Ein beunruhigend breiter Riss zieht sich durch das Treppenhaus der Villa Butz bis hinauf ins Obergeschoss. Noch dramatischer sieht es im Keller aus. Im Gewölbe scheint das Gebäude die Fundamente förmlich zusammenzustauchen. Ein Treppengeländer ist stark verschoben. Diese Schäden im Baudenkmal Villa Butz sind nicht neu, doch noch warten die Verantwortlichen der Familienbildungsstätte und des Trägervereins darauf, dass die Stadt Göppingen, die das Gebäude vor vier Jahren von der Wilhelmshilfe kaufte, die Schäden beseitigt. Es gebe aber noch keine Aussage zur Sanierung – und kein Geld im Haushaltsplan, sagen sie.
Ein Statiker überprüft regelmäßig die Standfestigkeit des Gebäudes
„Der Statiker, der regelmäßig kommt, sagt, dass keine Gefahr besteht“, erklärt Barbara Hofgärtner, die Leiterin des Hauses der Familie. Sie berichtet aber, dass junge Eltern, die mit ihren Babys oder Kleinkindern ins Haus kommen, öfter besorgte Fragen stellen. Und Günter Roos, der ehrenamtliche Vorsitzende des Trägervereins der Villa Butz, ergänzt: „Mit jährlich 10 000 Besuchern ist das Haus hochfrequentiert.“ Dabei sei auch der äußere Eindruck und die Optik ein Thema. Und es gehe um ein Signal. Roos verhehlt nicht, dass ihm eine konsequente Strategie der Kommune für das Baudenkmal vorschwebt. „Wir würden uns ein Gesamtkonzept wünschen, wie es mit der Villa weitergeht, was energetisch und baulich zu tun ist.“ Das habe der Verein mehrfach angemahnt.
Barbara Hofgärtner und Günter Roos bestätigen, dass die Stadt zumindest die Schieflage des Hauses im Auge hat. An mehreren Stellen sind Überwachungsmarker an den Rissen angebracht. Die Pressestelle der Stadt erklärt: „Für die sichtbaren Risse im Mauerwerk sind Veränderungen im Baugrund und damit einhergehende Setzungen des Bauwerks verantwortlich“. Und zur Ursache: „Nach umfangreichen Untersuchungen durch spezialisierte Fachingenieure geht die Bauverwaltung davon aus, dass defekte Grundleitungen hierfür die Ursache sind. Diese Grundleitungen wurden inzwischen saniert. Das Setzungsverhalten des Gebäudes wird weiter überwacht, die Standsicherheit wird laufend überprüft.“
Die Stadt stellt auch die Reparatur in Aussicht. „Als nächster Schritt ist eine Sanierung der Risse geplant“, heißt es aus dem Dezernat von Baubürgermeisterin Eva Noller. Doch es dauert wohl noch ein bisschen. „Nach Abstimmung mit den Fachingenieuren soll dazu ein bestimmter Baufortschritt bei dem benachbarten Bauvorhaben der Wilhelmshilfe abgewartet werden, um erneute Schäden am Haus der Familie durch Erschütterung zu vermeiden. Anschließend kann ein Konzept für weitere Sanierungsmaßnahmen erstellt werden.“ Tatsächlich beschäftigt der anstehende Neubau der Wilhelmshilfe auch die Leitung des Hauses der Familie. Denn vor allem mit dem Abriss der angrenzenden Tiefgarage im Spätsommer werde auch der Lärmpegel steigen, sagt Barbara Hofgärtner zerknirscht. „Der Bau beeinträchtigt den Arbeitsalltag und das Kursleben“, so die Leiterin.
Bei den Kursgebühren sieht die Einrichtung keinen Spielraum mehr nach oben
Kontrovers diskutiert wurde auch die Gartenfrage: Zunächst sollte das neue Pflegeheim nämlich bis auf wenige Meter an die Villa heranrücken. Weil die Wilhelmshilfe ihr Projekt dann aber aus Kostengründen abspeckte, bleibt nun etwas mehr Freiraum östlich der Villa und die Hoffnung, einen zusammenhängenden Garten erhalten zu können. Die Bildungsstätte könnte eine Fläche von der Arbeitsagentur und eine von der Wilhelmshilfe dazupachten. Auch hier bleibt die Stadt vage. „Ein Konzept für die zukünftige Gartennutzung wird erstellt. Dazu sind wir in Gesprächen mit der Wilhelmshilfe.“
Nicht frei von Sorgen ist die Bildungsstätte auch finanziell. Bei den Kursgebühren sei man mit Familien als Klientel „am Ende der Fahnenstange“.
Das Haus der Familie ist auch in finanziell schwieriger Lage
Sorge
In einer öffentlichen Sitzung hatte die Sozialdezernentin Almut Cobet jüngst gesagt, die Familienbildungsstätte kalkuliere für 2024 mit einem ungedeckten Restaufwand von 145 000 Euro.
Korrektur
Dem widersprechen aber die Leiterin Barbara Hofgärtner und der Vorsitzende des Trägervereins des Hauses der Familie, Günter Roos. Tatsächlich seien in dieser Summe nicht die Zuschüsse des Regierungspräsidiums von bis zu 86 000 Euro berücksichtigt. Deshalb betrage das Minus 59 000 Euro. Gegenüber unserer Zeitung bestätigte die Stadt die korrigierten Zahlen. „Die Darstellung ist korrekt.“
Ursachen
Einig ist man sich über die Gründe: neben steigenden Personal- und Honorarkosten auch insbesondere die Mietnebenkosten sowie inflationsbedingt alle weiteren Kosten.
Gespräche
Zum Wunsch, den städtischen Zuschuss zu erhöhen, teilt das Rathaus mit, das müssten Gespräche zwischen dem Haus der Familie und den anderen Zuschussgebern zeigen. Diese würden zeitnah stattfinden. Der Gemeinderat müsse letztendlich eine Entscheidung treffen.