Volker Backert: Oktobernacht Wilde Räuberpistole mit Stasi-Vergangenheit

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Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums der deutschen Einheit sind Krimis zum Thema en vogue. Volker Backert nimmt sich in „Oktobernacht“ die Machenschaften rund um den DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski vor.

„Oktobernacht“ ist im Emons-Verlag erschienen. Foto: Lukas Jenkner
„Oktobernacht“ ist im Emons-Verlag erschienen. Foto: Lukas Jenkner

Stuttgart - Dass in den Wirren rund um die deutsche Einheit allerlei Schindluder getrieben worden ist, sich SED-Funktionäre als Wendehälse geschmeidig in den Wind drehten und Stasi-Mitarbeiter kistenweise ihre verräterischen Akten schredderten, ist drei Jahrzehnte später hinlänglich bekannt. Die turbulenten Zeiten des deutsch-deutschen Umbruchs bieten jede Menge Stoff für Thriller und Krimis. Naheliegend, dass Autoren und Verlage die Gelegenheit nutzen.

Einer von ihnen ist Volker Backert, der sich beim Emons-Verlag mit einer Reihe Franken-Krimis sein Publikum erschrieben hat. In „Oktobernacht“ verlässt Backert sein angestammtes Sujet und wendet sich den Wirren der Wendezeit zu, die er indes ausweislich des Klappentextes bestens zu kennen scheint: Er zahlte damals im Coburger Sozialamt das „Begrüßungsgeld“ aus und wurde 1989/90 mit zahlreichen Einzelschicksalen bisheriger DDR-Bürger konfrontiert.

Viel Tempo und pointierte Dialoge

„Oktobernacht“ handelt von der erfolgreichen und populären TV-Journalistin Hannah Steiner, die der ARD-Talkerin Anne Will – natürlich nur fiktiv – am Sonntagabend nachfolgen soll. Doch dann erfährt sie von ihren vermeintlichen Eltern, dass sie vor 30 Jahren adoptiert worden ist. Ihr leiblicher Vater war ein einflussreicher Stasi-Major. Hannah Steiner beginnt zu recherchieren, während sie sich gleichzeitig testosterongesteuerte Granden des Norddeutschen Rundfunks und stutenbissige Karrierezicken gleichzeitig vom Hals halten muss.

Bei ihren Nachforschungen begegnet Hannah dem österreichischen Journalisten David Rosinsky, der ebenfalls einer heißen Geschichte aus den letzten Tagen der DDR auf der Spur ist. Gemeinsam enthüllen sie ein mörderisches Komplott im Dunstkreis des einstigen DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski.

Volker Backert erzählt die Stasi-Räuberpistole mit viel Tempo und pointierten Dialogen. Dabei greift er gelegentlich in die Klischeekiste, vor allem, wenn es ums Treiben überdrehter TV-Journalisten geht. Wer das allerdings eher als Satire liest, kommt auf seine Kosten.

Volker Backert: Oktobernacht. Kriminalroman. Emons Verlag Köln 2020. Klappenbroschur, 256 Seiten, 16 Euro.




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