• Int. Hugo Wolf Akademie
  • StuttgartKonzert
  • Theaterhaus
  • SKS Erwin Russ GmbH
  • Stuttgarter Kammerorchester
  • Theater der Altstadt
  • Forum Theater
  • C2 Concerts GmbH
  • Bachakademie

Vision String Quartet Krasse Kracher in der Liederhalle

Von Gabriele Metsker 

Am 22. November spielt das Vision String Quartet in der Stuttgarter Liederhalle. Die vier Musiker kennen sich schon ihr ganzes Leben.

Die Mitglieder des Vision String Quartet (von links): Jakob Encke, Daniel Stoll, Leonard Disselhorst und Sander Stuart.   Foto: Tim Kloecker
Die Mitglieder des Vision String Quartet (von links): Jakob Encke, Daniel Stoll, Leonard Disselhorst und Sander Stuart. Foto: Tim Kloecker

Dass Jakob Encke, Daniel Stoll, Sander Stuart und Leonard Disselhorst derzeit als Vision String Quartet in Konzertsälen auf der ganzen Welt gefeiert werden, ist eigentlich Zufall. Natürlich nicht, was die Qualität ihrer Musik angeht. Aber dass aus ihnen einmal ein klassisches Quartett werden würde, war so ganz und gar nicht abzusehen.

„Wir kennen uns eigentlich schon unser ganzes Leben“, erzählt Daniel Stoll, der im Quartett die zweite Geige spielt. Jakob Encke, die erste Violine, und er hatten schon mit sechs oder sieben Jahren bei derselben Lehrerin Unterricht, haben gemeinsam musiziert und sogar dieselbe Schule besucht. Sander Stuart, dem Bratscher, begegnete Stoll oft beim Wettbewerb „Jugend musiziert“, da sie demselben Landkreis angehörten. Cellist Leonard Disselhorst, ursprünglich aus Kassel stammend, kam dazu, als alle vier an der Musikhochschule in Hannover Jungstudenten waren. „Aber als wir alle vier in Hannover gelebt haben, haben wir nie zusammen ­gespielt“, sagt Daniel Stoll amüsiert.

Alle Arten von Musik ausprobieren

Das begann erst, als das Studium sie in alle Ecken Deutschlands verteilt hatte: Berlin, Saarbrücken, Karlsruhe und Lübeck. „Das Musikstudium ist ja sehr klassisch geprägt“, erläutert der Violinist. „Wir wollten aber alle Arten von Musik ausprobieren. Und als Ausgleich zum Studium haben wir uns einmal in der Woche getroffen, immer in einer anderen Stadt.“ Jeder brachte mit, was ihm gefiel, und so spielten sie Jazz, Funk, Rock, Arrangements und auch eigene Kompositionen. „Da haben wir noch nicht an eine Konzertkarriere gedacht.“

Im Sommer 2012 probierten sie dann Stücke aus dem klassischen Repertoire. Allerdings nichts von Joseph Haydn oder Ludwig van Beethoven. „Damit fangen alle an und hören danach schnell wieder auf“, sagt Daniel Stoll und lacht. „Wir wollten etwas richtig Cooles spielen.“ Was also wählten sie? Das Streichquartett von Claude Debussy und das erste Streichquartett von Alberto Ginastera. Schnell waren die vier jungen Männer als Streichquartett so gefragt, das sie bald mehr auf Konzertreisen waren als zu Hause. 2018 bekamen sie den Kammermusikpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung, einen der höchstdotierten Musikpreise.

Wenn die Verstärker ins Spiel kommen

Üblicherweise spielen sie bei ihren Konzerten einen ersten Teil als klassisches Streichquartett, danach einen zweiten mit einem ganz anderen Programm. Da kommen auch gerne Verstärker ins Spiel. Aus einem einfachen Grund: „Da klingt dann das Cello auf einmal wie ein Bass“, so Stoll. „Und Rockiges wirkt nicht, wenn wir es in der Lautstärke eines Streichquartetts spielen.“

Interessanterweise kommt aber diese Experimentierlust bei den Zuhörern gut an. Im Grunde erstaunlich, denn gerade das Kammermusikpublikum besteht meist zu großen Teilen aus eher konservativ geprägten Kennern. Aber, so weiß Stoll, auch bei klassischen Kompositionen geht „von der Komplexität her die Post ab“. Und so ist gerade dieser Zuhörerkreis von den neuen Facetten der Königsdisziplin Quartettspiel oft beglückt. Das Genre ist nicht entscheidend für die Qualität, es gibt überall gute Musik – lautet die Überzeugung der vier.

Es ist nicht alles brav

Wenn sie in Stuttgart spielen, stehen das erste Streichquartett von Györgi Ligeti, der Streichquartettsatz c-Moll (D 703) von Franz Schubert und das Streichquartett a-Moll (op. 132) von Ludwig van Beethoven auf dem Programm.

Also alles brav? „Keineswegs“, versichert Stoll. „Der Ligeti hat zwischendurch richtige Hardrockstellen“, schwärmt der Geiger. „Krass“ findet er das Stück. Und man könne sich darauf freuen, selbst, wenn man sonst nicht so viel mit Musik aus dem 20. Jahrhundert am Hut habe. „Ab­gefahren“ findet er das Beethoven-Quartett, „nicht von dieser Welt und einfach wunderschön“. Der Streichquartettsatz von Schubert bildet den Ausgleich zu diesen beiden „Krachern“, wie er sie nennt. Die vier Musiker bedauern hier nur eines: dass der Komponist das Quartett nicht zu Ende geschrieben hat.

Vision String Quartet: 22. November, 20 Uhr, Liederhalle, Tickets unter 07 11 / 550 660 77