Vogelgrippe im Kreis Esslingen Sorge um Hühner – die Lage bleibt angespannt
Die Vogelgrippe sorgt im Kreis Esslingen weiter für Unruhe: Die Stallpflicht für Geflügel wurde zwar aufgehoben, doch ganz vorüber ist die Gefahr noch nicht.
Die Vogelgrippe sorgt im Kreis Esslingen weiter für Unruhe: Die Stallpflicht für Geflügel wurde zwar aufgehoben, doch ganz vorüber ist die Gefahr noch nicht.
Der erste Fall von Vogelgrippe im Kreis Esslingen wurde Ende November des vergangenen Jahres gemeldet. Eine Graugans hatte sich mit dem Virus infiziert. Wenige Tage später war die Geflügelpest bei acht weiteren Wildgänsen nachgewiesen worden. Deshalb verhängte das Landratsamt Esslingen eine Stallpflicht, die Mitte Januar ausgelaufen ist. Ganz vorüber ist die Gefahr jedoch offenbar noch nicht.
Seit dem ersten Fall Mitte November wurde das Vogelgrippevirus laut Landratsamt bei insgesamt zwölf Graugänsen im Kreis Esslingen nachgewiesen. Deshalb hatte das Landratsamt bis 15. Januar eine Stallpflicht für Geflügel innerhalb eines Bereichs von 500 Metern beidseits des Neckars angeordnet. Seit dem 10. Dezember habe es allerdings keine Virusnachweise und keine Verdachtsfälle mehr gegeben, heißt es aus dem Veterinäramt des Landkreises.
Die Stallpflicht an sich ist für Christoph Eberhardt vom Berghof Deizisau kein Problem. „Unser Stall hat einen Wintergarten und ist ohnehin mit Streumaterial ausgestattet“, sagt er. Er und sein Bruder Markus Eberhardt, mit dem er den Hof betreibt, hätten also keine größeren Umbauten oder Umstrukturierungen vornehmen müssen, um die rund 7000 Hühner rund um die Uhr im Stall unterbringen zu können. Normalerweise seien die Tiere tagsüber draußen und nachts im Stall, erzählt Eberhardt. In den ersten Tagen der Stallpflicht seien sie daher irritiert gewesen und wollten raus. Aber wie so vieles sei auch dies eine Sache der Gewöhnung und inzwischen kein Problem mehr. Ebenso wie die erhöhten Hygieneanforderungen aufgrund der Vogelgrippe. So müssten etwa Desinfektionsmatten vor dem Stall liegen und man müsse in verschiedenerlei Hinsicht noch mehr aufpassen als sonst. „Aber wir müssen sowieso hygienisch einwandfrei arbeiten und sind entsprechend ausgestattet“, sagt Eberhardt.
Belastender sei eher die Sorge, dass die Tiere sich mit der Geflügelpest anstecken – schließlich werde diese auch über die Luft übertragen. Deshalb ließen er und sein Bruder die Hühner vorerst noch im Stall, was aufgrund einer landesweiten Regelung derzeit möglich ist. Allerdings sei das Infektionsgeschehen im Kreis Esslingen im Vergleich zu anderen Gegenden nicht so dramatisch, von daher seien sie trotz allem relativ entspannt. Und auch die Kunden hätten sich inzwischen an das Thema gewöhnt: Anfangs hätten sich viele bei ihnen über die Auswirkungen der Vogelgrippe informiert, doch inzwischen habe das nachgelassen.
Auch Ulrike Seifried vom Waldwiesenhof in Altbach kennt die Sorge um die Tiere. Sie und ihre Familie hatten Ende des vergangenen Jahres rund 800 Gänse auf dem Hof, die vor Weihnachten allerdings nach und nach geschlachtet wurden. Die Stallpflicht habe für sie zwar nicht gegolten, weil ihr Hof mehr als 500 Meter vom Neckar entfernt sei. „Aber wir waren in ständiger Sorge, dass sich die Tiere infizieren“, sagt sie.
Dennoch sei sie froh, dass sie ihre Gänse nicht in den Stall sperren mussten. Denn die Tiere seien bei ihnen Tag und Nacht draußen und hätten dort viel Platz. „Es hätte viel Stress für sie bedeutet, in den Stall zu müssen“, glaubt Seifried. „Sie hätten sicher zwei Wochen lang nichts gefressen – und das so kurz vor Weihnachten“, gibt sie zu bedenken. Im Übrigen hätten sie und ihre Familie einen Schuppen aufwendig herrichten müssen, um die Gänse dort ordnungsgemäß unterbringen zu können – sie sei froh, dass ihnen das erspart blieb.
Allerdings hätten sie ihre Tiere verstärkt beobachtet. „Man merkt das sehr schnell, wenn die Vogelgrippe sich ausbreitet“, sagt Seifried. Dass mal eine Gans verende, könne vorkommen, aber bei der Geflügelpest steige die Zahl toter Tiere sehr schnell. Zudem sei auch das Veterinäramt immer mal vor Ort und nehme Blutproben – bislang sei alles negativ gewesen. Dennoch habe sie festgestellt, dass die Kunden zurückhaltender seien als sonst – aber sie habe den Eindruck, dass das vor allem mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu tun habe, so Ulrike Seifried.
„Wir waren in ständiger Sorge, dass sich die Tiere infizieren. Es hätte viel Stress für sie bedeutet, in den Stall zu müssen.“
Ulrike Seifried, Waldwiesenhof in Altbach
Derzeit sei die Lage zwar ruhig, weil die Seuchensituation günstig sei, teilt das Veterinäramt mit. Erneute Nachweise des Virus seien aufgrund der kalten Witterung allerdings nicht ausgeschlossen – die verstärkten Untersuchungen auf das Virus würden daher fortgeführt. Auch die sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen in den Geflügelhaltungen müssten dringend aufrecht erhalten werden, mahnt das Veterinäramt. Zudem sollten Verbraucher weiterhin keine toten Vögel anfassen und darauf achten, dass auch Haustiere nicht direkt in Kontakt mit den Tierkörpern kämen.