Vision für die Filderebene Filderstudie stößt auf teils heftige Kritik

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Die Region rund um den Stuttgarter Flughafen wird sich wandeln. Unternehmen drängen auf die Filderebene, der Wohnraum wird knapper, die Mieten steigen, die Staus werden länger. Und alle schielen auf die landwirtschaftlichen Flächen. Gibt es einen Ausweg?

Wohnen, Arbeiten, Flughafen, Landwirtschaft, Naherholung – auf der Filderebene treffen Welten aufeinander. Foto: oben: dpa,SDMG,LG/Rettig, dpa. unten: dpa,SDMG, M. Klein, S.Reiher
Wohnen, Arbeiten, Flughafen, Landwirtschaft, Naherholung – auf der Filderebene treffen Welten aufeinander. Foto: oben: dpa,SDMG,LG/Rettig, dpa. unten: dpa,SDMG, M. Klein, S.Reiher

Filder - Eine Speisekarte sollte sie sein, aus der man sich das Beste herauspicken kann. Ein steiler Vergleich war das, den Detlef Kron, der Chef des Stuttgarter Stadtplanungsamts, da etwas glücklos zog. Vielen verdarb es nämlich, um im Feld der Kulinarik zu bleiben, bei der Vorstellung der Filderstudie wohl eher den Magen. In der Expertise geht es darum, wie die Filderebene in 20, 30 Jahren aussehen könnte. Denn ein Bauboom wird mit großer Wahrscheinlichkeit über die Region schwappen. Und das schmeckt natürlich nicht jedem.

Am vergangenen Montag wurde die Filderstudie erstmals in ganz großer Runde vorgestellt und zur politischen Diskussion gestellt. Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt, Neuhausen und Ostfildern werden noch folgen. Den Beginn machten die Stuttgarter Filderbezirke Vaihingen, Möhringen, Plieningen und Birkach. Die Hälfte der mehr als 100 Teilnehmer waren Lokalpolitiker aus diesen Bezirken, die andere Hälfte Zuhörer, die wissen wollten, was da auf sie zukommen könnte.

Das Wachstum kann ein Fluch oder ein Segen sein

Denn eines steht fest: Die Frage ist nicht, ob Straßen, Wohnungen und Bürogebäude gebaut werden, sondern wo und wie. Spätestens mit der Fertigstellung des S21-Bahnhofs am Flughafen sowie der Verlängerung der Stadtbahn U6 zum Flughafen und der S-Bahn nach Neuhausen wird eine herausragende Mobilitätsdrehscheibe im Herzen der Filder entstehen. Das kann ein Fluch sein, wenn man die Region so bewahren will, wie sie ist oder einmal war. Das kann ein Segen sein, denn es bietet die Möglichkeit, den Wandel zu gestalten und verträgliche Grenzen für das Wachstum festzulegen, statt in ihm zu ersticken. So oder so werden die Städte rund um den Flughafen aber gezwungen, zusammenzuarbeiten, um nicht in einen kommunalen Wettstreit um Gewerbesteuer, Einwohner und verursachte Pendlerströme zu geraten.

Die Planer des Büros AS+P gehen zweigleisig vor. Zum einen schlagen sie vor, dass rund um den Flughafen ein großer Gewerbegürtel entstehen soll, von dem alle Kommunen profitieren sollen, statt dass jede Stadt nach eigenem Gusto Gewerbegebiete auf die Äcker setzt. Zum anderen sollen auf die gesamte Filderebene verteilt, nahe von Haltestellen, weiteres Wachstum ermöglicht werden, vor allem im Hinblick auf das Thema Wohnen. Fasanenhof und Dürrlewang könnten nachverdichtet werden, Bernhausen und Sielmingen zusammenwachsen, und zwischen Leinfelden und Echterdingen könnte eine neue Mitte entstehen.

Entschieden ist noch lange nichts

Entschieden ist noch lange nichts

Während die bürgerlichen Parteien die Pläne erst einmal sacken ließen, übten sich vor allem die Grünen in Fundamentalkritik. Der Plieninger Bezirksbeirat Thomas Plagemann brachte die Stimmung auf den Punkt: „Das wird der Sargnagel für unsere Landwirtschaft sein. Dieser Studie wäre das Schicksal eines Rohrkrepierers zu wünschen.“ Zuvor hatten sich die Grünen aus Stuttgart, L.-E., Filderstadt, Neuhausen und Ostfildern abgestimmt und gemeinsam in einer Mitteilung gefordert, dass die Filder nicht das Sillicon Valley der Region Stuttgart werden solle. Zwar sei es positiv, dass man sich um eine geordnete Entwicklung bemühe. Aber die Natur spiele dabei eine zu geringe Rolle. Es sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Bebauung, Verkehrs- und Freiflächen geben.

Entschieden ist freilich noch nichts, und die Studie ist eben nur das: eine Studie. In den Stuttgarter Bezirken dürfte die Diskussion nun erst so richtig beginnen. Außerhalb Stuttgarts müssen die Gemeinderäte derweil noch Geduld haben.