Villingen-Schwenningen Pegida macht sich im Schwarzwald breit

Von SIR/dpa 

Villingen-Schwenningen wird unfreiwillig zur Hochburg von Pegida im Südwesten. Die Stadt möchte die Bewegung wieder loswerden. Doch diese plant, länger zu bleiben. Die Unruhe in der Stadt wächst.

In Villingen-Schwenningen kommt es am Sonntag bereits zum fünften Pegida-Aufmarsch. Foto: dpa
In Villingen-Schwenningen kommt es am Sonntag bereits zum fünften Pegida-Aufmarsch. Foto: dpa

Villingen-Schwenningen - Es ist ein wiederkehrendes Ritual, auf das die Stadt und viele ihrer Bürger gerne verzichten würden: Pegida marschiert in Villingen-Schwenningen auf, Gegendemonstranten stellen sich in den Weg. Vor zweieinhalb Monaten hat alles angefangen, seither versetzt Pegida die 81.000 Einwohner zählende Stadt im Schwarzwald in einen regelmäßigen Ausnahmezustand. Ein Ende ist nicht in Sicht: Am Sonntag (29. März) ruft die rechtsgerichtete Gruppierung zu ihrer fünften Kundgebung auf.

Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) hat kein Verständnis für Pegida in seiner Stadt: „Ich hoffe, dass dieser Spuk bald ein Ende hat.“ Villingen-Schwenningen war im Januar der erste Ort in Baden- Württemberg, in dem sich die islamkritische Bewegung auf die Straße traute. Karlsruhe ist mittlerweile dazu gekommen. Ansonsten spielt die Bewegung im Südwesten keine Rolle. Doch auch in Villingen- Schwenningen und Karlsruhe ist sie von einer Massenbewegung weit entfernt. Die Gegner sind klar in der Überzahl.

In Villingen-Schwenningen, das wird nun deutlich, plant Pegida mehr als nur ein kurzes Gastspiel. Und sorgt damit für Unruhe. Im Schnitt kommen nach Angaben von Polizei und Stadtverwaltung 50 bis 80 Menschen zur Kundgebung. Weil sich in direkter Nähe die Antifa in gleicher Zahl zur Gegendemo versammelt, fährt die Polizei jedes Mal mit einem Großaufgebot in die Stadt, um beide Gruppen zu trennen.

Hinzu kam bislang, mit räumlichem Abstand, eine größere Anti-Pegida- Demonstration mit mehreren hundert Teilnehmern aus dem bürgerlichen Lager. Bislang ist es zwar stets friedlich geblieben, doch die Stadt ist durch Pegida und das große Polizeiaufgebot in Unruhe geraten. Und gut fürs Image sind regelmäßige Pegida-Kundgebungen auch nicht.

„Wir haben keine Möglichkeit, dies zu verhindern“, sagt der Oberbürgermeister. „Wir müssen es über uns ergehen lassen.“ Pegida kündigt für Villingen-Schwenningen auch für die Zukunft Kundgebungen an. Und tritt dabei zunehmend selbstbewusst auf. Auf Transparenten, in Reden und im Internet verbreitet die Bewegung offen rechtsextremes und nationalistisches Gedankengut, ohne damit jedoch mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Die Parolen richten sich gegen eine Islamisierung des Abendlandes, gegen Ausländer, gegen die etablierte Politik, gegen Medien. Die Gruppe nennt sich sbh-gida. Das Kürzel steht für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Die Teilnehmer kommen überwiegend von außerhalb

Wer genau dahinter steht, bleibt im Dunkeln. Ebenso, wieso gerade Villingen-Schwenningen als Schauplatz gewählt wird. Die Teilnehmer, meldet die Polizei, kommen nicht aus der Stadt, sondern überwiegend von außerhalb. Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) hat sich von den Aufmärschen distanziert. Sie sind ihnen zu radikal. Weil sie Ausschreitungen befürchtet, setzt die Polizei auch weiterhin auf starke Präsenz. Die gegnerischen Gruppen müssen auf Distanz gehalten werden, so ein Sprecher. Sonst drohe Gewalt.

„Für eine offene Stadt, wie wir es sind, sind diese Aufmärsche eine Provokation“, sagt einer der Organisator der großen Gegendemo, Pascal Pestre. Villingen-Schwenningen stehe geschlossen gegen Pegida und werde dies auch künftig tun. Nachdem Pegida zunächst montagabends auf die Straße ging, finden die Kundgebungen nun immer am Sonntag statt. Nicht nur bei Kirchen stößt dies auf Unverständnis.

Die Pegida-Organisatoren äußern sich gegenüber Medien und anderen nicht, Fragen werden nicht beantwortet. Auf den traditionsreichen Villinger Münsterplatz, wie ursprünglich geplant, dürfen sie diesmal nicht. Denn dort ist am Palmsonntag, einem wichtigen Fest der katholischen Kirche, kein Platz für sie. Als Ausweichstandort wird nun ein Platz in Schwenningen genutzt. Die Polizei sowie Gegendemonstranten werden auch dort mit dabei sein. Ruhiger als bisher wird es wohl am neuen Platz auch nicht zugehen.