Ob Skyr-Käsekuchen oder Skyr mit Energydrink – Rezepte rund um das cremige Milchprodukt liegen in den Sozialen Medien im Trend. Die gestiegene Nachfrage zeigt sich auch in Stuttgart.

Volontäre: Valentin Schwarz (vas)

So richtig verstehen könne sie es nicht, sagt Miriam Heim. „Skyr gibt es ja schon lang“, fügt die Mitarbeiterin der Kaufland-Filiale in Stuttgart-Vaihingen hinzu. Und doch hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten ein ausgewachsener Social-Media-Hype um das quarkähnliche Milcherzeugnis entwickelt. Rezepte mit Skyr als Hauptzutat liegen auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram schwer im Trend. Beispiele gefällig? Ein ungebackener Skyr-Käsekuchen oder der „Skyr-Energy-Mix“, eine Mischung aus Skyr und – kein Witz – Energydrink.

 

Materielle Folge des viralen Phänomens sind leergeräumte Regale in den Supermärkten, wie Schlagzeilen aus ganz Deutschland verkünden. „Wir sind auf jeden Fall auch davon betroffen“, sagt Heim, die in Vaihingen die Abteilung für Milchprodukte leitet.

Skyr-Lieferungen bei Supermärkten in Stuttgart unzuverlässig

Die Kaufland-eigene Skyr-Linie habe sie derzeit überhaupt nicht mehr im Angebot, so Heim weiter. Lediglich die Bio-Variante sei noch verfügbar, ebenso wie die Produkte der Marke Andechser. „Aber auch da gibt es nicht arg viele“, sagt Heim. Außerdem erzählt sie von einem Lieferengpass bei Arla, einem der Marktführer, wenn es um Skyr geht. Die explosionsartig gewachsene Nachfrage übersteige die eigenen Produktionskapazitäten, heißt es von der dänisch-schwedischen Molkereigenossenschaft. „Wenn ich bestelle, kommt halt nichts“, schildert Heim die Konsequenzen.

Ähnlich hört es sich auch bei anderen Stuttgarter Supermärkten an. Die Auswirkungen des Social-Media-Trends seien bei ihnen deutlich zu spüren, sagt beispielsweise eine Mitarbeiterin des Rewe-Markts am Rotebühlplatz. Das Resultat: „Skyr ist gerade nicht lieferbar.“ Eine Unternehmenskollegin aus der Rewe-Filiale am Ostendplatz spricht hier von wöchentlich wechselnden Wellen: „Mal kommt Skyr, mal nicht.“

Die Rewe-Zentrale der Region Südwest bestätigt auf Anfrage, die erhöhte Nachfrage könne „vereinzelt zu Einschränkungen bei einzelnen Marken“ führen. Mit generellen Engpässen sei allerdings nicht zu rechnen. Außerdem wolle man auf die Situation reagieren, heißt es in der Antwort etwas schwammig.

Lidl kündigt Skyr-Eimer an

Konkreter wird die Konkurrenz von Lidl. „Wir beobachten solche Social-Media-Trends sehr genau, um unsere Warensteuerung dahingehend zu optimieren“, teilt ein Sprecher aus der Bundeszentrale des Discounters mit. So werde das Lidl-Sortiment in den kommenden Wochen um neue Produkte erweitert, darunter Skyr im Ein-Kilogramm-Eimer.

Etwas überraschend kommt derweil die Rückmeldung eines Mitarbeiters aus dem Edeka Weckert in der Rosensteinstraße im Stuttgarter Norden. „Gut & Günstig, Arla – wir haben eigentlich alles da“, sagt er nach einem Blick auf das Skyr-Sortiment. „Die Regale sind voll.“

Quark als Alternative zu Skyr

Dennoch: Die Skyr-Welle ist allem Anschein nach auch nach Stuttgart geschwappt. Insbesondere bei Kraftsportlern steht das ursprünglich aus Island stammende Milchprodukt schon seit Jahren hoch im Kurs. In Deutschland lebensmittelrechtlich als Frischkäse eingestuft, zeichnet sich Skyr vor allem durch seinen hohen Proteingehalt aus. Bei den gängigen Supermarkt-Varianten bestehen in der Regel 10 von 100 Gramm aus Eiweiß – deutlich mehr als etwa bei einem Naturjoghurt.

Fans der viralen Skyr-Rezepte heben außerdem den geringen Fettanteil und die cremige Konsistenz hervor. Wobei sich ein ähnlicher Effekt oft auch mit anderen Milchprodukten erzielen lasse, meint Miriam Heim aus der Kaufland-Filiale in Vaihingen. Ihre Empfehlung bei Skyr-Engpässen: „Ich kann als Alternative für die Rezepte immer noch Quark verwenden.“