Villa Berg Jetzt dürfen die Fachleute ins Denkmal

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Seit 1. Januar gehören die Villa Berg und die ehemaligen Fernsehstudios im Park der Stadt. Das Stadtplanungsamt hat dafür bereits Ende vergangenen Jahres Vorbereitungen getroffen, einige Ingenieurbüros stehen bereit, die die Gebäudesubstanz untersuchen wollen. Zunächst sollen Dach und Fenster abgedichtet werden, um einen weiteren Verfall der Villa zu verhindern.

Wie groß ist der Sanierungsaufwand in der Villa Berg? Das soll in einem dreistufigen Verfahren  geprüft werden. Foto: dpa
Wie groß ist der Sanierungsaufwand in der Villa Berg? Das soll in einem dreistufigen Verfahren geprüft werden. Foto: dpa

S-Ost - Seit dem 1. Januar gehören die Villa Berg und die ehemaligen Fernsehstudios des Südwestrundfunks der Stadt. Beide Gebäudekomplexe stehen seit Jahren leer, vor allem an der Villa hatten sich in den vergangenen Jahren immer mehr Schäden gezeigt. Aus den Mauerritzen wuchsen und wachsen Pflanzen, die Fenster im Erdgeschoss sind durch Pressspanplatten geschützt, die Platten sind besprüht. Jetzt soll die Villa möglichst rasch untersucht und die Bürgerbeteiligung bei der Suche nach einem Nutzungskonzept möglichst schnell gestartet werden.

„Wir stehen in den Startlöchern“, sagte Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung im Dezember bei einer Veranstaltung zum Sanierungsgebiet Stöckach. Insgesamt sechs Ingenieurbüros würden nur darauf warten, endlich ihre Angebote für die Untersuchung der Villa Berg abgeben zu können. Die Untersuchung des denkmalgeschützten Gebäudes soll in drei Stufen erfolgen.

Zunächst werden Dach und Fenster überprüft

Zunächst soll laut Holch möglichst rasch festgestellt werden, welche Sofortmaßnahmen ergriffen werden müssen, um das Gebäude vor weiteren Schäden zu schützen. Damit ist beispielsweise gemeint, das Dach oder die Fenster abzudichten oder auch die Pflanzen zu entfernen, deren Wurzeln das Mauerwerk schädigen können.

Wenn das erledigt ist, soll in einem zweiten Schritt geprüft werden, mit welchen Maßnahmen die Villa für einen Tag der offenen Tür hergerichtet werden kann. Für eine solche Veranstaltung müssen beispielsweise die Strom- und Wasserversorgung sichergestellt und auch die geltenden Brandschutzbestimmungen eingehalten werden. Bei der letzten größeren Veranstaltung in der Villa Berg, einer Party des Energydrink-Herstellers Red Bull, waren in dem Zufahrtsbereich an der Seite der Villa eine ganze Reihe von mobilen Toiletten und ein Notstromaggregat aufgestellt worden, da die Strom- und Wasserversorgung der Villa unterbrochen ist. Wann ein solcher Tag der offenen Tür stattfinden könnte, ist völlig offen. Ein mögliches Datum dafür wäre aber der Tag des offenen Denkmals im September.

Die Kosten können noch gar nicht geschätzt werden

In der dritten Untersuchungsstufe schließlich geht es um den Zustand der Bausubstanz und auch darum, welche künftigen Nutzungen in der Villa überhaupt möglich und denkbar sind. Über die zeitliche Abfolge dieser Untersuchungsschritte machte Holch keine Angaben. In der Pressemitteilung der Stadt zur Unterzeichnung des Kaufvertrags Mitte Dezember heißt es: „Nach förmlicher Übernahme wird die Stadt zunächst den baulichen Zustand der Villa Berg erfassen und bewerten. Erst danach können Aussagen über Aufwand und Kosten einer Sanierung sowie den Beginn der Bürgerbeteiligung zur künftigen Nutzung gemacht werden.“

Bei dieser Bürgerbeteiligung, deren Form noch völlig offen ist, kann die Stadt auf zahlreiche Vorschläge und Ideen zurückgreifen, die in den vergangenen drei Jahren von ganz unterschiedlichen Initiativen und Gruppierungen erarbeitet wurden. Die mit Abstand umfangreichste Materialsammlung stammt von der Initiative Occupy Villa Berg, die bei zahlreichen Veranstaltungen und von zahlreichen Mitwirkenden zusammengetragen wurde.

Stadt will auf Occupy-Arbeit aufbauen

Die Initiative hat ihre Arbeit, wie berichtet, zum Jahresende eingestellt, da mit dem Kauf der Villa durch die Stadt ihr wesentliches Ziel erreicht wurde. Die Materialsammlung wurde Oberbürgermeister Fritz Kuhn bei der Abschlussveranstaltung der Initiative im Restaurant Theater Friedenau Anfang Dezember überreicht. Kuhn sagte schon damals, dass die Nutzung von Park und Villa mit den Bürgern entwickelt werden solle. „Dabei können wir auf die hervorragenden Vorarbeiten von Occupy Villa Berg aufbauen und die vielen Ideen der Bürgerbeteiligung mit einbeziehen.“ Kuhn sagte bei der Veranstaltung, dass er persönlich sich gut eine kulturelle Nutzung der Villa vorstellen könne, ohne das zu konkretisieren.

Ganz konkrete Nutzungsvorschläge gibt es aber von anderer Seite. Der Verein Berger Bürger beispielsweise würde in der Villa gerne ein Bildungshaus nach dem Vorbild der Berliner Urania verwirklichen (www.urania.de) und hat dafür auch schon aus Berlin Unterstützung zugesichert bekommen. Der ehemalige Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost und heutige Sprecher der SPD-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat, Martin Körner, engagiert sich für ein Haus für Film und Medien in der Villa Berg. Und Professoren und Studierende der Hochschule für Technik, die sich auch in der Initiative Occupy Villa Berg engagiert haben, schlagen vor, die Villa im Originalzustand wieder aufzubauen und dafür dort eine Art internationale Bauwerkstatt mit Fachleuten aus der ganzen Welt einzurichten.

Die Fernsehstudios müssen abgerissen werden

Für die zuletzt genannte und auch für andere Nutzungsvarianten würden die ehemaligen Fernsehstudios im Park der Villa Berg benötigt. Allerdings ist im Kaufvertrag zwischen der Landeshauptstadt und der Gerch Development GmbH festgeschrieben, dass die Studios innerhalb von fünf Jahren abgerissen werden müssen. Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte bei der Veranstaltung in der Friedenau, dass er einer Zwischennutzung der Studios nicht im Wege stehen wolle. Vorher müsse geprüft werden, ob die Studios noch den geltenden Brandschutzbestimmungen entsprächen. Kuhn sagte allerdings auch, dass er nicht der Prügelknabe sein wolle, wenn eine eventuelle Zwischennutzung nach vier Jahren beendet werde, weil die Gebäude dann entsprechend dem Vertrag abgerissen werden müssten.




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