Volleyball – Allianz MTV Stuttgart Die Sponsoren stehen nicht gerade Schlange beim Meister

Von Jochen Klingovsky 

Nicht nur die Insolvenz eines wichtigen Sponsors beeinträchtigt bei Frauen-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart die Gedankenspiele für die nächste Saison – es ist eine Rechnung mit gleich zwei Unbekannten.

Zwei feste Größen im Team von Allianz MTV Stuttgart beim Blocken: Martina Samadan (re.) und Krystal Rivers Foto: Baumann
Zwei feste Größen im Team von Allianz MTV Stuttgart beim Blocken: Martina Samadan (re.) und Krystal Rivers Foto: Baumann

Stuttgart - Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart stehen vor der bisher wichtigsten Woche der Saison. An diesem Mittwoch (19 Uhr, Scharrena) geht es gegen den Tabellensechsten NawaRo Straubing, der 2020 alle fünf Bundesliga-Spiele gewonnen hat. Und dennoch ist das Duell nur der Prolog, dem zwei weitaus wichtigere Auftritte folgen: das Pokalfinale am Sonntag (16.30 Uhr) in Mannheim gegen den Dresdner SC und das letzte Vorrundenspiel in der Champions League am Dienstag (19 Uhr, Scharrena) gegen Khimik Yuzhny/Ukraine, in dem der deutsche Meister den Einzug ins Viertelfinale schaffen will. Dieser Terminplan macht klar, wie groß die sportlichen Herausforderungen sind. Er zeigt nicht, welche Sorgen die Verantwortlichen haben.

Zwischen 1,7 und 1,8 Millionen Euro bewegt sich aktuell der Etat – je nach Abschneiden in der Königsklasse. Das Ziel von Geschäftsführer Aurel Irion und Sportdirektorin Kim Renkema war es, das Budget für nächste Saison weiter zu erhöhen. Nach der Insolvenz von DeinBus.de geht es nun aber erst mal darum, das bisherige Niveau zu halten. Das Unternehmen war einer von drei Hauptpartnern, befand sich damit in der Sponsoren-Pyramide auf der zweiten Ebene hinter den Toppartnern Allianz und Scharr, die gemeinsam rund 40 Prozent des Etats abdecken. Zu den Hauptpartnern zählen dem Vernehmen nach Geldgeber, die bereit sind, pro Saison einen sechsstelligen Betrag zu investieren. „Einen solchen Sponsor zu verlieren, ist für uns ein großer Brocken“, sagt Renkema, „wir haben zwar noch Zeit, doch aktuell ist es so, dass wir nicht wissen, ob wir ein Team zusammenstellen können, das so teuer sein darf wie in der laufenden Saison.“ Und das ist durchaus ein Problem.

Verlängern heißt, dass es teurer wird

In der Vergangenheit war es oft so, dass der Verein rund ums Pokalfinale die ersten Vertragsverlängerungen veröffentlicht hat. Auch im aktuellen Team dürfte es neben Krystal Rivers, Pia Kästner, Roosa Koskelo, Annie Cesar und Lara Berger, die noch einen Kontrakt für nächste Saison haben, drei oder vier Spielerinnen geben, die der MTV unbedingt halten will – Mittelblockerin Martina Samadan zum Beispiel, aber auch die Außenangreiferinnen Celine van Gestel und Alexandra Lazic spielen eine gute Saison und haben noch Entwicklungspotenzial. „Verlängern heißt im Sport allerdings immer, das es sich verteuert“, sagt Renkema, „deshalb ist es jetzt wichtig, uns auch finanziell für nächste Saison neu aufzustellen.“

Lesen Sie hier: Kim Renkema, das Gesicht des Stuttgarter Volleyballs

Obwohl Allianz MTV Stuttgart als Meister, Pokalfinalist und Champions-League-Teilnehmer der erfolgreichste Verein der Stadt ist, bedeutet das: harte Arbeit. „Wir haben uns in den letzten drei, vier Jahren unglaublich gut entwickelt“, sagt Geschäftsführer Irion, „und trotzdem bleibt es sehr, sehr anstrengend, neue Partner zu finden. Das ist schon ein bisschen frustrierend.“ Allerdings auch erklärbar: „Es wäre der falsche Ansatz, uns mit dem VfB, den TVB-Handballern oder den Ludwigsburger Basketballern zu vergleichen, wir müssen unseren eigenen Weg finden. Aber natürlich ist es so, dass in unserer Region viele Konkurrenten im selben Teich fischen.“ Da helfe es wenig, dass Volleyball in Deutschland mittlerweile die Frauensportart Nummer eins ist. „Ich fände es gerechtfertigt, wenn dieser Status von Unternehmen mehr honoriert werden würde“, sagt Irion, „doch letztlich bleibt es eben Frauen-Volleyball – eine Sportart, die weiter um Anerkennung und ihren Stellenwert kämpfen muss. Und bei der die Sponsoren nicht Schlange stehen.“ Umso wichtiger ist für den Meister eine Personalie. In dieser Woche. Aber auch darüber hinaus.

Simone Lee ist im Pokalfinale nicht spielberechtigt

Krystal Rivers verletzte sich im Heimspiel gegen den USC Münster Mitte Januar am Rücken, fällt seither aus. Über die genaue Diagnose wollen weder die Kapitänin noch die Verantwortlichen sprechen. Die Hoffnung ist, dass sie spätestens im Pokalfinale (in dem Neuzugang Simone Lee nicht spielberechtigt ist) wieder mitmischen kann. Doch sicher ist das nicht. „Ihre Rückenprobleme sind schwer greifbar“, sagt Sportchefin Renkema, „und wir wollen die Verantwortlichen beim Dresdner SC auch nicht klüger machen, als sie es ohnehin schon sind.“

Lesen Sie hier: Die ungewöhnliche Geschichte von Krystal Rivers

Rivers ist indes nicht nur für den Pokal und die Champions League enorm wichtig. Sondern auch für die Zukunft. Die Diagonalangreiferin, vergangene Saison als beste Spielerin der Bundesliga ausgezeichnet, hat einen Vertrag bis Mai 2021, aber auch eine Ausstiegsklausel. Gegen eine festgeschriebene Ablösesumme kann sie im Sommer gehen. „Es wäre enorm wichtig, dass sie bleibt“, sagt Renkema, „sie ist in unseren Planungen das zentrale Element.“ Was verständlich ist, die Sache aber nicht erleichtert: Die Rivers-Klausel und die Sponsorensuche machen die Kaderzusammenstellung für 2020/21 zur Rechnung mit zwei Unbekannten. Mit dem Ergebnis, dass es bei Allianz MTV Stuttgart derzeit nicht nur sportliche Herausforderungen gibt.