Virtuelle Reisen in Corona-Zeiten: Kurztrip in den Shop des MoMA

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Wie man trotz Reisebeschränkung einfach mal durch die Welt bummeln und in den Museen rund um den Globus vorbei schauen kann.

Die Puppe Namji Foto: privat
Die Puppe Namji Foto: privat

Stuttgart - Eine richtige Reisetante ist Dorothee K., die ihren ganzen Namen nicht so gerne in der Zeitung lesen möchte. Ihre Freundinnen wissen es schon lange: Verabredungen mit ihr müssen genau getimt werden, denn sie ist in jeder freien Minute unterwegs, mal in der Nähe in der Pfalz oder den Vogesen, mal weit weg bei der Azaleenblüte in Portugal, auf einem kunsthistorischen Architektur-Trip in Dubrovnik oder zwischendurch in den USA als Babysitter fürs Enkelkind. Jetzt sitzt sie sie zu Hause: Stay home! Wegen Corona.

Die Puppe im Paket

Aber in diesen Wochen spaziert sie trotzdem ausdauernd durch die Welt und hat sich sogar ein Souvenir von einer ihrer letzten Stippvisiten mitgebracht: das Püppchen Namji aus Kamerun. Die Holzfigur kam kürzlich wie Jim Knopf in einem Paket zu ihr an den Neckar nach Stuttgart. Gestartet ist Namji gut verpackt in Brüssel, genauer im dortigen Königlichen Museum für Zentralafrika. „Letztes Jahr war ich dort, aber das Museum war wegen Renovierungsarbeiten geschlossen“, berichtet sie, und weil sie neugierig war, wie es jetzt aussieht, machte sie einen virtuellen Besuch und ging auch gleich noch in den Museumsshop. Das hatte Folgen. Die erste und vielleicht harmloseste ist Namji, der jetzt im Regal sitzt und übrigens erst nach eingehender E-Mail-Kaufberatung durch eine Shop-Mitarbeiterin von ihr ausgewählt wurde.

Bummeln in den Museumsshops

Der Deal hatte es in sich, denn inzwischen kennt sich Dorothee K. weltweit in den Museumsshops aus: Shop-Surfing und manchmal auch Surf-Shopping betreibt sie leidenschaftlich und kommt ins Schwärmen. Bei Vitra in Weil am Rhein hat sie sich dieser Tage bei den Geschenken für Kinder und Designminiaturen umgesehen. Unwiderstehlich ist der Online-Shop des Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Vom Skateboard-Tryptychon eines Keith Haring bis zur Spülbürste fehlt nichts, was man nicht gerne hätte. Und im Tate Modern Shop in London geht der Kunstfreundin das Herz auf: Drucke von Lichtenstein oder Kandinsky, eine Kürbisskulptur von Yayoi Kusama bis zum Zedernholz-Raumduft. Im Amsterdamer Van-Gogh-Museum würde es den Reisekoffer einer bewährten Marke mit Sonnenblumenmotiv geben, denn die nächste Reise ist vorhersehbar, sobald das Virus dies wieder zulässt: „Ich bummle gerne mit Google Maps durch Städte, die ich nicht kenne“, gesteht sie schmunzelnd. „Auf der linken Bildschirmseite erscheinen Fotos von Menschen, die schon da waren. Die schaue ich mir an, keine Stadtpläne.“ So hat sie sich in Kyoto verliebt. Die Reiseroute ist schon festgelegt.