Virtueller Parkschein SMS-Parken ist ein Ladenhüter

Eine SMS genügt – aber braucht es den virtuellen Parkschein wirklich? Foto: factum
Eine SMS genügt – aber braucht es den virtuellen Parkschein wirklich? Foto: factum

Vaihingen und Ditzingen waren die ersten Städte in der Region, die den Parkschein per Handy anboten. Mittlerweile sind sie offenbar die letzten, die sich damit noch befassen.

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)
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Kreis Ludwigsburg - Modern, multimedial, Nutzerfreundlich – die Attribute, mit denen für den Parkschein per SMS geworben wird lassen sich unter dem Adjektiv „zeitgemäß“ subsumieren. Ditzingen und Vaihingen/Enz waren die beiden ersten Stadtverwaltungen, die einen Testlauf wagten. Die Verwaltungen ziehen mittlerweile eine positive Zwischenbilanz. Dennoch scheint das Trend-Thema „Handy statt Parkschein“ klammheimlich aus der Mode gekommen zu sein.

Die Idee dahinter ist simpel. Wer in der Innenstadt oder am Bahnhof (Ditzingen) parkt, aber kein Kleingeld hat, kann statt dem Geldbeutel auch das Handy zücken. Ein Anruf oder eine Kurzmitteilung (SMS) mit einem Parkzonen-Code und dem eigenen Autokennzeichen genügt – fertig ist das virtuelle Ticket, dessen Zeche per Handyrechnung bezahlt wird. Pro Ticket fallen meist noch Gebühren zwischen zehn und 20 Cent an. Wenn hinter der Windschutzscheibe kein Parkschein liegt, gibt’s nicht gleich ein Knöllchen. Stattdessen prüfen die Kontrolleure online, ob für das jeweilige Kennzeichen ein Ticket bezahlt wurde.

Die Ersten werden die Letzten sein

Die ersten, also Ditzingen (seit Sommer 2010) und Vaihingen (seit Sommer 2011), scheinen gleichzeitig die letzten Kommunen zu sein, die sich ernsthaft mit diesem Angebot befassen. Auf den Webseiten der Anbieter, für die teilnehmende Kommunen Aushängeschilder sind, stagniert die Zahl der Werbeträger zusehends. Und auf keiner der Werbeplattformen taucht ein neuer Name einer Stadt oder Gemeinde aus der Region Stuttgart auf.

Ist die Idee des SMS-Parkscheins womöglich nicht mehr zeitgemäß? Doch, finden die Verwaltungen in Vaihingen und Ditzingen – wenngleich aus teilweise unterschiedlichen Gründen. Zwar gleichen sich die Wortlaute der Erklärungen aus den beiden Rathäusern fast bis aufs Wort. Ein „zusätzlicher und moderner Service für unsere Kunden“, sei das SMS-Angebot. Dennoch zieht Ditzingen auch eine positive Bilanz, weil das Bezahlsystem die Stadt vergleichsweise wenig kostet. Monatlich werde das Modell nur von 20 bis 30 Bürgern genutzt. Da die Stadt nur in diesen Fällen 13 Prozent vom Ticketpreis an den Dienstleister abgibt, hielten sich die Kosten sehr im Rahmen, teilt der Ditzinger Pressesprecher Guido Braun mit.

Teurer, aber erfolgreicher?

Anders sieht’s in Vaihingen aus. Hier wird im Rathaus genau umgekehrt argumentiert. Das SMS-Parken kommt die Stadt vergleichsweise teuer: 2000 Euro einmalige Anschlussgebühr, 110 Euro monatliche Grundgebühr plus 13,5 Prozent der Ticketeinnahmen – ein halber Prozentpunkt teurer als in Ditzingen, wo der Anbieter gar keine Grund- oder Anschlussgebühr verlangt hat. Doch der laut der Vaihinger Rathaussprecherin Martina Fischer „innovative Zusatzservice, der einfach und spontan genutzt werden kann“, sei aus Sicht der Stadt sein Geld wert. Denn die Nutzerrate steige ständig, im Juni hätten rund 800 Bürger und Besucher ihren Parkplatz per virtuellem Ticket bezahlt. Im Schnitt dürfte die Stadt daher gut 200 Euro monatlich für den Service bezahlen.

Von Geldverschwendung mag in anderen Städten und Gemeinden zwar niemand sprechen. Die Fakten sprechen allerdings ebenfalls eine deutliche Sprache. Weder beim Ludwigsburger Parkkonzept für die Oststadt noch für die Gebührenregelungen im Stuttgarter Westen kam das SMS-Parken zum Zuge. Offiziell teilt die Stadt Stuttgart mit, sie „beobachte die Entwicklung andernorts mit großem Interesse“ – und das schon seit mehr als zwei Jahren. Einzig Martin Staab, Erster Bürgermeister von Waiblingen, hat es schon vor geraumer Zeit ziemlich direkt ausgedrückt. Die Vorteile des SMS-Parkscheins stünden „in keinem Verhältnis zu den Investitions- und Betriebskosten“.




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