Volleyball – Allianz MTV Stuttgart Kim Renkema: „Wir sind nicht so stabil wie erhofft“

Von Jochen Klingovsky 

Die Sportchefin der Stuttgarter Bundesliga-Volleyballerinnen über die Chancen in der Königsklasse, die Verletzungen, spielerische Probleme und die Planungen für nächste Saison.

Geht voll mit, wenn ihr Team spielt: Kim Renkema, Sportchefin des deutschen Volleyball-Meisters Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann
Geht voll mit, wenn ihr Team spielt: Kim Renkema, Sportchefin des deutschen Volleyball-Meisters Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Stuttgart - Wichtige Spielerinnen verletzt, die Topform verloren: Kim Renkema hat vor dem Duell in der Champions League beim italienischen Titelverteidiger Igor Gorgonzola Novara an diesem Donnerstag (20.30 Uhr) die eine oder andere Sorge. Die Sportchefin der Stuttgarter Volleyballerinnen über . . .

. . . die Chancen in der Königsklasse: „Das Spiel in Novara ist sehr angenehm. Wir fahren ohne Druck und ohne Erwartungen dorthin. Es ist uns gelungen, den Titelverteidiger im Hinspiel zu schlagen, was eine riesige Überraschung war – gegen einen solchen Gegner zweimal in einer Saison zu gewinnen, das wäre eine echte Sensation. Wir haben danach im Februar noch zwei Heimspiele gegen Lodz und Yuzhny. Es wird nicht einfach, aber wenn es uns gelingen sollte, zweimal drei Punkte zu holen, müsste das für den Einzug ins Viertelfinale reichen.“ . . . die mit 3:1 gewonnene Generalprobe für das Pokalfinale beim Dresdner SC: „Dieses Ergebnis sagt nicht viel aus. Der Dresdner SC kann viel mehr, deshalb wird das Finale am 16. Februar in Mannheim ein ganz anderes Spiel – obwohl wir diesen Gegner diese Saison schon zweimal bezwungen haben, ist ein dritter Sieg alles andere als selbstverständlich. Trotzdem sind wir, wenn wir komplett fit sind, natürlich der Favorit.“ . . . die aktuellen spielerischen Probleme: „Die Annahme ist derzeit nicht gut genug, das führt zu einem unpräzisen Zuspiel und zu Angriffen, die nicht druckvoll genug sind. Das alles lief in dieser Saison schon besser. Wir haben in der Vorrunde bewusst viel gefordert von unserem Team, obwohl wir wussten, dass wir damit ein Risiko eingehen. Uns war klar, dass es nach der Pause über Weihnachten länger dauern kann, bis alle wieder im Rhythmus sind. Unser Ziel ist, am Ende der Saison eine Mannschaft zu haben, die fit ist und noch genügend Energie für die Play-offs zur Verfügung hat. Folglich ist der Blick auf die Tabelle im Augenblick für uns nicht ganz so wichtig. Wir haben andere Sorgen.“ . . . die angeschlagene Kapitänin Krystal Rivers: „Sie hat schon länger Rückenprobleme, dann ist sie vor einer Woche im Spiel gegen den USC Münster auch noch unglücklich gefallen. Bisher gibt es noch keine genaue Diagnose, sie hatte noch keinen MRT-Termin. Sicher ist, dass wir kein Risiko eingehen werden. Wichtig für uns ist, dass Krystal Rivers bis zum Pokalfinale wieder fit wird.“ . . . Neuzugang Simone Lee: „Wir haben ihre Spielberechtigung vorliegen, sie wird in Novara erstmals im Kader stehen. Sie ist eine sehr gute Angreiferin und deshalb die perfekte Lösung für uns – wir hoffen, dass sie und ihre Freundin Krystal Rivers bald gemeinsam auf dem Feld stehen und Punkte sammeln. Normalerweise können wir uns Spielerinnen wie Simone Lee nicht leisten, sie hätte nach dem Ende der Saison in Japan woanders in Europa vier Monate lang viel mehr Geld verdienen können. Doch wir haben unsere guten Kontakte in die USA genutzt, und sie wollte sich in der Champions League beweisen. Das Paket ist für uns zwar schwer zu stemmen, aber wir mussten etwas tun – hätten wir weiter im Außenangriff nur mit Celine van Gestel und Alexandra Lazic spielen können, hätte das alle unsere Ziele in Gefahr gebracht.“ . . . die langzeitverletzten Pia Kästner (Zuspiel) und Channon Thompson (Außenangriff): „Die beiden haben keinen Kreuzbandriss, bei dem man weiß, dass ein Athlet sechs bis neun Monate ausfällt. Wir haben bei ihnen gehofft, dass es schneller geht, es war aber klar, dass es auch länger dauern kann. Pia Kästner (Verschleißerkrankung der Wirbelsäule/d. Red.) und Channon Thompson (Teilruptur der Plantarsehne an der Fußsohle/d. Red) sind bei weitem noch nicht da, wo sie sein müssten, um von einer baldigen Rückkehr aufs Feld sprechen zu können. Es ist sogar unsicher, ob sie in dieser Saison überhaupt noch einmal spielen werden. Ihr voller Fokus liegt derzeit auf dem Reha-Training. Wichtig ist jetzt vor allem, dass wir ihnen die Zeit geben, wieder richtig fit zu werden. Denn nach dieser Saison kommt die nächste Saison, egal wo.“ . . . die Planungen für die Spielzeit 2020/21:„Wir gehen alles etwas langsamer an als vor einem Jahr. Zum einen haben wir in Krystal Rivers, Pia Kästner, Roosa Koskelo und Annie Cesar bereits vier Spielerinnen unter Vertrag. Und zum anderen sind wir zwar erfolgreich, allerdings auch nicht so stabil wie erhofft. Diese Mannschaft hat das Potenzial, um zwei Titel zu holen, aber bisher ist alles zu chaotisch, um ein endgültiges Urteil fällen zu können. Wir warten nun das Pokalfinale ab, denn wir brauchen klare Ergebnisse, um abschließend beurteilen zu können, welche Spielerinnen wir unbedingt halten wollen. Schön ist diesmal, dass wir eine Idee und noch sehr viel Zeit haben.“