Volksbank Ludwigsburg will klagen Bereicherung im Aufsichtsrat der Volksbank?

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Das Ludwigsburger Institut will gegen einen ehemaligen Kontrolleur klagen. Der jedoch weist alle Schuld von sich. Und die Zeit wird knapp.

Die Volksbank Ludwigsburg muss sich noch immer mit ihrer jüngeren Vergangenheit beschäftigen. Foto: Michael Fuchs/Archiv
Die Volksbank Ludwigsburg muss sich noch immer mit ihrer jüngeren Vergangenheit beschäftigen. Foto: Michael Fuchs/Archiv

LudwigsburgBei der Aufarbeitung ihrer jüngeren Vergangenheit ist die Volksbank Ludwigsburg offenbar auf weitere Ungereimtheiten gestoßen: Ein ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrats soll sich auf Kosten der Bank bereichert und damit eine „schuldhafte Pflichtverletzung“ begangen haben. Konkret soll sich Gerhard Heilemann, dessen Aufgabe als Aufsichtsrat es war, den Vorstand zu kontrollieren, vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Karlheinz Unger in die Vip-Loge der Volksbank in der MHP-Arena einladen haben lassen. Die Karten galten offenbar auch seiner Ehefrau – auf die die Einladungen nach den Recherchen der Bank später umadressiert wurden. -

Der Schaden soll bei 100 000 Euro liegen

Heilemann, der sich keiner Schuld bewusst ist, ist Geschäftsführer einer Firma mit Sitz in Neuenstadt am Kocher. Dem Aufsichtsrat der Volksbank gehörte er von Mai 2018 bis Mai 2019 an. Nach den Erkenntnissen des Geldinstituts ist er (mit seiner Frau) bereits ab dem Jahr 2015 von Karlheinz Unger in die Loge eingeladen worden – obwohl es keinen geschäftlichen oder anderweitigen Anlass dafür gegeben haben soll. Diese Einladungen entsprechen nach Berechnungen der Bank einem Wert „von deutlich mehr als 10 000 Euro“. Insgesamt, also inklusive steuerlicher Komponenten, schätzt die Volksbank die Bereicherungsansprüche gegen Heilemann und den ihm zurechenbaren Schaden auf rund 100 000 Euro.

Als er in den Aufsichtsrat gewählt wurde, soll Heilemann diese „Zuwendungen“ durch den Vorstandsvorsitzenden nicht erwähnt haben. Und auch während seiner Amtszeit gegenüber der Bank nicht als so genannte Sachzuwendungen offen gelegt haben. Bei anderen Einladungen, etwa von den Schlossfestspielen, hingegen soll das Aufsichtsratsmitglied transparenter verfahren sein.

Enntäuschung über Machenschaften

Heilemann gab seinen Sitz im Aufsichtsrat nach knapp einem Jahr ab – und zwar „aus purer Enttäuschung über die internen Machenschaften innerhalb der Bank“, wie er es gegenüber unserer Zeitung formuliert. Zwei Monate zuvor war der Vorstandsvorsitzende Karlheinz Unger gegangen worden.

Ihm sind, das gilt als offenes Geheimnis, Verstöße gegen die Compliance-Regeln zum Verhängnis geworden. So soll Unger zu großzügig mit Geschenken und Einladungen im Namen der Bank verfahren sein. Mit der (noch nicht abgeschlossenen) Klärung des Verdachts hat die Volksbank eine Kanzlei beauftragt. Dabei kamen schließlich die Vorwürfe gegen Heilemann auf.

Heilemann selbst erklärt, dass er sich entweder stets die steuerrechtliche und regeltreue Korrektheit der Einladungen habe bestätigen lassen. Oder, als er dann im Aufsichtsrat saß, davon ausging, dass alles ordnungsgemäß laufe. Schließlich seien die offiziellen Einladungen an ihn persönlich adressiert gewesen. Auch die Dokumentation der Versteuerung sei geregelt gewesen – sodass er keinen Grund für „eine weitere Offenlegung einer bei der Volksbank bekannten Tatsache“ gesehen habe. Dennoch, so Heilemann, habe er der Bank angeboten, den Preis der Eintrittskarten zu ersetzen.

Höchste Eile ist geboten

Eigentlich wollte sich die Bank bei ihrer Vertreterversammlung am 6. Mai den Beschluss für einen Prozess gegen Heilemann holen. Doch die fiel wegen Corona aus. Nun bittet die Bank ihre Mitglieder um eine schriftliche Stimmabgabe. Am 31. Mai muss Klarheit herrschen, da die Ansprüche sonst zu verjähren drohen.




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