Vierter Feinstaubalarm endet am Dienstag Das Handwerk warnt vor Fahrverboten

Etwa 25 000 Kleinlaster und Personenwagen    sind auf Stuttgarter Handwerksbetriebe zugelassen. Eine gewaltige Flotte,  die auch im Fall von Fahrverboten wegen Luftverschmutzung nicht still stehen will. Foto:Lichtgut/Max Kovalenko Foto:  
Etwa 25 000 Kleinlaster und Personenwagen sind auf Stuttgarter Handwerksbetriebe zugelassen. Eine gewaltige Flotte, die auch im Fall von Fahrverboten wegen Luftverschmutzung nicht still stehen will. Foto:Lichtgut/Max Kovalenko

Weil sich das Wetter überraschend ändert, wird der vierte Feinstaubalarm am Dienstag um Mitternacht beendet. Ob es vor der Sommerpause einen fünften geben wird, ist eher unwahrscheinlich.

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Stuttgart - Am Dienstag um Mitternacht endet etwas, dessen Beginn vor neun Tagen gefühlt kaum noch einen in der Stadt interessiert hat. Da sich die Wetterlage ändern soll und für Mittwoch und Donnerstag deutlich labilere Luftschichten mit Regen und eine erhöhte Austauschlage prognostiziert wird, beendet Stuttgart am Dienstag um 24 Uhr den Feinstaubalarm.

Der vierte Alarm hatte am Sonntag, 13. März, begonnen und war der bisher längste, seit die Stadt zu Beginn des Jahres den freiwilligen Verzicht auf Auto und offenen Kamin zur Reduzierung der Luftbelastung eingeführt hat. Bisher waren allerdings an den Alarmtagen die Straßen voll und die Schadstoffwerte in der Luft meist über dem EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Auch der Rekordwert 2016 von nahezu dem Dreifachen des Erlaubten wurde im Januar zu Alarmzeiten gemessen.

Lange Pause für den Alarm

Der vierte Feinstaubalarm endet also, und ob es vor Herbst noch einen fünften geben wird, ist eher unwahrscheinlich, da die Stadt von Mitte April an den Alarm bis Oktober unterbrechen wird. Der Grund: Im Sommerhalbjahr sind durch die höheren Temperaturen und die Thermik die Austauschwerte deutlich höher. Das bedeutet zwar nicht, dass die Grenzwerte nicht auch im Sommerhalbjahr überschritten werden können, aber die Gefahr wird kleiner. 2015 gab es zum Beispiel nur vier Sommertage, an denen der Grenzwert gerissen worden ist.

Manche in der Stadt hoffen auch, dass im Rathaus über die schöne Jahreszeit die Erkenntnis wachsen möge, dass der Alarm als Instrument zur Luftreinhaltung untauglich sei. „Die ständigen Alarme ­schädigen das Image der Stadt“, sagt ­Alexander Kotz, Chef der CDU-Rathaus­fraktion. Und in seiner Eigenschaft als Kreishandwerksmeister legt der Christdemokrat noch nach. Auch wenn der Feinstaubalarm als Instrument nicht tauge, seien Fahrverbote trotzdem keine Alternative. „Der wirtschaftliche Schaden wäre für das Handwerk immens“, sagt Kotz, der lieber auf Ingenieurskunst setzt, um mittelfristig den Verkehr umweltverträglicher zu machen.

E-Mobilität ist noch kein Thema

Um zu beurteilen, wie die Verkehrssituation im Stuttgarter Handwerk ist, hat Kotz eine Erhebung unter den 5651 Betrieben in der Stadt durchführen lassen. Dabei kam heraus, dass in den Betrieben, die bei der Erhebung mitgemacht haben, mehr als 50 Prozent der Flotte bereits in den Emissionsklassen E5 und E6 unterwegs ist. Etwa 75 Prozent der Autos sind Dieselfahrzeuge, umweltfreundliche Antriebe wie Gas oder Strom haben nur knapp zwei Prozent der Wagen. „Für die E-Mobilität gibt es noch zu wenig und zu teure Angebote. Zudem ist die Reichweite noch zu gering“, sagt Kotz.

Der Kreishandwerksmeister betont aber, dass man in der Branche durchaus willig sei, einen Beitrag zur Luftverbesserung zu leisten. Betriebe sollen „soweit wirtschaftlich möglich“ künftig auf E-Mobilität oder Abgasreduzierung setzen. Zudem unterstütze man durch günstige Sammelbestellungen den Umstieg auf Bus und Bahn. Sollte aber das alles nichts bringen und es doch zu Fahrverboten von 2017 an kommen, müsse es Ausnahmegenehmigungen für das Handwerk geben. „Ein Fahrverbot könnte Betriebe wirtschaftlich in Schwierigkeiten bringen“, sagt Kotz.




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