Der Frühling naht, die Krokusse kommen und die Brutsaison fängt demnächst an. Die ersten Vögel sind schon auf Wohnungssuche, hat Hans Kümmerle in seinem Garten beobachtet, zum Lokaltermin mit Mitstreitern mitten in der Stadt Göppingen hat er seine Haushaltsleiter mitgebracht. 14 Nisthöhlen hat der Nabu (Naturschutzbund) in den Bäumen rund um die Oberhofenkirche verteilt, mit verschiedenen Fluglochweiten, je nachdem, wer dort einziehen möchte. Meisen und Rotschwänzchen mögen es lieber eng, Rotkehlchen und Zaunkönige haben gerne etwas mehr Platz am Nestzugang.
Die Spur der Zerstörung zieht sich durch den Park
Stadtnah wohnen können sie alle im Oberhofenpark. Kümmerle hat einen Plan vom alten Friedhof rund um die Kirche dabei, damit die Nabu-Vogelfreunde auch alle Nisthöhlen wiederfinden. Und am Anfang ist am vergangenen Samstag auch alles wie immer im Februar: Mit Leiter, Schaber und anfangs guter Laune geht es los, zum Nisthöhlen putzen und einzugsfertig wieder aufhängen. Bei Nummer eins nicht weit vom Westeingang der Kirche gelingt das auch gut: Leiter hoch, Nistkasten runter, altes Nest raus, einmal durchputzen. Dann klettert Kümmerle die Leiter wieder hoch und hängt die Höhle aus Holzbeton wieder auf.
So geht es weiter an der Westseite des Parks hoch Richtung Kantstraße, dann ist erstmal Schluss. Eine Nisthöhle hängt völlig zerstört am Baum, die untere Hälfte liegt in Brocken darunter. Am Stamm sind Schlagspuren zu sehen, die Rinde ist an mehreren Stellen weg, tiefe Schnitte sind im Holz des Stammes zu sehen. Die Spur der Zerstörung zieht sich weiter durch den Park.
Die Hälfte der 14 Nisthöhlen sind kaputt, „vier davon sind ein Totalschaden“, sagt Hans Kümmerle, drei kann er „vielleicht reparieren“, die Betonteile haben er und die anderen Helfer aufgesammelt.
Mitten im Park zwischen den alten Gräbern finden sie noch einen Hammer, der Kopf ist abgebrochen, liegt aber direkt neben dem Stiel. Wahrscheinlich das Tatwerkzeug, Hammerwurf auf Nisthöhlen, da muss man erstmal drauf kommen. Kümmerle schüttelt immer wieder den Kopf, das hat hier noch nie erlebt. Auch eine Fledermaushöhle hat es erwischt, gleich oberhalb der Friedhofsmauer. Die bekommt Kümmerle vielleicht zu Hause in der Werkstatt wieder hin.
Beim Nabu ist man fassungslos
Der Göppinger Nabu-Vorsitzende, Dirk Lederbogen, ist noch Tage später entsetzt. „Ich bin wirklich fassungslos über den Vandalismus im Zentrum Göppingens“, sagt er. Lange her ist die Zerstörung noch nicht, die Wunden an den Bäumen sind noch frisch, der Hammerstiel auch noch nicht lange abgebrochen. „Hat jemand in der vergangenen Woche etwas gesehen oder mitbekommen?“, fragen sich Lederbogen und Kümmerle. Aber: der Frühling und die Vögel kommen. Kümmerle hat schon neue Nisthöhlen und Ersatzteile für die beschädigten nachbestellt. Sobald alles da ist, sollen sie wieder montiert werden im Park. Denn: „Die Vögel warten darauf.“
Schaden im dreistelligen Bereich
Schutz
Der Nabu und seine Mitglieder haben sich – unter anderem – dem Vogelschutz verschrieben. Das meiste geht ehrenamtlich, aber Nisthöhlen gibt es dennoch nicht umsonst. Rund 30 Euro kostet eine gute Nisthöhle aus Holzbeton, Ersatz für die vier komplett zerstörten Höhlen im Göppinger Oberhofenpark kostet also rund 120 Euro, sagen die Mitglieder.
Unterstützung
Wer spenden und somit dabei helfen will, den Vögeln des Oberhofenparks wieder ein Zuhause zu geben: Das Nabu-Konto hat die IBAN DE78 6105 0000 0000 0123 66.