Virtuelle Fasnet in Böblingen DJ Danny feiert närrisch am Computer
Jeden Samstag lädt Daniel Oberländer zur virtuellen Fasnet auf der Online-Plattform Twitch ein und sammelt Spenden für den „Kindheitstraum e.V.“ Stuttgart.
Jeden Samstag lädt Daniel Oberländer zur virtuellen Fasnet auf der Online-Plattform Twitch ein und sammelt Spenden für den „Kindheitstraum e.V.“ Stuttgart.
Böblingen - Schon das zweite Jahr in Folge ist die Fasnet im Schwabenland der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Keine Umzüge, keine Abendveranstaltungen, kein närrisches Treiben und schon gar kein fröhliches Feiern. Oder etwa doch?
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Daniel Oberländer ist schon lange bei der Freien Narrenzunft (FNZ) Beblenga aktiv und weigert sich, vor der tristen Pandemie-Stimmung zu kapitulieren. Jeden Samstag lädt er als „DJ Danny“ auf der Online-Plattform Twitch zu einer virtuellen Fasnetsparty ein, durch die man zumindest von zu Hause aus ein bisschen feiern kann.
Wer dem Link folgt, wird zu einem Live-Stream geleitet. Dort ist Daniel Oberländer zu sehen, wie er umringt von blitzenden und blinkenden Lichtern einen Fasnets-Klassiker nach dem anderen auflegt. Gestreamt wird aus den vier Wänden seiner Firma BC-Bass-Control, die normalerweise für Veranstaltungstechnik und Sicherheitsdienst-Service zuständig ist.
Zwischen 30 und 40 Partygäste schalten sich im Laufe der ersten Stunde dazu. Einige davon gehören offensichtlich schon zum Stammpublikum, denn die virtuelle Veranstaltungsreihe läuft bereits seit dem 6. Januar. Neben dem Video finden die User auf Twitch auch einen Chat, wo sie die Möglichkeit haben, mit Daniel Oberländer aka DJ Danny zu kommunizieren. „Endlich wieder Samstag“ schreibt „eggi112“ und „jokobuble“ bittet darum, der DJ möge doch seine Mutter grüßen, die ebenfalls von zu Hause aus mitfeiert. Obwohl niemand seinen richtigen Namen verwendet, scheint Daniel Oberländer genau zu wissen, wer sich hinter den Spitznamen verbirgt. Regelmäßig wirft er einen Blick auf die Nachrichten, begrüßt jeden User persönlich und lässt keinen Wunsch offen.
Wer Daniel Oberländer an seinem Mischpult beobachtet, merkt sofort, dass der 40-Jährige durchaus Erfahrung im Streamen hat. Kein Wunder, denn die Idee zu dem Format kam dem Firmen-Chef bereits im vergangenen Jahr. „Ich wollte einen kleinen Ausgleich für die Vereine anbieten, die eigentlich Veranstaltungen geplant hatten“, sagt er. Das Format sieht nämlich vor, zu jeder Party andere Narrenzünfte der Umgebung als Gäste einzuladen, die ebenfalls am Pult ein bisschen Stimmung machen und sich präsentieren dürfen. Oberländer: „Dadurch wechselt auch das Publikum jedes Mal ein bisschen.“
Die „Häs“, wie man die Masken und die Verkleidung der Narren im Fachjargon nennt, sind im Hintergrund des DJ-Pults ausgestellt. Diesmal sind es „Henne“ und „Brodi“ von den Böblinger Wasserbuggl Hexa und der FNZ Ehningen, die die Ehre haben, DJ Danny am Mischpult abzulösen. Beide Gäste sind, was das Streamen angeht, keine unbekannten Gesichter. Im vergangenen Jahr hatten sie nämlich das Format „FaschdFasnet“ ins Leben gerufen, wo nicht nur gefeiert werden konnte, sondern auch Spenden für den Förderverein für krebskranke Kinder in Tübingen gesammelt wurden.
Eigentlich hatten Brodi und Henne nach eigener Aussage nicht vor, auch in diesem Jahr wieder vor der Kamera zu stehen. Doch die Einladung von Daniel Oberländer konnte und wollte das Duo nicht ablehnen. Denn auch bei der virtuellen Fasnet von Bass-Control werden in diesem Jahr Spenden gesammelt, und zwar für den Verein Kindheitstraum Stuttgart e.V.
Gespendet werden kann ganz einfach ebenfalls über den Stream. Jedes Mal, wenn eine Summe Geld eingeht, wird der Nickname des Spenders live verkündet. Je nach Höhe der Spende bekommen die User auch eine kleine Belohnung. Für fünf Euro dürfen sie dem DJ dabei zusehen, wie er einen „Kurzen“ trinkt, für zehn Euro gibt es zusätzlich noch einen Musikwunsch obendrauf. „Stand jetzt sind es über 700 Euro“, sagt Daniel Oberländer stolz. Und da das Format erst am 2. März endet, ist sogar noch ein bisschen Zeit, um die Summe zu erhöhen. Doch keine Sorge – trotz der feuchtfröhlichen Spendenanreize achtet Daniel Oberländer darauf, dass am Ende des Abends niemand mit einer Alkoholvergiftung unterm Tisch liegt: „Ich mache das ja im Namen meiner eigenen Firma, also bleibt alles im Rahmen.“
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Nichtsdestotrotz haben der Veranstalter, die Besucher und die närrischen Gäste sichtlich Spaß bei der Sache. Eins ist allerdings auch klar: Ganz ersetzen kann die virtuelle Fasnet das Original dann doch nicht. „Viele sagen, bei der Fasnet würde es nur ums Saufen gehen“, sagt Daniel Oberländer. „Und klar, ein bisschen was zu trinken gehört sicher dazu. Aber im Vordergrund steht der Spaß mit Freunden und anderen Vereinen - und das fehlt uns allen jetzt seit zwei Jahren wirklich sehr.“