Volkswagen hat zurzeit mit der größten Krise seiner Konzerngeschichte zu kämpfen. Hier beleuchten wir die wichtigsten Stationen im Abgas-Skandal des Wolfsburger Autogiganten.

Berlin/Wolfsburg - Der Abgas-Skandal bei VW zieht sich nun schon seit mehr als zwei Monaten hin. Mit dem Bekanntwerden, dass es auch Unregelmäßigkeiten bei Benzin-Motoren gibt, hat der Skandal Anfang November eine neue Dimension erreicht.

 

Hier geben wir einen Überblick der bisherigen Stationen der schwersten Krise des Konzerns:

3. September: Volkswagen räumt hinter den Kulissen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Abgastests von Dieselfahrzeugen ein.

18. September: Die EPA teilt mit, VW habe eine Software eingesetzt, um Test-Messungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken.

22. September: Der Konzern gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen für bevorstehende Umrüstungen an.

23. September: Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn. „Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt.

25. September: Der VW-Aufsichtsrat beruft Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

28. September: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

7. Oktober: Krisentreffen der Aufseher, VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch wird an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt. Nach Aussage Müllers kann der Rückruf im Januar 2016 beginnen.

8. Oktober: Razzia bei VW. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ordnet Durchsuchungen in Wolfsburg und an anderen Orten an. VW-US-Chef Michael Horn muss dem US-Kongress Rede und Antwort stehen.

13. Oktober: Wegen der hohen Kosten für den Abgas-Skandal will VW eine Milliarde Euro weniger pro Jahr als bislang geplant investieren.

15. Oktober: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

16. Oktober: Von Daimler wechselt Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt zum 1. Januar 2016 als neue Leiterin für Recht und Integrität zu VW.

17. Oktober: Der Volkswagen-Mehrheitseigner Porsche SE teilt mit, dass Winterkorn auch hier seinen Vorstandsvorsitz niederlegt.

21. Oktober: VW stoppt in der EU den Verkauf von Neuwagen im Lagerbestand, die noch ältere Motoren mit der Betrugssoftware haben. Müller betont, noch gebe es keine direkten Folgen für die Jobs.

22. Oktober: Der Konzern prüft, ob auch die frühe Version vom Nachfolger des Skandalmotors EA 189 von den Manipulationen betroffen sind. Untersuchungen ergeben, dass dies laut VW nicht der Fall ist.

28. Oktober: Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

2. November: Die EPA beschuldigt VW, bei weiteren Dieselmotoren eine Manipulations-Software eingesetzt zu haben. Volkswagen weist dies zurück.

3. November: Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein.

4. November: Mitten im Abgas-Skandal muss Volkswagen in den USA knapp 92.000 Fahrzeuge wegen Bremsproblemen zurückrufen. Bei einigen Fahrzeugen bestehe die Gefahr, dass es wegen mechanischer Mängel zu Druckverlust für die Versorgung der Bremsen komme, wodurch das Unfallrisiko steige.

6. November: Der VW-Konzern will mögliche Nachzahlungen bei den Kfz-Steuern für Hunderttausende Fahrzeuge mit frisierten Angaben zum CO2-Ausstoß selber tragen.

9. November: Bei über einer halben Million Diesel-Fahrzeugen wird Volkswagen die Abgas-Manipulationen nicht allein mit einem einfachen Software-Update abstellen können. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) geht davon aus, dass bei rund 540.000 Autos größere technische Änderungen durchgeführt werden müssten.