Vogelgrippe Hühner, Gänse, Puten müssen drinnen bleiben

Von red/dpa/lsw 

Bisher sind nur Wildvögel befallen, doch im Südwesten müssen mehr als 450 000 Hühner, Gänse, Puten und andere Vögel nicht mehr aus dem Stall. Sogenannte Freilandeier behalten aber ihre Klassifizierung.

Die Freilandhühner müssen im Statt bleiben – ihre Eier dürfen aber trotzdem als Freilandeier verkauft werden. Foto: dpa
Die Freilandhühner müssen im Statt bleiben – ihre Eier dürfen aber trotzdem als Freilandeier verkauft werden. Foto: dpa

Stuttgart - Das Vogelgrippe-Virus breitet sich am Bodensee aus: Immer mehr verendete Wildvögel werden gefunden, die mit der Vogelgrippe infiziert sind. Inzwischen handelt es sich um 126 Tiere mit dieser Diagnose, wie das Landwirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Bis zum Wochenende gab es 50 bestätigte Fälle. Während das Ministerium die Stallpflicht für Geflügel am Montag auch auf die Landkreise Sigmaringen und Biberach ausweitete, hält mancher Geflügel-Halter das Vorgehen der Behörden für zu zögerlich.

Die Stallpflicht gilt bis Ende Januar bereits in den Kreisen Konstanz, Ravensburg und Bodenseekreis für gut 3400 Betriebe mit mehr als 450 000 Tieren und ist laut Ministerium eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bei Nutztieren wurde noch kein Vogelgrippe-Fall im Land bekannt. Auch ein Vogelgrippe-Verdachtsfall bei einem Geflügelhof in Vorarlberg (Österreich) habe sich nicht bestätigt, teilte das Ministerium am Montag mit. Befürchtete Auswirkungen auf nahegelegene Höfe im Kreis Ravensburg blieben aus. Kein Betrieb im Land sei gesperrt, alle Geflügelbauern dürften ihre Produkte weiterhin verkaufen. „Bisher gibt es keine wirtschaftlichen Folgen für die Halter“, sagt die Ministeriumssprecherin.

Eier dürfen dennoch als Freilandeier verkauft werden

Eier aus Freilandhaltung dürfen trotz Stallpflicht zwölf Wochen lang weiterhin als Freilandeier verkauft werden, berichtete Geflügelhalter Christoph Hönig (48) aus Mühlingen (Kreis Konstanz). Er lebe mit dem Wissen um die ständige Gefahr des Vogelgrippe-Virus. „Wenn es so nah kommt, schläft man etwas schlechter“, sagte er. Es werfe seinen Betrieb aber nicht aus der Bahn, wenn die Hühner im Stall bleiben müssen. Er hätte sich sogar gewünscht, dass die Behörden schneller und flächendeckend eine Stallpflicht aussprechen - zum Schutz des Geflügels. Die infizierten Wildvögel hielten sich schließlich nicht an Landkreisgrenzen.

Nachdem am Bodensee bislang vor allem Reiherenten betroffen waren, ist das hochansteckende Virus nach Ministeriumsangaben inzwischen auch auf Schwäne und Gänse übergesprungen. Die H5N8-Variante der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie war in Deutschland erstmals am 8. November nachgewiesen worden.