Turmfalken, Mauersegler und Schwalben – in Weil der Stadt, der Storchenstadt, fliegt so einiges durch die Lüfte. Wir berichten von Vögeln, die immer öfter ausgebremst werden.
Wer nicht genau hinschaut, der kann die kleinen Nester unterhalb des Dachvorsprungs leicht übersehen. Nicht zu übersehen sind ihre Bewohner, die immer wieder pfeilschnell zu ihren Nestern fliegen. Doch werden diesen Schwalbenfamilien die Zugänge zu ihren Brutstätten seit Wochen erschwert. Nicht nur das Insektensterben bereitet zahlreichen Vögeln Probleme. Auch der Mensch macht es den Tieren oft alles andere als leicht.
In der Calwer Straße etwa schränkt ein Malergerüst den Nesteintritt zu gleich mehreren Nestern ein. „Inzwischen ist nur noch an zwei Nestern Flugverkehr zu beobachten“, bedauert Oliver Maier, Erster Vorsitzender der Vogel- und Naturfreunde Merklingen und vertreten in gleich mehreren Arbeitsgemeinschaften, wie beispielsweise bei den Wanderfalken Baden-Württemberg (AGW-BW) und den Eulen (AG-Eulen).
Die Behörden haben geringes Interesse
Schwalben sind nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Das Zerstören von Schwalbennestern stellt also eine Straftat dar – während, aber auch außerhalb der Brutzeit. Der Vogelschützer hat sich an die Mitarbeiter des Sachgebiets Naturschutz am Amt für Landwirtschaft und Naturschutz Böblingen gewandt. Dieses ist für die Betreuung von Schutzgebieten wie Landschaftsschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten zuständig sowie bei Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
Das Interesse an dem Fall ist allerdings gering, denn es gibt zu viele solcher Fälle. „Seit über 40 Jahren im Naturschutz erlebe ich das immer wieder“, sagt Oliver Maier resigniert. Ohne das Engagement der Natur- und Tierschützer in Form von Artenschutzmaßnahmen, Bestandserhebungen bis hin zu konkreten Aktionen wie Nistkastenverteilung stünde es um den Artenschutz noch schlechter bestellt. Weltweit gelten mehr als jede dritte Tier- und Pflanzenart als bedroht. Damit ist das Artensterben eine der größten globalen Krisen mit massiven Auswirkungen auf die Ökosysteme und die Menschen.
Auch die Flugkünstler, unter anderem die Mehlschwalben, fallen auf der Roten Liste unter die Kategorie gefährdet. Allerdings sind die Vögel, die mit über 50 Kilometer pro Stunde durch die Lüfte segeln, natürliche Schädlingsbekämpfer und bedeutender Teil des Ökosystems. Die Sommerboten, die Ende August nach Afrika ziehen, gehörten jahrhundertelang in jeden Ort und in die Ställe der Bauernhöfe. Mehl- und Rauchschwalben sind sogenannte „Kulturfolger“ und haben sich an eine vom Menschen geprägte Umgebung angepasst. Statt an felsigen Steilküsten nisten sie inzwischen in den Städten. Dass Schwalben immer willkommen waren, zeigt auch das Sprichwort „Wenn Schwalben am Haus brüten, geht das Glück nicht verloren“.
Lebensgefährliche Sanierungen
Die Zahlen zeigen allerdings, dass ihre Bestände seit 1980 um über 50 Prozent geschrumpft sind, auch wegen der immer stärkeren Versiegelung der Landschaft. Daher fehlen den Vögeln ausreichend Brutmöglichkeiten sowie ihre Nahrungsgrundlage. „Ein bedeutender Grund für ihren Rückgang ist aber die fehlende Kenntnis der Hausbesitzer beim Durchführen von Sanierungen.
Dadurch werden oft die Nester der Mehlschwalben zerstört“, sagt Oliver Maier. Geeignete und einfach umzusetzende Maßnahmen zum Schutz der Schwalben während Sanierungen sind beispielsweise die Abstimmungen mit den zuständigen Naturschutzbehörden oder Menschen wie Oliver Maier. Zudem sollten die Handwerkertermine möglichst außerhalb der Brutzeit gelegt werden. Den Bauarbeiten vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen – wie die Bereitstellung von Nestern an anderen Standorten -sind ebenfalls hilfreich. Auch das Anbringen von geeigneten Kotbrettern oder das Bereitstellen von künstlichen Nisthilfen an Stellen, wo der Kot der Schwalben nicht stört, sind zusätzliche Brutmöglichkeiten.
Tipps für Nisthilfen
Dass es Menschen gibt, die sich um die Natur kümmern, zeigt ein anderes Beispiel aus Weil der Stadt. „Nicht weit entfernt vom Haus mit dem Gerüst, sind die Hauseigentümer proaktiv auf mich zugekommen und wollten wissen, wie sie die Störung der Schwalben während ihrer Außenarbeiten verhindern können“, erzählt Oliver Maier. Ein Fall, den der Naturschützer gerne unterstützt und der ihn motiviert, sich auch künftig für den Erhalt der Natur einzusetzen.
Details zu den Anforderungen für Nisthilfen gibt es unter www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/schwalben/13712.html
Putzaktion
Termine
Die Vogel- und Naturfreunde regelmäßig zu Nistkasten-Kontrollen und deren Reinigung rund um Weil der Stadt ein. Die Termine für Oktober stehen unter, https://naturschutz-merklingen.de/termine-im-2-halbjahr-25.