Virtueller Blick in Böblinger Musikschule Mit den Musikdetektiven auf Entdeckertour

Virtueller Blick in die Böblinger Musik- und Kunstschule: Das Detektiv-Duo Viola und Oktavius erkundet in einer Reihe von Video-Clips die Unterrichtsangebote. Foto: YouTube/Musikschule Böblingen

Jedes Jahr öffnet die Kunst- und Musikschule Böblingen für einen Tag ihre Tore, um Kindern einen kleinen Einblick in die Welt der Kunst und Melodien zu geben. So auch in diesem Jahr - allerdings nur virtuell. So konnten die Kids die Instrumente zwar nicht selbst ausprobieren, doch durch Video-Clips und Webcam-Gespräche wurde zumindest die Neugier entfacht.

BÖBLINGEN - Eigentlich müsse es dieses Jahr eher „Tag der geschlossenen Tür heißen“, scherzt Böblingens Musikschulleiter Rainer Kropf. Wegen der Corona-Pandemie herrscht in der Kunst- und Musikschule seit Monaten Stille, der Unterricht findet nur noch online statt. Einen Tag der offenen Tür vor Ort zu veranstalten, ist so natürlich auch nicht möglich. Trotzdem steht Rainer Kropf vor dem Musikschulen-Gebäude und öffnet mit breitem Grinsen schwungvoll die Türen. Rund 100 Besucher folgen ihm an diesem Samstagvormittag – wenn auch nur virtuell in einer Zoom-Konferenz.

 

Jeder Fachbereich hat sich große Mühe gegeben, um das Beste aus der ungewöhnlichen Situation herauszuholen und sein Angebot so gut wie möglich zu präsentieren. „Wir haben viel geübt für den heutigen Tag“, erzählt Rainer Kropf. „Aber nicht wie gewohnt an den Instrumenten, sondern an Zoom.“

Insgesamt hat das Technik-Team 21 so genannte „Breakout-Räume“ vorbereitet. Damit sind virtuelle Sprechzimmer gemeint, in denen die Abteilungen im Zehn-Minuten-Takt ihre Instrumente oder Kunst präsentieren. „Sollte einem etwas gefallen, kann man sich jederzeit unverbindlich im Sekretariat anmelden, wo auch Fragen beantwortet werden“, erklärt Rainer Kropf den Ablauf. Jede Abteilung hatte außerdem ein kleines Rätsel parat – lösen die Kinder die Rätsel, können sie sich zusätzlich eine Urkunde im Sekretariat abholen.

Begleitet werden die Kinder auf ihrer virtuellen Tour von Viola und Oktavius. Die animierten Musik- und Kunstdetektive stellen in jedem Raum stellvertretend für die Kinder eine Menge Fragen. So verfolgen Viola und Oktavius beispielsweise eine gelegte Spur aus Instrumententeilen, die in den Fachbereich Klavier führen. Dort präsentiert die Fachbereichsleiterin Senta Eisenbacher mit Unterstützung von Tanja Eichmann das Innenleben eines Konzertflügels, das zur Überraschung einiger Kinder wie eine Gitarre oder Geige aus Saiten besteht. „Ein Flügel hat sehr lange Saiten, auch wenn wir das Instrument auf Tasten spielen“, erklärt Senta Eisenbacher. Im Duett geben die beiden Pianistinnen ein paar Kostproben auf dem Instrument und zeigen die Bandbreite des Klaviers von der Klassik bis zur Moderne.

Während das Klavier allerdings vor allem für die Kinder eine Option ist, die auch Zugang zu einem Instrument Zuhause haben, kann man sich andere Instrumente auch zum Schnuppern von der Musikschule ausleihen. So zum Beispiel die Gitarre, die Klassenlehrer Micha Schlüter vorstellt. „Das Schöne an der Gitarre ist, dass sie vielfach einsetzbar ist: Man kann streichen, zupfen, schlagen oder begleiten – sogar im Ensemble kann man Gitarre spielen“, schwärmt er. Kein Wunder, dass der Gitarren-Raum regelmäßig voller wird.

Besonders großer Andrang herrscht auch im Fachbereich Theater. Dort zeigt Leiterin Prisca Maier-Nieden, in wie viele Gegenstände sich ein Kochlöffel verwandeln kann, wenn man nur die nötige Fantasie besitzt. Ein Zauberstab, eine Gitarre, Flügel oder eine Flöte – im Theater ist nichts unmöglich, wenn man sich nur traut. Mit einer kurzen Lichtshow demonstriert der Fachbereich außerdem, was die Scheinwerfer alles können und zwei Darstellerinnen präsentieren pantomimisch die Kostümauswahl, die der Fundus bereithält.

Ebenfalls viele Zuschauer zieht der Fachbereich Kunst an, wo die Zuschauer virtuell die einzelnen Räumlichkeiten in der Eduard-Mörike-Grundschule kennenlernen. Neben den zwei großen Atelierräumen, der Tonwerkstatt und dem Materialraum stellt Abteilungsleiterin Susann Wanner hier unter anderem eine Malmaschine vor und lässt die Kinder selbst Vorschläge machen, was man alles damit anstellen könnte.

Eine Mitmachmöglichkeit bietet auch die Abteilung „Tanz“ an, wo Louise Mayer extra eine kleine Choreographie für die Kinder vorbereitet hat. Die quirlige Tanzlehrerin macht die Schritte vor und plötzlich sieht man nur noch hüpfende Kinder hinter den Bildschirmen. Auch hier füllt sich der Breakout-Raum nach und nach immer mehr, vor allem die Mädchen zeigen sich vom Tanzangebot begeistert.

Nach gut anderthalb Stunden neigt sich der virtuelle Tag der offenen Tür schließlich dem Ende zu. Stille senkt sich wieder über die Gebäude der Kunst- und Musikschule, die sich hoffentlich bald wieder mit neuem Leben füllen dürfen. Rainer Kropf ist mit dem Ergebnis des ungewohnten Formats sehr zufrieden. „Was ich gesehen habe, hat gezeigt, dass die Grundidee absolut aufgegangen ist“, lobt er. „Die Corona-Pandemie bringt uns an unsere Grenzen, aber wir machen das Beste daraus.“ Natürlich sei es zwar schade, dass die Kinder die Instrumente nicht selbst ausprobieren konnten. „Aber Lust drauf machen, geht auch online und das ist uns absolut gelungen.“

Weitere Themen