Villa Berg in Stuttgart Villa Berg: Investor PDI ist offen für ein Filmhaus

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Nach acht Jahren des Leerstands ist die Villa Berg in einem bedenklichen Zustand. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt Mathias Düsterdick. Dem Investor gehören die Villa Berg und die alten SWR-Studios – und er hat einen Sanierungsplan.

Die Villa Berg ist in keinem guten Zustand. Foto: Horst Rudel 22 Bilder
Die Villa Berg ist in keinem guten Zustand. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Nach acht Jahren des Leerstands ist die denkmalgeschützte Villa Berg in einem bedenklichen Zustand: Durch mehrere Wände dringt Feuchtigkeit ein, der Parkettboden wölbt sich vor Nässe bis zu 20 Zentimeter hoch, und von den Decken unter dem Dach sind armlange Mörtelteile herabgestürzt. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt Mathias Düsterdick, der Geschäftsführer des Projektentwicklers Property Development Investors GmbH (PDI). Ihm gehören die Villa Berg und die angrenzenden alten SWR-Studios, und er hat am Mittwoch in den Sendesaal der Villa eingeladen, um – nicht ganz uneigennützig – die Besichtigung des Gebäudes zu ermöglichen und um sein Sanierungskonzept zu präsentieren.

Die Konstellation ist heikel. Die Bürgermeister Michael Föll und Matthias Hahn wollen die Studios abreißen und den Park vergrößern. Sie scheinen in den Investor kein rechtes Vertrauen zu haben, weshalb die Stadt die Villa erwerben soll. So sehen das auch die SPD und die FDP im Gemeinderat, wie sie jetzt bekräftigten. Das Haus könnte zu einem Filmhaus werden, schlug Bezirksvorsteher Martin Körner (SPD) jüngst vor; die FDP will die Cranko-Schule dort unterbringen. CDU und Grüne tendieren eher zum Vorschlag des Investors, da so 150 Wohnungen entstünden und die Stadt die Sanierung der Villa nicht selbst finanzieren müsste. „Wir sind aber für Vorschläge offen, wenn die Lasten der Stadt nicht zu hoch sind“, so Grünen-Chef Peter Pätzold. Insofern kämpfen derzeit alle um die Gunst der Stadträte. Sie entscheiden.

Investor will die Wasserspiele erneuern

Mathias Düsterdick setzt deshalb auf ein grünes Projekt. Er will die Wasserspiele aus den 1960er Jahren auf eigene Kosten sanieren. Er möchte zahlreiche Wege und Zufahrten renaturieren. Er plant in den Studios begrünte Innenhöfe und Dächer: „Die Integration der Häuser in den Park wäre so klar besser als heute“, sagt Markus Pärssinen vom Projektsteuerer Alba.

Was viele nicht wissen: Mehrere Etagen der Studios liegen komplett unter der Erde. Damit alle Wohnungen Tageslicht bekommen, will Düsterdick die Innenhöfe um bis zu sieben Meter ausgraben. Die CDU-Ratsfraktion ist laut ihrem Vorsitzenden Alexander Kotz bisher aber nicht ganz überzeugt. Die Kosten für die Sanierung der Studios seien höher als bei einem Neubau, so Düsterdick: Man plane deshalb zwar keine Luxuswohnungen, aber auch keine Appartements im unteren Segment. Die ersten Bildentwürfe der sanierten Gebäude wollte Düsterdick nicht herausgeben: Man sei offen für andere Entwürfe und wolle keine Fakten schaffen, so die Begründung.

Offen ist der Investor PDI auch, was die Villa Berg selbst anbetrifft. Er geht zwar weiter den Weg, dort ein Varieté mit eigenständigem Restaurant anzusiedeln. Aber wenn die Stadt dort ein Filmhaus einrichten wolle, verschließe man sich Gesprächen darüber nicht. Für das Varieté gibt es bereits einen konkreten Interessenten: Die GOP Entertainment Group in Hannover betreibt in Deutschland fünf Varietés, das sechste eröffnet im Herbst in Bremen. In Bad Oeynhausen ist das Varieté ebenfalls in einem historischen Gebäudeensemble untergebracht. Fraglich ist aber, ob in Stuttgart ein zweites Varieté wirtschaftlich betrieben werden kann. GOP-Geschäftsführer Olaf Stegmann ist zuversichtlich: „Wir bestehen auch in Städten wie München, wo die Konkurrenz noch viel größer ist.“ Das „Ausgeherlebnis“ in der Villa Berg spiele aber eine wichtige Rolle.

Auch der historische Sendesaal soll erhalten werden

Man habe die Villa Berg bereits entsprechend den Anforderungen von GOP umgeplant, so PDI – und die Pläne mit der Oberen und Unteren Denkmalschutzbehörde sowie der Eiermann-Gesellschaft diskutiert. Letztlich hätten alle dem Konzept zugestimmt, so Pärssinen. Das Schreiben liegt der StZ vor. Gerüchten zufolge soll der politische Druck, die Zustimmung zu versagen, groß gewesen sein. Im Gegensatz zu allen anderen diskutierten Konzepten würde PDI auch den historischen Sendesaal von Egon Eiermann erhalten. Das Büro HPP Architekten, das PDI zur Seite steht, hat in jüngster Zeit zwei bedeutende Eiermann-Gebäude – die Deutsche Botschaft in Washington und den Langen Eugen in Bonn – renoviert. Es würde aber eine mobile Empore in den Saal eingebaut, da GOP 300 Plätze benötige. Um eine Küche und Lagerräume unterzubringen, wären zwei einstöckige Anbauten erforderlich, die aber an die nach dem Krieg abgerissenen beiden Nordflügel erinnerten.

PDI will 60 Millionen Euro investieren. Die Stadt müsste für ihr Konzept je nach Rechnung elf bis 20 Millionen Euro aufbringen, bekäme aber Zuschüsse. Ein Hintertürchen hält sich PDI offen: Der Investor hat drei Kaufverträge unterschrieben – den Preis aber noch nicht bezahlt.

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