Villa in Stuttgart Bolz-Haus wird kein Gedenkort

In diesem Gebäude hat der württembergische Staatspräsident Eugen Bolz von 1932 bis zu seiner Verhaftung 1944 gewohnt. Foto: Lg/Zweygarth
In diesem Gebäude hat der württembergische Staatspräsident Eugen Bolz von 1932 bis zu seiner Verhaftung 1944 gewohnt. Foto: Lg/Zweygarth

Die Landesregierung hat entschieden, das leer stehende Wohnhaus des ehemaligen Staatspräsidenten am Killesberg nicht zu kaufen. Ein neues Gebäude an der Villa Reitzenstein soll aber künftig Eugen-Bolz-Haus heißen.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat jetzt entschieden, dass das Land das leer stehende ehemalige Wohnhaus von Eugen Bolz nicht erwerben wird. Damit dürfte die Idee einer Gedenkstätte für den ehemaligen Staatspräsidenten, bekennenden Katholik und Widerstandskämpfer Eugen Bolz (1881-1945) vom Tisch sein. Bolz wurde wegen seiner Beteiligung am Attentat am 20.  Juli 1944 auf Adolf Hitler in Berlin hingerichtet. Vielmehr wird das Gebäude mit der Adresse Am Kriegsbergturm 44 wohl in nächster Zeit abgerissen. Das Unternehmen Wohnbaustudio möchte auf dem 13 Ar großen Grundstück vier hochwertige Eigentumswohnungen errichten.

In Briefen an den katholischen Bischof Gebhard Fürst und an den früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel – beide hatten sich für eine Gedenkstätte eingesetzt – erläuterte Kretschmann seine Beweggründe. Vor allem sei das Gebäude nicht mehr authentisch und erinnere kaum noch an Bolz: „Zahlreiche Umbauten nach dem Zweiten Weltkrieg haben Charakter und Geist des Gebäudes unwiederbringlich verändert“, heißt es in dem Brief. Die Denkmalbehörden haben sich schon vor einigen Wochen ähnlich geäußert und sich dagegen ausgesprochen, das Haus unter Schutz zu stellen.

Fehlende Authentizität und hoher Preis als Hauptgründe

Daneben sprach aber auch der hohe Preis gegen einen Kauf. Wie man hört, sollten das Grundstück und das längere Zeit nicht mehr sanierte Haus 4,5 Millionen Euro kosten. Umbau und Ausstellung hätten weitere Kosten nach sich gezogen. Nicht zuletzt hatte die Landesregierung Zweifel, ob genügend Besucher in die Gedenkstätte an dem eher abgelegenen Ort kämen. Ministerpräsident Kretschmann formulierte das so: Man wisse zum Beispiel von der Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Alten Schloss oder dem Erzberger-Haus in Buttenhausen, „wie schwierig es bisweilen sein kann, eine angemessene und breite Aufmerksamkeit zu schaffen.“

Allerdings belässt es die Landesregierung nicht dabei, den Kauf des Wohnhauses abzulehnen. Bolz sei ohne jeden Zweifel eine herausragende Persönlichkeit der Weimarer Republik, und seine aufrechte Haltung, gerade in den Monaten vor seiner Hinrichtung, sei beispielhaft. Aus diesem Grund will Kretschmann das neue Gebäude des Staatsministeriums, das derzeit auf dem Areal der Villa Reitzenstein gebaut wird und das kurz vor dem Bezug steht, nach Eugen Bolz benennen. Von seinem Arbeitszimmer in der heutigen Bibliothek habe Bolz genau auf die Stelle geblickt, wo jetzt der Neubau entstehe. Dort war sowieso ein Besucherzentrum geplant, in das nun eine kleine Ausstellung zu Eugen Bolz integriert werden soll. Man sei bereits mit den Fachleuten im Gespräch, wie der Schriftzug am Gebäude und wie die Ausstellung aussehen könne.

Vier hochwertige Eigentumswohnungen sind geplant

Uwe Renz, Sprecher des Bischofs Gebhard Fürst, nahm die Nachricht mit Bedauern auf; in der Diözese Rottenburg-Stuttgart läuft derzeit ein Verfahren zur Seligsprechung Eugen Bolz’. Man habe aber angesichts der zu erwartenden hohen Kosten auch Verständnis für diese Entscheidung.

Alexander Schaber, einer der Geschäftsführer von Wohnbaustudio, war am Montag nicht zu erreichen; er hält sich gerade im Ausland auf. Seine Ansicht war aber bisher, dass er sein Bauprojekt am liebsten weiter verfolgen wolle. Ein Verkauf des Hauses hatte für ihn nicht Priorität.




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