Tabellensiebten der Kreisliga A, Staffel 1, besorgt – per Nachschuss, den vorausgegangenen Foulelfmeter hatte Büsnaus Hannan Ullah noch abgewehrt. Im Nachhinein sollte sich herausstellen: Die Tat war quasi nur eine Aufwärmübung für den 24-jährigen Keeper. Im späteren Elfmeterschießen schwang er sich zum Held des Abends auf – und das obwohl der Gegner das Momentum nach seiner beeindruckenden Aufholjagd auf der eigenen Seite wähnte: „Wenn man von einem 0:3-Rückstand zurückkommt und in der letzten Minute den Ausgleich schafft, pusht das einen natürlich“, beschreibt Benedikt Goos, Trainer der SG West, die Gefühlslage in den Minuten zwischen Abpfiff und Elfmeterschießen.
Moralisch und kämpferisch sah er eine starke Vorstellung seiner Mannschaft – dem Büsnauer Mann zwischen den Pfosten war sie am Ende aber nicht gewachsen. Ullah hielt drei Elfer, nur Noah Blaser netzte für die Gäste ein. Das Heimteam zeigte sich dagegen nervenstark, alle drei Schützen verwandelten vom Punkt. „Auch wenn es hinten raus wild wurde, haben wir hochverdient gewonnen“, stellt Lenhardt klar. Angeführt von einem überragenden Mann zwischen den Pfosten zieht der Favorit also ins Halbfinale ein. Dort wartet die SG Weilimdorf – die im Parallelspiel ihrem Ruf als Favoritenschreck alle Ehre machte.
Tore: 1:0 Sebastian Lenhardt (10./Foulelfmeter), 2:0 Schneider (36.), 3:0 Schneider (39.), 3:1 Wambsganss (43.), 3:2 Klausmann (75.), 3:3 Riehle (90.+4). Elfmeterschießen: 4:3 Neils, 5:3 Agyemang, 5:4 Blaser, 6:4 Sebastian Lenhardt.
Besonderes: Ullah hält Foulelfmeter (75./Büsnau), Ullah hält im Elfmeterschießen gegen Wambsganss, Klausmann und Derichs.
SG Weilimdorf – SV Deckenpfronn 3:1
„Es ist ein gewisses Muster zu erkennen“, gab Philip Baltsios, Trainer der SG Weilimdorf, gut gelaunt zu. Einmal mehr hatte seine Mannschaft das getan, was sie im Pokal am liebsten tut: Bezirksligisten aus dem Wettbewerb kegeln. Der SV Deckenpfronn ist der nunmehr vierte, höherklassige Gegner, der dem Kreisliga-A-Ligisten in der laufenden Pokal-Saison zum Opfer fiel. „Die Jungs haben einfach Bock auf den Wettbewerb“, sagt Baltsios und witzelt: „Wenn wir diese zusätzlichen Prozentpunkte in der Liga abrufen, würden wir um den Aufstieg mitspielen.“
Gegen den Neuntplatzierten der Bezirksliga erlebte er ein ausgeglichenes Spiel, sein Team habe aber im Gegensatz zu den Gästen die Chancen konsequent genutzt. „Wir waren taktisch sehr diszipliniert, hatten einen überragenden Torwart und keiner war sich zu schade, sich in die Schüsse zu werfen“, beschreibt Baltsios die entscheidenden Siegfaktoren. Außerdem: „Wir hatten das Quäntchen Glück auf unserer Seite.“ Oder auch das gewisse Etwas, das die Nord-Stuttgarter im Pokal ein ums andere Mal auszeichnet. Gegen die Weilimdorfer hatten zuvor bereits der SV Vaihingen, TV Echterdingen II und die Spvgg Cannstatt an den Pokal-Fluch der Bezirksligisten in dieser Saison glauben müssen.
Der nächste Gegner im Wettbewerb, der TSV Jahn Büsnau, dürfte gewarnt sein. Der ist zwar ein Kreisligist, als Tabellenführer der zweiten A-Staffel aber in der Theorie favorisiert. Baltsios freut sich auf die „alten Bekannten“: „Wir kennen sie noch aus der Kreisliga B von vor drei Jahren. Es ist ein anspruchsvoller Gegner mit viel Qualität.“ Ob der Blick denn schon in Richtung des ganz großen Wurfes geht, der Pott endlich in die heimische Solitudestraße geholt werden soll? „Allein ins Finale zu kommen, wäre ein Traum. Und im Pokal ist alles möglich“, sagt Baltsios. Er und sein Team müssen es wissen.
Tore: 1:0 Kugiumtzidis (30.), 2:0 Christiansen (43.), 2:1 Völler (54.), 3:1 Nedos (57.).
Besonderes: –