Villa Reitzenstein in Stuttgart-Ost Kommissare können auch ganz anders

Von Elke Rutschmann 

Im Park der Villa Reitzenstein haben am Samstag die Darsteller der Soko Stuttgart andere Facetten von sich gezeigt. Dabei hatte Astrid M. Fünderich erst einmal Lampenfieber und Peter Ketnath entdeckte sein Wohnumfeld neu.

Benjamin Strecker alias Kommissar  Rico Sander (oben) erzählte schlechte Witze. Und Foto: Lg - Oliver Willikonsky
Benjamin Strecker alias Kommissar Rico Sander (oben) erzählte schlechte Witze. Und Foto: Lg - Oliver Willikonsky

S-Ost - Katja Wundersitz stand im Rosengarten der Villa Reitzenstein und war voll im Glück. Immer wieder scrollte sie die Bildergalerie in ihrem Smartphone rauf und runter, um die Selfies mit ihren beiden Lieblingsdarstellern der ZDF-Krimiserie SOKO Stuttgart zu bewundern. Peter Ketnath und Benjamin Strecker hatten sich Zeit dafür genommen, um ihrem Fan eine Freude zu machen. „Es war ein wunderschöner Zufall, dass ich heute in Stuttgart bin, denn meine Oma hat Geburtstag“, sagte Wundersitz. Die 17-Jährige lebt sonst in Berlin.

Normalerweise ist es nicht leicht, den Stars so nahe zu kommen – bei den Dreharbeiten in Stuttgart werden die Schauspieler oft abgeschirmt.

Was essen Models, wenn es schnell gehen muss?

Deshalb hatte die Produzentin Nicole Buck die Idee, ihr Ensemble doch mal in einem ganz anderen Ambiente und mit anderen Facetten auftreten zu lassen. Und so präsentierten sie sich ihrem Publikum am vergangenen Samstag unter dem Motto „Wir können auch anders“ zwei Stunden im Park der Villa Reitzenstein. Die TV-Ermittler begaben sich dabei auf eine spannende Spurensuche zu anderen in ihnen schlummernden Talenten.

Benjamin Strecker, der im Film den nerdigen Kriminalkommissar Rico Sander verkörpert, setzte sich dafür buchstäblich Hörner auf. Mit selbiger Wikingermütze auf dem Kopf streifte er durch das Gelände, um immer wieder neue Mitspieler für sein Spiel der sieben schlechtesten Witze zu finden. Verzogen die Zuhörer bei Kalauern wie „Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? (Sie sind Insekten)“ oder „Was essen Models, wenn es schnell gehen muss? (Laufsteak)“ keine Miene, bekamen sie einen Schokokeks; mussten sie schmunzeln, wanderte ein Euro ins Sparschwein. Am Ende erspielte Sander 317 Euro, verdoppelte die Summe und spendete den Betrag ans Kinderhospiz.

Ketnath wohnt gleich um die Ecke

Rezitieren, wo andere regieren – an diesen Slogan hielt sich auch Karl Kranzkowski, der im TV-Leben den Kriminaldirektor Kaiser gibt und ein Gedicht von Sergei Wladimirowitsch Michalkow „Der Hase im Rausch“ interpretierte, der zudem auch die sowjetische Hymne verfasst hat. Die Klassiker gehen natürlich immer. Vor allem Erich Kästner, dem Mike Zaka Sommerfeldt (Kriminaltechniker Jan Arnaud) ein eigenes Programm widmete. Bei Kästners „Vom Verlust der Liebe und dem Wiederfinden der Kindheit“ nahm der Mime zum einen die dauerbeschützenden Helikopter-Eltern der Neuzeit auf die Schippe, die den „Erstklässlern gleich auch noch ein Handy in die Zuckertüte stecken“ – und transportierte gleichzeitig die Botschaft des Autors, für den seine Kindheit dadurch geprägt war, dass Probleme stets lösbar waren.

Peter Ketnath, der sonst in seiner Rolle als frauenbetörender und auf einem Hausboot lebender Kriminalhauptkommissar Jo Stoll gefällt, hatte sich Germania von Tacitus und Karl Valentin ausgesucht, der ihm als gebürtiger Münchner sehr viel Spaß machte. „Ich wohne eigentlich um die Ecke und war zum ersten Mal hier“, sagte Ketnath. Er schätzt es, dass die grüne Oase auf der Gänsheide inzwischen an 14 Samstagen im Jahr für alle Bürger geöffnet ist.

Thaddäus Troll und Wilhelm Busch

Mehr als 600 Leute waren am Samstag vor Ort und konnten sich erneut davon überzeugen, dass der Schwabe des Hochdeutschen wohl nie wirklich mächtig werden wird. Zumindest wenn man der Performance von Christian Pätzold alias Friedemann Sonntag, Leiter der Asservatenkammer, lauschte, der mit Inbrunst und tiefem Timbre „Oh Heimatland“ von Thaddäus Troll präsentierte. Wahrlich ein Genuss für Hardcore-Schwaben.

Astrid M. Fünderich saß derweil entspannt mit anderen Zuschauern auf dem Rasen und freute sich über die humorvolle Wilhelm-Busch-Darbietung der Kollegin Eva Maria Bayerwaltes. Sie selbst hatte ihren Auftritt hinter sich. Die sonst eher nüchtern ermittelnde SOKO-Chefin Martina Seiffert wagte sich am Lindenplatz mit der bühnenerprobten Rampensau „Schrotti“ Michael Gaedt an ein Medley aus Popsongs und Evergreens. „Ich hatte totales Lampenfieber“, sagte Fünderich. Und prompt habe sie sich bei einem Song von Jonny Cash „versungen“. Besser klappte es bei John Denvers „Leaving on a Jetplane“. „Deshalb habe ich einen Höllenrespekt vor jeder Performance“, sagte sie. Aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall.

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