Die Natur in Baden-Württemberg hat noch mehr zu bieten als den Bodensee oder Schwarzwald. Gerade für Vogelkundler und solche, die es noch werden wollen, gibt es zahlreiche Orte, Vögel zu beobachten. 

In Baden-Württemberg gibt es 90 Vogelschutzgebiete, die zusammen fast eine Fläche von 400.000 Hektar ergeben – viel Platz also für heimische Standvögel und Zugvögel. Letztere benötigen diesen Raum, um störungsfreie Rastplätze zu finden und Nahrung sowie Kraft zu tanken für den Weiterflug. Damit ist das Ländle prädestiniert für ausgedehnte Ausflüge zum Vögel beobachten.

 

Positive Aspekte der Vogelbeobachtung

Bei der Vogelbeobachtung – auch Birding genannt – wird die Natur mit allen Sinnen wahrgenommen. Das hat gleich mehrere positive Effekte auf das persönliche Wohlbefinden. Durch das bewusste Eintauchen in die Natur lässt sich das Stresslevel deutlich senken, was vor allem für Menschen mit einem hektischen Alltag für einen Ausgleich sorgt. Dabei muss man glücklicherweise nicht tief in die Tasche greifen, da das Hobby sehr kostengünstig ist. Hinzu kommt, dass man ständig neue Vogelarten entdeckt und diese Beobachtungen nicht nur für sich selbst festhalten, sondern auch Tierschutzorganisationen durch Dokumentationen aktiv damit unterstützen kann. Nicht zuletzt trägt auch der Gesang der Vögel maßgeblich zum Wohlbefinden bei. Er kann positive Erinnerungen wecken und sogar Ängste reduzieren.

Das Schwenninger Moos

Das Schwenninger Moos, gelegen auf der Baar, einer Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, ist ein Naturschutzgebiet und zählt zu den größten Hochmooren Baden-Württembergs. Hier entspringt zudem der Neckar, der sich von hier aus quer durch das Land schlängelt. Die Landschaft ist geprägt von dichten Schilfzonen und weiten Feuchtwiesen, die eine ideale Umgebung für eine außergewöhnliche Vogelvielfalt schaffen.

Über 150 verschiedene Vogelarten wurden hier bereits registriert. Darunter finden sich seltene Gäste wie die Wasserralle oder der Fischadler, der während des Vogelzugs regelmäßig zu sehen ist. Auch Silberreiher, Eisvögel, Krickenten, Reiherenten, Teichhühner, Blässhühner, Rostgänse und sogar Kormorane sind hier regelmäßig zu beobachten. Ein gut angelegter Rundweg mit Holzstegen und Schotterpfaden ermöglicht es, das Moos zu Fuß zu erkunden und dabei die Ruhe zu genießen, die nur vom Zwitschern der Vögel unterbrochen wird.

Naturschutzgebiet Wagbachniederung

Im Nordwesten Baden-Württembergs, zwischen Mannheim und Karlsruhe bei Waghäusel, erstreckt sich das Naturschutzgebiet Wagbachniederung, das als wichtigstes Schilf-Flachwasser-Biotop des Landes gilt. Auf einer Fläche von 224 Hektar, einst Klärteiche einer Zuckerfabrik, bietet dieses Feuchtgebiet mit seinen Seen, ausgedehnten Schlammflächen und weitläufigen Schilfzonen eine Heimat für rund 275 verschiedene Vogelarten. Es ist ein Ankerpunkt für Zugvögel und ein Refugium für bedrohte Spezies wie den Purpurreiher, der hier den größten Brutplatz Südwestdeutschlands findet. Auch Blaukehlchen, Tafelenten und Limikolen, die hier ihre Balzrituale vollführen, kann man hier beobachten. Im Herbst bieten zudem riesige Starenschwärme ein beeindruckendes Naturschauspiel. Für Vogelliebhaber gibt es vorgesehene Beobachtungsposten und Feldwege, die ungestörtes Birding ermöglichen.

Das Federseegebiet in Bad Buchau

Das Federseegebiet, mit rund 3000 Hektar das größte Moor Südwestdeutschlands, ist eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs und ein wahres Eldorado für Vogelbeobachter. Über 270 Vogelarten, darunter Braunkehlchen, Eisvogel, Rohrdommel, Blässhühner, Bartmeise, Bluthänfling oder Graugans finden hier eine Heimat oder sind regelmäßige Gäste. Der gut ausgebaute Federseesteg sowie Beobachtungsplattformen, vom NABU-Naturschutzzentrum in Bad Buchau aus zugänglich, ermöglichen eine störungsfreie und nahe Beobachtung der außergewöhnlichen Artenvielfalt. Diese macht auch bei anderen Tierarten keinen Halt: etwa 70 verschiedene tagaktive Schmetterlingsarten, 40 Libellenarten und zwölf Fledermausarten gibt es hier noch zu entdecken.

