Volkshochschule Backnang Dieser Profi-Filmer zeigt den Novizen seine Tricks

Von  

Der Filmemacher und Kameramann Willi Dillschneider lebt seit Ende 2018 in Murrhardt, er ist jetzt Dozent der Volkshochschule Backnang. Der 68-Jährige hat ein bewegtes Leben – und zwei neue Kurse im Angebot.

Willi Dillschneider hat Musik studiert, über Umwege kam er zum Film. Foto: Gottfried Stoppel
Willi Dillschneider hat Musik studiert, über Umwege kam er zum Film. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Geboren im Saarland, Musikstudium und ein paar wilde Jahre in Berlin, dann der Umzug ins Schwabenland. Lange her. Willi Dillschneider hat seit 1978 in Stuttgart gelebt, zusammen mit seiner spanischen Frau Diemut Yáñez eine Filmproduktion gegründet und für das ZDF, für Arte und das Schweizer Fernsehen als freier Mitarbeiter gearbeitet. Er ist Dozent an der Zeppelinuniversity in Friedrichshafen, an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Ravensburg und in Stuttgart sowie an der Uni Stuttgart.

Vor ein paar Monaten ist der rüstige Mann im Rentenalter nach Murrhardt umgezogen, weil Stuttgart – auch wegen Stuttgart 21 – sich „grauenvoll“ entwickelt habe. Kürzlich hat Dillschneider bei der Volkshochschule (VHS) Backnang angeklopft und gefragt, ob er wohl gebraucht werde. Nach einem kurzen Gespräch war schnell klar: Der Mann vom Fernsehen wird Dozent, im neuen Frühjahr/Sommer-Programm der VHS sind nun zwei Kurse ausgeschrieben, die Dillschneider leitet: „Der fotografische Blick – Erzählen mit der Digitalkamera“ (11. und 12. Mai) und „Vom Dreh zum Digitalschnitt – Grundlagen des Videofilmes“ (18. Und 19. Mai).

Umzug nach Murrhardt noch nicht eine Minute bereut

Dillschneider erzählt an diesem grauen Wintertag in Backnang, dass er den Teilnehmern beibringen wolle, wie sie mit der Kamera Geschichten erzählen können, wichtig sei die Dramaturgie eines Films oder einer Fotostrecke. Vor dem Griff zur Kamera sollte man einen roten Faden finden, also eine Spur, die aufgenommen und konsequent verfolgt wird. Wer zum Beispiel eine Hochzeit fotografieren oder filmen wolle, der müsse sich vorher überlegen: Was ist wichtig? Was passiert wann? Was darf keinesfalls fehlen? Zum Beispiel den Tausch der Ringe aufzunehmen. Für seine Dokumentarfilme habe er sich immer auch im Vorfeld viel Zeit genommen. Selbst wenn die Sendeanstalten ihn nicht dafür bezahlt hätten: Er habe sich für größere Produktionen oft mehrere Tage lang mit den Protagonisten getroffen – zunächst ohne die Kamera, um sich zu beschnuppern.

Dillschneider und seine Frau haben unzählige Filme produziert, etwa eine Reihe über Wallfahrten in Europa für das Zweite und ein Wissenschaftsmagazin für das Fernsehen der Eidgenossen. Die kleine Firma hat ihren Sitz jetzt mitten in Murrhardt, wo das Paar die neue Bleibe derzeit noch renoviert. Filme würden vorerst keine mehr produziert, Dillscheider will aber weiterhin vielerorts als Dozent arbeiten. Murrhardt gefalle ihm gut, wegen der vielen Geschäfte, des Ärztehauses, wegen der guten Anbindung mit der Bahn und wegen der guten Luft. Den Umzug hätten er und seine Gattin noch nicht eine Minute bereut. Dass die beiden in der Stadt im Schwäbischen Wald gelandet sind, ist reiner Zufall. „Wir haben jahrelang nach einem neuen Zuhause gesucht“, sagt er, nach etwas Bezahlbarem irgendwo im Großraum Stuttgart.

„Ich fange bei Adam und Eva an.“

In den beiden neuen VHS-Kursen will Dillschneider den Teilnehmern auch vermitteln, „wie Bilder wirken“. Er möchte den Amateuren beibringen, „wie man sich kurz fassen kann“. Eine gute Vorarbeit sei wichtig. Der gebürtige Saarländer hat sich selbst übrigens ganz langsam in Richtung Filmemacher entwickelt. Während und auch zunächst nach dem Studium hat er vom Musikmachen gelebt. Dillschneider hat in der Band Lokomotive Kreuzberg Beat gespielt. Und er ist mit einer Tanzkapelle aufgetreten, was bei seinen Hochschuldozenten aber verpönt gewesen sei. Später hat er dann Filmmusik gemacht, beim Fernsehen als Kabelträger und beim Theater als Statist gearbeitet, schließlich ist er Filmemacher geworden. Gelegentlich tritt er mit seiner Band Gleis 17 auf. Mit dem Partner an der Gitarre, Georg Stock, macht Dillschneider als Trommler Improvisationsmusik. „Wir treffen uns meistens, ohne geprobt zu haben und legen los.“

Für seine beiden VHS-Kurse, sagt der Dozent, seien keine Vorkenntnisse erforderlich. „Ich fange bei Adam und Eva an – und gebe dann ordentlich Gas.“




Veranstaltungen