Vögel beobachten auf der Schwäbischen Alb

Das Mittelgebirge Schwäbische Alb bietet mit steilen Felswänden und dichten Wäldern eine spektakuläre Kulisse für spannende Vogelbeobachtungen. Im Herzen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb begegnen Naturfreunde neben vielen Waldvögeln auch typischen Arten offener Landschaften wie dem Neuntöter und der Heidelerche. Der Kolkraben lässt sich mit etwas Glück im Oberen Lenninger Tal erspähen. Für eine Begegnung mit der Wasseramsel empfiehlt sich ein Besuch an der Wimsener Mühle in Hayingen. Wer den seltenen Silberreiher sehen möchte, sollte in Münsingen Ausschau halten. Der Rotmilan zieht oft am Randecker Maar seine Kreise, und der Schwarzspecht ist im gesamten Biosphärengebiet, beispielsweise um Bad Urach, beheimatet.

Das Naturschutzgebiet Taubergießen

Zwischen Vogesen und Schwarzwald erstreckt sich das Naturschutzgebiet Taubergießen. Die weitläufige Landschaft aus Auenwäldern und Grünländereien ist durchzogen von zahlreichen Wasserläufen. Hier findet sich eine bedeutende Population des Mittelspechts sowie Schwarzspechte, was das Gebiet von großem ornithologischem Wert macht. Neben seltenen Purpur- und Silberreihern können auch Durchzugsgäste wie Fischadler, Trauerseeschwalben und Flussseeschwalben beobachtet werden. Die besonders verbreiteten Arten wie Pirol und Nachtigall ergänzen die reiche Vogelwelt dieser einzigartigen Auenlandschaft. Mit etwas Glück lässt sich auch der sehr seltene Rotkopfwürger erspähen.

Besondere Vogelarten am Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl, ein kleiner vulkanischer Höhenzug im Südwesten Baden-Württembergs, ist ein Paradies für Vogelinteressierte und Naturfans. Sein mildes Klima und die besondere Vegetation mit seltenen Orchideen schaffen einen einzigartigen Lebensraum, der an den Mittelmeerraum erinnert. In Sachen Birdwatching kommen Fans voll auf ihre Kosten: Der Bienenfresser mit seinem bunten Gefieder brütet in den sandigen Hängen des Kaiserstuhls. Ein weiterer Symbolvogel der Region ist der Wiedehopf, der mit seinen auffälligen Scheitelfedern und seinem kontrastreichen Federkleid besticht. Er ist oftmals in offenen und trockenen Landschaften zu sehen. Geht es um melodischen Gesang, kann kaum ein anderer Vogel der Zaunammer das Wasser reichen. Sie ist ein Meister der Tarnung, weshalb es schwer ist, sie vor die Linse zu bekommen.

Der Naturpark Obere Donau als Birding-Spot

Das Donautal schneidet sich von Tuttlingen bis Inzighofen entlang der Donau tief in die Schwäbische Alb ein. Im Naturpark Obere Donau findet man ein gut ausgebautes Wegenetz vor, was einem die Vogelbeobachtung deutlich erleichtert. Besonderes Augenmerk kann man hier auf die Wanderfalken beim Sturzflug legen. Wem das Glück hold ist, entdeckt auch den seltenen Uhu, der sich in den Felsnischen des Donautals eingenistet hat. Wer sich weiter über Eulen informieren möchte, wird im Artikel „Welche Eulen über Stuttgart wachen“ fündig.

Der Bodensee mit großer Vogelvielfalt

Das größte deutsche Binnengewässer verfügt über 410 bestätigte Artensichtungen. Besonders die Röhrichtbereiche haben es den Vögeln angetan, um zu rasten. Umgeben von 30 Naturschutzgebieten, darunter das Wollmatinger Ried, ist der Bodensee ein Paradies für Vogelbeobachter. Zahlreiche Infotafeln informieren über die rund 300 heimischen Vogelarten. Vor allem im Frühjahr darf man ein Zwitscherkonzert erwarten, da dann die heimischen Singvögel zurückkehren. Zu dieser Zeit ist die Balz der Haubentaucher ebenfalls ein interessantes Naturereignis. Weitere Vögel, die man am Bodensee erspähen kann, sind Stare, Rauchschwalben, Blasshühner oder Graureiher.

Oberes Steinach und Burglehen

Die beiden Naturschutzgebiete bei Tübingen verfügen über eine beachtliche Vielfalt. Mit der Zeit sind hier rund um den Baggersee unterschiedliche Biotope entstanden, die immer mehr Brut- und Zugvögel anlocken. Das Obere Steinach bewohnen Uferschwalben, Zwergrohrdommeln, Blaukehlchen, Fischadler und sogar Arten der Roten Liste wie der Nachtreiher.

Im benachbarten Naturschutzgebiet Burglehen finden sich, im Gegensatz zum Oberen Steinach, Informationstafeln, die Auskünfte über die hiesigen Vogelarten geben. Darunter: Brandgans, Bekassine, Flussregenpfeifer, Weißflügel-Seeschwalbe oder die Kolbenente.

Wer nicht genug vom Thema Vogelbeobachtung haben kann, findet in den Artikeln „Diese heimischen Vögel leben in Stuttgart“ und „Vogelbeobachtung von Zuhause“ weiteren Input.